Pflegeformen
Ambient Assisted Living: Wie ein Smart Home das Leben erleichtert
Veröffentlicht am:03.12.2020
6 Minuten Lesedauer
Aktualisiert am: 29.08.2025
Die allermeisten Pflegebedürftigen fühlen sich zu Hause am wohlsten. Neue Technologien wie Saugroboter oder Sturzerkennungsmechanismen können helfen, sie so lange wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld zu versorgen.

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Was versteht man unter Ambient Assisted Living?
Ambient Assisted Living (AAL) bedeutet auf Deutsch in etwa „Umgebungsunterstütztes Leben“ oder „Alltagsunterstützende Assistenzsysteme“. Der englische Begriff bezeichnet Produkte und Dienstleistungen, die den Alltag von Menschen – insbesondere älteren Menschen oder Menschen mit körperlichen Einschränkungen – durch den Einsatz intelligenter Technologien erleichtern, sicherer machen und ihre Selbstständigkeit in den eigenen vier Wänden fördern. Viele AAL-Systeme nutzen Smart-Home-Technologien als Basis. Der Begriff „Smart Home“ bedeutet übersetzt „intelligentes Zuhause“. Als intelligent bezeichnet werden dabei die zahlreichen Geräte, die in der Wohnung automatisiert laufen. Dazu gehören zum Beispiel die Heizung, Beleuchtung und Belüftung, aber auch Haushaltstechnik, wie etwa der Kühlschrank oder die Waschmaschine. Auch die Kommunikations- und Unterhaltungselektronik wie Smartphone, Tablet und Fernseher gehören dazu. Sie können teilweise oder gänzlich untereinander und nach außen hin vernetzt sein.
Wer sich dafür entscheidet, sein Zuhause mit intelligenten Systemen auszustatten, hat also eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Auswahl und kann diese ganz nach seinen persönlichen Bedürfnissen einrichten. Im Gesundheits- und Pflegebereich kann ein Smart Home so den Alltag erleichtern und häufig sogar eine lebensrettende Hilfe sein.
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Das Smart Home im Alter
Viele ältere Menschen verbringen einen Großteil ihrer Zeit in der eigenen Wohnung. Denn das vertraute Umfeld vermittelt Sicherheit und Selbstbestimmtheit. Digitale Technologien können das selbstständige Leben erleichtern und pflegebedürftigen Menschen ermöglichen, zu Hause wohnen zu bleiben. Für Angehörige kann es ebenfalls sehr entlastend sein, wenn sie Eltern und Verwandte in Sicherheit wissen. Wichtig: Viele smarte Systeme brauchen einen Internetzugang, da sie online Daten versenden, zum Beispiel Meldungen an Angehörige, Pflegedienste, Gesundheitsdienste oder andere Dienstleistungsanbieter.
Sicherheit im Smart Home
Ältere Menschen, die allein leben, sorgen sich oft, in der Wohnung zu stürzen und keine Hilfe rufen zu können. Dasselbe gilt für medizinische Notfälle, die für Alleinstehende lebensbedrohlich sein können. Bei der Sturzerkennung helfen sogenannte Sturzerkennungssensoren. Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen, beispielsweise als
- kleines Kästchen, das an der Kleidung befestigt wird,
- Wandsensor oder
- in den Fußbodenbelag integrierter Sensor.
Stürzt eine hilfsbedürftige Person, alarmieren die Sensoren automatisch einen Rettungsdienst und die Angehörigen. Bei der Vermeidung von Stürzen helfen intelligente Türöffnungssysteme und eine smarte Beleuchtung, die automatisch angeht, wenn die Person nachts das Bett verlässt.
Auch eine automatische Lichtsteuerung erhöht die Sicherheit im Alter. Dazu zählen Orientierungslichter für die Steckdose, die sich über einen Bewegungsmelder oder einen Helligkeitssensor ein- und ausschalten. Auch sie beugen Stürzen vor, indem sie bei Dunkelheit für klare Sicht sorgen. Durch Smart-Home-Technologien können Lichtquellen außerdem bequem per App gesteuert werden.
Für mehr Sicherheit in der Küche kann eine Herdabschaltautomatik sorgen. Diese unterbricht die Stromzufuhr nach einer voreingestellten Zeit. Eine andere Systematik funktioniert per Bewegungsmelder: Dieser erkennt, ob sich noch jemand in der Küche aufhält. Ist dies nicht der Fall, wird der Herd automatisch abgeschaltet.
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Ein Smart Home für die Gesundheit
Sensoren, wie sie zum Beispiel in einer Smartwatch zu finden sind, können den eigenen Gesundheitszustand überwachen. Personen mit Vorerkrankungen können so ihre Vitalparameter wie Herzfrequenz und Blutdruck kontrollieren und direkt an den Hausarzt beziehungsweise die Hausärztin oder eine Notrufstelle übermitteln. Auch eine Smartwatch für Diabetiker und Diabetikerinnen ist in der Entwicklung. Über einen speziellen Mikrosensor soll sie schmerzfrei den Blutzucker messen und bei Über- oder Unterzuckerung Alarm schlagen.
Viele ältere Menschen müssen regelmäßig Medikamente einnehmen. Dabei den Überblick zu behalten, ist nicht immer einfach. Um den Alltag zu erleichtern, gibt es mittlerweile intelligente Pillendosen, die mit unterschiedlichen Alarmfunktionen ausgestattet sind. Auch Pillendosen mit integrierter Kamera existieren bereits. Sie können Gesichter erkennen und geben anschließend die passenden Medikamente heraus.
Ein anderes Projekt, an dem derzeit gearbeitet wird, ist ein intelligenter Rollator. Was viele nicht wissen: Die korrekte Benutzung von Rollatoren muss richtig erlernt und kontinuierlich geübt werden. Ein neues Modul, das in Rollatoren eingebaut werden kann, soll Haltungsfehlern bei der Benutzung vorbeugen und so das Sturzrisiko minimieren. Dafür sorgen sogenannte Distanzsensoren zur Haltungserkennung, die bei Bedarf ein leichtes Vibrieren auslösen.

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Smarte Hilfe für den Haushalt
Weitere smarte Lösungen für Menschen mit Bewegungseinschränkungen sind bereits auf dem Markt erhältlich. Haushaltshelfer wie Saug- und Wischroboter erleichtern das Reinigen der Wohnung und sind kostengünstiger als eine Reinigungskraft. Diese Roboter übernehmen die sonst anstrengende Bodenreinigung und lassen sich bequem per Knopfdruck, Fernbedienung oder App steuern. Dasselbe gilt für den Garten: Wer seine Grünfläche liebt, sie aber nicht mehr wie gewünscht pflegen kann, kann einen Rasenmähroboter und ein smartes Bewässerungssystem einsetzen.
Je älter Menschen werden, desto vergesslicher werden sie oft. Problematisch ist es, wenn der Haustürschlüssel ständig verlegt wird. Auch hierfür gibt es eine smarte Abhilfe: den Schlüsselfinder, eine Art Mini-Empfänger, der am Schlüsselbund hängt und laut piept, wenn am Sender der Knopf gedrückt wird. Viele ältere Menschen leiden zudem an regelmäßigen Gichtschüben oder Arthritis. Das kann dazu führen, dass sie an einigen Tagen nicht einmal in der Lage sind, einen Schlüssel zu drehen. Auch Gehhilfen oder zittrige Hände erschweren die Handhabung. Abhilfe schafft ein Haustürschloss mit Fingerabdruckerkennung. Genauso kann eine smarte Türklingel das Leben vereinfachen. Über ein Tablet oder ein Smartphone kann man bequem sehen, wer vor der Tür steht, und diese dann öffnen. Die oft mühsam zu überwindenden Meter entfallen dadurch. Ähnlich ist es bei smarten Geräten wie Waschmaschine und Herd oder dem Licht. Mit der richtigen Technik lassen sie sich bequem per Spracheingabe oder Smartphone steuern.
Wie sieht die Zukunft des Smart Home aus?
Die Pflege stellt aufgrund des demografischen und sozialen Wandels auch zukünftig eine große Herausforderung dar. Zum einen fehlen zunehmend ausgebildete Fachkräfte, zum anderen sind Unterstützung und Pflege durch Angehörige für die Familien immer schwieriger zu organisieren. Die Hoffnungen und Erwartungen, dass digitale Technologien die pflegerische Versorgung wesentlich verbessern, sind daher groß. Das Ziel: Das Smart Home der Zukunft soll proaktiv mitdenken.
Angesichts der Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz sollen intelligente Algorithmen in absehbarer Zeit auch vermehrt im Smart Home zum Einsatz kommen, um die Gesundheitsüberwachung zu automatisieren. Aktuell braucht jedes Gerät eine eigene App. In Zukunft soll jedoch ein Komplettsystem alle Gesundheitsdaten an einem Ort sammeln. Die intelligenten Algorithmen können die zusammenhängenden Daten dann auswerten und daraus Gesundheitsempfehlungen ableiten.
Diese technologischen Entwicklungen könnten allerdings ein aktuelles Problem noch verstärken: Für viele potenzielle Kunden und Kundinnen ist ein Smart-Home-System zu teuer. Doch auch hierfür gibt es bereits erste Lösungen: Um es sich leisten zu können, haben sich Senioren und Seniorinnen zu Wohngruppen zusammengeschlossen – so zum Beispiel im Projekt „Zusammenleben 4.0“ in Halle an der Saale oder dem Wohn- und Quartierzentrum „WoQuaZ“ in Weiterstadt in Hessen.
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