#Sport am 08.09.2021

Sport und Gelenke: Die richtige Bewegung macht den Unterschied

Die Kniegelenke eines Mannes auf einer Patientenliege werden massiert.
Stocksy / Alto Images

Sport macht Spaß, hält den Körper fit und gesund. Aber wie sieht es mit den Gelenken aus? Darüber sprechen wir mit einer Spezialistin der Universitätsklinik Tübingen.

Wer rastet, der rostet! Dieses alte Sprichwort dürfte wohl niemals aus der Mode kommen. Denn nur bei ausreichend Bewegung produziert der Körper genug Gelenkschmiere, und der Knorpel wird optimal mit Nährstoffen versorgt. Bewegungsmangel ist demzufolge Gift für die Gelenke. Doch auch bei sportlichen Aktivitäten lauern Gefahren.

Dr. Pia Janßen, Leitende Oberärztin für Sportorthopädie an der Universitätsklinik Tübingen, erklärt, wie du Gelenkerkrankungen vermeidest und beim Sport deine Gelenke schonst.

Dr. Pia Janßen, Leitende Oberärztin für Sportorthopädie an der Universitätsklinik Tübingen.

Überlastete Gelenke sind keine Frage des Alters

Wer denkt in jungen Jahren schon an Gelenkverschleiß, wenn er sich in seinem Lieblingssport verausgabt? In der Tat treten Gelenkerkrankungen deutlich häufiger in höherem Alter auf als bei Kindern oder Jugendlichen. Nicht selten aber sind sie die späte Folge früherer Sportverletzungen und wiederholter Überbelastung.

Im Breitensport nehmen allerdings Brüche, Prellungen und Zerrungen sowie Überlastungsschäden an Gelenken und Knochen „beinahe epidemisch“ zu, stellt die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie fest und warnt vor möglichen Spätschaden.

Also besser auf Abstand gehen zum „Gelenkkiller Sport“? „Auf keinen Fall“, sagt Dr. Pia Janßen, Leitende Oberärztin für Sportorthopädie an der Universitätsklinik Tübingen. „Bewegung bringt grundsätzlich ja keinen Schaden, sondern bewirkt Gutes. Das eigentliche Problem sind Bewegungsmangel und Übergewicht.“ Gerade in jungen Jahren sei es wichtig, ausreichend Bewegungsanreize zu setzen, um die körperliche Entwicklung zu fördern.  

Bewegung bringt grundsätzlich keinen Schaden, sondern bewirkt Gutes.
Dr. Pia Janßen

Knochen können sich anpassen

Als Beispiel nennt die Fachärztin für Orthopädie den Tennissport, der ein hohes Maß an Ausdauer und Schnellkraft erfordert: Das Knochensystem passt sich vor dem Abschluss des Wachstums sehr gut an die Belastung an, Knochendichte und -volumen steigen.

Im Leistungssport zeigt sich diese Anpassung besonders deutlich: „Bei jungen Tennisspielern ist der Schlagarm meist größer und breiter als bei anderen. Auch beim Leistungsturnen sehen wir körperliche Veränderungen“, berichtet Dr. Janßen, die mit ihrem Team unter anderem jugendliche Kadersportler aus Baden-Württemberg medizinisch betreut.

Richtiges Training und gute Vorbereitung beugen Gelenkerkrankungen vor

Die korrekte Bewegungstechnik und eine ausreichende Erholung zwischen den Trainingseinheiten schützen die Knochen und Gelenke vor Überlastung und beugen Verletzungen vor. Das gilt für jedes Alter und Leistungsniveau.

Wer hingegen zum Beispiel mit der Familie ein- oder zweimal im Jahr untrainiert in die Skiferien geht und dann täglich acht Stunden auf der Piste ist, riskiert eine Überlastung der Kniesehne und sämtlicher weiterer Kniestrukturen. Weiterhin kann es zu Muskelfaserrissen bis hin zu schweren Verletzungen infolge von Stürzen kommen.

„Leider bereiten sich aber die wenigsten Menschen durch ein paar Wochen gezieltes Krafttraining auf das Skifahren vor.“ Und wer sich im Schnee oder auch beim gelegentlichen Freizeitkicken auf dem Bolzplatz das vordere Kreuzband im Knie verletzt, setze damit einen schweren Defekt im Gelenk, warnt Fachärztin Janßen und weist auf das besondere Risiko junger Frauen hin: Diese erleiden deutlich häufiger einen Kreuzbandschaden als Männer ihrer Altersklasse. Ob dies hormonell bedingt ist oder auf die ungleiche Kraftverteilung in der Oberschenkelmuskulatur zurückgeht, ist noch nicht hinreichend geklärt.

Als Familie in Bewegung

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Nur wenige Menschen bereiten sich durch ein paar Wochen gezieltes Krafttraining auf das Skifahren vor.
Dr. Pia Janßen

Sorgenkind Kniegelenk

Sicher ist: Eine Verletzung am Meniskus oder Kreuzband gilt als Präarthrose, als krankhafte Veränderung im Gelenk, die mit hoher Wahrscheinlichkeit später zu einer Kniegelenkarthrose führt. Bei einer Arthrose wird der Gelenkknorpel allmählich zerstört, auch Knochen, Sehnen und Bänder werden in Mitleidenschaft gezogen.

Am häufigsten ist das Knie von Arthrose betroffen, vor der Hüfte und den Fingergelenken. Leistungssportler in gelenkintensiven Start-Stopp-Sportarten wie Fußball, Handball oder Eishockey haben laut Dr. Janßen aber auch ohne Verletzungen ein doppelt so hohes Risiko wie der Durchschnitt der Bevölkerung, in späteren Jahren eine Arthrose im Kniegelenk zu entwickeln.

Ob Breiten- oder Leistungssport: Eine Über- und Fehlbelastung kann die Gelenke langfristig und dauerhaft schädigen. Eine deutlich größere Gefahr ist allerdings der Mangel an Bewegung.

Volkskrankheiten: Bewegungsmangel und Übergewicht

Laut Robert Koch-Institut (RKI) bewegen sich 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen zu wenig und verbringen stattdessen übermäßig viel Zeit im Sitzen: vor dem Fernseher, am Computer oder Smartphone. Bei den Erwachsenen sind 40 Prozent im Alltag nicht ausreichend in Bewegung.

Übergewicht kommt erschwerend hinzu. Nahezu jedes fünfte Kind leidet an Übergewicht oder Fettleibigkeit (Adipositas). Bei jedem Schritt müssen die Knie das 2,5-Fache des Körpergewichts abfedern, beim Hinabsteigen einer Treppe sogar das 3,5-Fache. Jedes Extrakilo Körpergewicht erhöht somit den Druck auf die Gelenke.

Mindestens ebenso gefährlich für Knie und Co sind die Fettpolster selbst: Die Fettzellen des Bauchfetts schütten Botenstoffe aus, die entzündliche Reaktionen im Körper anfeuern. Sie fördern damit die Entstehung von Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch von Gelenkschäden schon bei Kindern und Jugendlichen.

Der neue Podcast „Leib und Seele“

Sich mit der Entstehung, Wahrnehmung und Verarbeitung von Schmerzen auseinanderzusetzen, hilft, besser mit ihnen zurechtzukommen. In „Leib und Seele“, dem neuen Podcast der AOK Baden-Württemberg, geht die Moderatorin Lilly Wagner zusammen mit verschiedenen Schmerzexperten dem Thema auf die Spur.

Was ist ein Podcast?

Podcasts sind abonnierbare Dateien im Internet. Der Begriff setzt sich zusammen aus der Abkürzung Pod, die für playable on demand steht, also abspielbar auf Abruf, und dem von Broadcast (Übertragung) abgeleiteten Wort cast. Die gängigsten Formate sind der Audio- und der Videopodcast.

Hier gibt es in der Regel ein oder mehrere Moderatoren, die sich gemeinsam oder mit Gästen über bestimmte Themen unterhalten. Dabei kann es sich um Sport oder Gesundheit drehen, aber auch um News aus der Wirtschaft oder aus dem privaten Leben – das einzige Kriterium ist: Es muss Leute geben, die das interessiert und die zuhören bzw. zugucken.

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