#Achtsamkeit am 08.08.2022

Weit(er) gehen: Pilgern in Baden-Württemberg

Rückansicht eines jungen Mannes beim Pilgern auf einem kleinen Naturpfad, der ihn durch grüne Berge entlang eines kleinen Flusses führt.
Stocksy / Juno

Einen Pilgerweg zu wandern, bedeutet Schritt für Schritt den Alltag zurückzulassen und seinen Gedanken bewusst zu lauschen. Pilgern bietet Gelegenheit, eine Auszeit zu nehmen, sich zu besinnen, langsamer und ruhiger zu werden.

Zwei Tage ist die Gruppe schon unterwegs. Drei Tage Wegstrecke über Wiesen, durch Wälder und an Bächen entlang liegen noch vor ihr. Mal wandert jeder für sich, in Stille und seinen eigenen Gedanken lauschend. Mal suchen sie das Gespräch – von Pilger zu Pilger.

Auf Pilgerwegen bei sich selbst ankommen

Für Jürgen Rist, Pilgerbeauftragter der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, bedeutet diese Art der Bewegung, „ganzheitlich unterwegs zu sein“. „Für mich vereint Pilgern das Eintauchen in die Natur, das stete Gehen und das Bei-sich-selbst-Ankommen“, sagt Rist. Er empfiehlt, sich für diese Erfahrung Zeit zu nehmen: „Eine Wanderung ab vier Tagen bis zu einer Woche ist ein gutes Maß, um mit dem Pilgern zu beginnen“, so der Experte. Denn: „Es braucht Zeit, sich auf das Gehen einzulassen und den Rhythmus, den man im Alltag sonst hat, zurückzulassen. Erst wenn man sich ‚leer‘ gelaufen hat, ist man offen für all die Sinneseindrücke aus der Umgebung, aber auch für die eigenen Gefühle und Gedanken.“

Eine Wanderung der Erkenntnis

Oft brechen Menschen zu einer Pilgerwanderung auf, wenn etwas in ihrem Leben im Umbruch ist. Bei den einen ist es ein festgefahrenes Berufsleben, das sie unzufrieden macht, bei anderen ist es eine zu Bruch gegangene Beziehung, ein Trauerfall im nahen Umfeld oder das Hadern mit Lebensentscheidungen. Einfach mal wegzumüssen – dieses Gefühl ist für viele der Auslöser, loszugehen.

Jürgen Rist: „Jeder von uns hat nicht nur seinen Wanderrucksack dabei, sondern trägt auch ein inneres Päckchen mit sich herum. Manchmal ist man sich dessen bereits bewusst, manchmal wird man sich aber auch erst im Laufe der Strecke über die Dinge klar, die man mit auf den Weg nimmt.“

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Sich auf den Weg machen

Das Zurücklegen einer Strecke kann unglaublich zufrieden machen, sagt der Pilgerbeauftragte Rist. Schließlich müsse man nichts weiter tun, als von A nach B zu kommen: „Mehr muss ich an diesem Tag nicht leisten.“ Das können mal mehr, mal weniger Kilometer täglich sein. Mal sind es stundenlang ebene Wege, mal steile und anstrengende Passagen, mal geht man in völliger Einsamkeit, mal trifft man auf Gleichgesinnte. Aber eines bleibt immer gleich: Schritt für Schritt nähert man sich seinem Tagesziel.

„Es klingt banal, aber es geht dabei vor allem auch um Selbstwirksamkeit. Pilger erfahren, dass sie etwas bewirken, sie gehen vorwärts – langsam, aber stetig.“ Das Gehen scheint gegenüber anderen sportlichen Aktivitäten unspektakulär. Aber genau diesen entschleunigten Rhythmus empfinden viele als wohltuend.

Pilgern ist kein Spaziergang

Es ist aber kein Spaziergang, so Jürgen Rist. Jeder, der sich auf den Weg macht, wird auch auf Hürden stoßen. Wund gelaufene Stellen, Rückenschmerzen oder ein leeres Gefühl der Einsamkeit – Herausforderungen, die das Abbrechen der Tour nahelegen. „Doch nur in seltenen Fällen bricht jemand ab – und meist ist derjenige dann bei der nächsten Pilgerreise wieder mit dabei und versucht, die Strecke zu beenden. Oft gilt es aber einfach, weiterzugehen, auf sich zu vertrauen und daran zu glauben, dass man es schaffen kann.“

Und wie ist es, nach einer Woche wieder in den Alltag zurückzukehren? „Nicht ganz einfach“, lacht Jürgen Rist. „Am ersten Tag, nachdem ich eine Woche schweigend unterwegs gewesen war, kam ich an meiner Lieblings-Currywurst-Bude vorbei. Aus Gewohnheit machte ich Stopp – doch die Musik, das Essen, der Trubel, ... Plötzlich war mir alles zu viel. An die Schnelllebigkeit musste ich mich erst wieder gewöhnen. Doch bei all der Betriebsamkeit unseres modernen Lebens bewahre ich die Pilger-Momente immer wie einen Schatz in mir.“

Wege der Besinnlichkeit: Pilgern im Ländle

Warum in die Ferne schweifen? Solltest du auch Lust bekommen haben, eine Pilgerwanderung zu unternehmen, dann kannst du dich direkt auf den Weg machen. Denn unser Ländle bietet eine Vielzahl an wunderschönen und interessanten Pilgerstrecken, die es zu erkunden lohnt. Ein paar davon haben wir für dich herausgesucht. Wir wünschen dir viel Spaß auf deinem persönlichen Weg zu dir selbst!

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