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Scheidentrockenheit: Ursachen, Symptome, Hausmittel

Veröffentlicht am:09.04.2026

10 Minuten Lesedauer

Frauen, die eine Brustkrebsbehandlung durchgemacht haben, kennen das: Es brennt und juckt in der Vagina und sie ist sehr trocken. Beim Sex treten häufig Schmerzen auf. Die Ursachen sind vielfältig. Welche Rolle spielt die Krebstherapie?

Ein Mann hält seine Frau, die eine Krebsbehandlung hatte und ihren Kopf mit einem Tuch bedeckt hat, liebevoll in den Armen.

© iStock / KatarzynaBialasiewicz

Welche Ursachen hat Scheidentrockenheit?

Scheidentrockenheit ist weit verbreitet und kann viele Ursachen haben. Häufig tritt sie in den Wechseljahren auf, wenn der Östrogenspiegel sinkt und sich die Schleimhaut der Scheide verändert. Durch eine Krebstherapie, wie zum Beispiel eine Antihormon- oder Chemotherapie, eine Operation oder Bestrahlung im Unterbauch können Frauen vorzeitig in die Wechseljahre kommen. Besonders hoch ist die Zahl bei Frauen mit Brustkrebs. Die Therapien bewirken, dass weniger Östrogen gebildet wird und beugen so einem hormonabhängigen Krebs vor. Das Hormon ist jedoch wichtig für die Scheide (Vagina), die äußeren Geschlechtsorgane (Vulva), die Harnröhre und die Harnblase und hält sie gesund.

Produziert der Körper weniger Östrogen, wird die Vaginalschleimhaut weniger durchblutet. Das wiederum führt dazu, dass sie dünner und empfindlicher für Infektionen wird und weniger Schleim produziert. Der vaginale Schleim (Muskus) schützt Frauen vor Infektionen mit Keimen wie Bakterien und Pilzen. Bei einem Östrogenmangel steigt somit das Risiko für Infektionen und Blasenentzündungen. Fachleute sprechen dann von einer vulvo-vaginalen Atrophie. Ist die Scheide nicht mehr ausreichend befeuchtet, können auch Schmerzen beim Sex auftreten.

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Scheidentrockenheit durch Krebstherapie und Medikamente

Krebsbehandlungen können sich nicht nur indirekt auf die Vaginalschleimhaut auswirken durch Hormonentzug im Rahmen einer Chemo- oder Antihormontherapie, sondern auch direkt, zum Beispiel durch eine Bestrahlung in diesem Bereich. Auch hier ist die mögliche Folge, dass die Vaginalschleimhaut trockener und weniger elastisch wird.

Neben den Anti-Östrogenen, die die Bildung oder Wirkung der weiblichen Hormone hemmen, werden auch Aromatasehemmer eingesetzt, die ebenfalls zu Scheidentrockenheit führen können. Durch den Östrogenmangel können Beschwerden in der Vagina und an der Vulva auftreten, weil sich dort die Schleimhaut abbaut.

Auch eine Strahlentherapie bei Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) oder Gebärmuttertumoren kann zu vaginaler Trockenheit führen. Die Patientinnen erhalten diese Therapie häufig nach der Operation. Die Bestrahlung ist zwar äußerst wirksam, verursacht jedoch Gewebeschäden auch an gesunden Schleimhäuten, die unter anderem zu Trockenheit, Verkürzung und Enge der Vagina führen können. Beim Geschlechtsverkehr haben betroffene Frauen deshalb oft Schmerzen.

Wie Vorsorge vor Gebärmutterhalskrebs schützt: Doc Felix erklärt HPV, Früherkennung und warum die Impfung auch für Männer wichtig ist.

Einfluss der Krebstherapie auf die sexuelle Aktivität

Regelmäßiger Geschlechtsverkehr fördert die Elastizität und die Durchblutung der Scheide. Allerdings sollten Frauen auch Lust darauf haben und keine Schmerzen dabei empfinden. Eine kleine, nicht repräsentative Studie, die in Schweden gemacht wurde, untersuchte den Zusammenhang zwischen der Krebstherapie und der sexuellen Aktivität. Einige Frauen bekamen zusätzlich zur Beckenstrahlentherapie eine Brachytherapie:

  • über 80 Prozent der Patientinnen mit primärem Gebärmutterhalskrebs
  • und über 67 Prozent der Frauen mit primären Gebärmuttertumoren.

Die Brachytherapie wirkte sich nicht auf die sexuelle Aktivität der Patientinnen mit Gebärmuttertumoren aus, doch bei Frauen mit Gebärmutterhalskrebs hatte sie einen negativen Einfluss darauf. Selbst ein Jahr nach der Behandlung war die sexuelle Aktivität der Frauen noch gering. Bei Patientinnen mit Gebärmutterhalskrebs, die nur die Strahlentherapie bekommen hatten, war die sexuelle Aktivität signifikant höher. Dazu trug auch eine Hormonersatztherapie bei, eine Behandlung mit systemischen Östrogenen.

Die Autorinnen und Autoren der Studie schlagen deshalb bei Krebspatientinnen eine Behandlung mit Östrogenen, lokalen Gleitmitteln, vaginalen Dilatatoren (dehnen das Vaginalgewebe und entspannen das Muskelgewebe) oder eine sexuelle Beratung vor. Da die Studie aber klein und nicht repräsentativ ist, sind unbedingt weitere Untersuchungen dazu notwendig.

Antidepressiva und sexuelle Aktivität

Viele Patientinnen mit Brustkrebs erleben depressive Phasen. Auch die Behandlung der Krebserkrankung selbst kann Depressionen begünstigen. In solchen Fällen kann die Einnahme von Antidepressiva in Betracht kommen. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählt jedoch, dass sexuelle Funktionsstörungen auftreten. Dazu gehören Probleme mit dem sexuellen Verlangen, der sexuellen Erregung, Orgasmusprobleme und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Durch Bewegung, zum Beispiel Ausdauer- oder Krafttraining, lassen sich diese Nebenwirkungen von Antidepressiva abmildern.

Wie wirkt sich die Entfernung der Gebärmutter aus?

Die Entfernung der Gebärmutter ist einer der häufigsten gynäkologischen Eingriffe. Bei Patientinnen mit Eierstockkrebs wird in der Regel neben den Eierstöcken und den Eileitern auch die Gebärmutter entfernt (Hysterektomie). Durch den Verlust der Eierstockhormone kommen die Frauen frühzeitig in die Wechseljahre. Dann treten bei ihnen die typischen Beschwerden wie Hitzewallungen und Scheidentrockenheit auf.

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Wie wird Scheidentrockenheit behandelt?

Die Behandlung hängt von der Ursache für die Scheidentrockenheit ab. Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

  • feuchtigkeitsspendende Gele und Salben mit Aloe und Hyaluronsäure
  • fetthaltige Cremes oder Öle, die die empfindliche oder verletzte Haut am Scheideneingang schützen können
  • eine vaginale und damit lokale Hormontherapie
  • psychische Unterstützung, um betroffene Frauen seelisch zu entlasten, weil sich die Beschwerden auch auf ihr Privatleben auswirken, zum Beispiel durch eine Gruppentherapie, eine Sexualberatung, Eheberatung oder Psychotherapie
  • Präparate mit Soja, die der Scheidenhaut Feuchtigkeit spenden und die Beschwerden lindern können
  • Vaginalzäpfchen mit Vitamin D und Vitamin E

Bei Brustkrebspatientinnen, die durch die Krebsbehandlung unter vaginaler Trockenheit leiden, kann eine lokale Behandlung mit Östrogenen in Betracht kommen. Vaginal angewandt wirkt das Östrogen nur an Ort und Stelle. Das Rezidivrisiko, also die Wahrscheinlichkeit, dass die Erkrankung wieder auftritt, ist für den Brustkrebs dadurch sehr gering. Vor einer Einnahme von Östrogen-Tabletten raten Fachleute aber ab, weil sie im gesamten Körper wirken und das zu einem Rückfall der Brustkrebserkrankung führen könnte.

Eine ältere Frau trainiert mit einem Widerstandsband in einer Parkanlage.

© iStock / RealPeopleGroup

Auch regelmäßige Bewegung hilft Frauen nach einer Krebstherapie, Scheidentrockenheit vorzubeugen.

Wie lässt sich Scheidentrockenheit vorbeugen?

Mit einem gesunden Lebensstil können Frauen viel dazu beitragen, Scheidentrockenheit vorzubeugen. Auch einige Hausmittel können dabei unterstützen. Einige Tipps:

  • Verzichten Sie auf das Rauchen. Dadurch können Sie die Durchblutung verbessern.
  • Verzichten Sie bei den ersten Symptomen nicht auf sexuelle Aktivität. Denn Sex trägt dazu bei, die Durchblutung von Vulva und Vagina zu verbessern. Gegen die Schmerzen können Sie zum Beispiel Gleitgel verwenden.
  • Verzichten Sie auf Vaginalspülungen und meiden Sie Intimdeos. Diese können die normale Vaginalflora schädigen. Zum Waschen des Vulvabereiches reicht warmes Wasser. Wenn Sie unbedingt eine Waschsubstanz benutzen wollen, wählen Sie ein pH-neutrales Syndet.
  • Tragen Sie keine Unterwäsche aus synthetischen Materialien, sondern aus Baumwolle oder Seide.
  • Verwenden Sie beim Wäschewaschen keinen Weichspüler.
  • Trainieren Sie mit einigen einfachen Übungen Ihren Beckenboden.
  • Benutzen Sie kein gefärbtes Toilettenpapier.
  • Tragen Sie keine eng anliegende Kleidung, Unterwäsche sowie keinen engen Badeanzug.
Fachlich geprüft
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