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Grüner Star: Symptome und Behandlung des Glaukoms

Mann geht mit Verdacht auf grünen Star zu seinem Augenarzt.

© iStock / FG Trade

Lesezeit: 5 Minuten04.08.2022

Im Alter nimmt die Sehfähigkeit natürlicherweise ab. Das ist lästig, aber völlig normal. Entstehen jedoch Flecken auf dem Gesichtsfeld, liegt möglicherweise ein grüner Star vor. Woran Betroffene grünen Star erkennen und wie er behandelt wird.

Inhalte im Überblick

    Was ist grüner Star?

    Medizinerinnen und Mediziner verstehen unter einem grünen Star (Glaukom) eine Augenerkrankung, die den Sehnerv schädigt und so das Sichtfeld deutlich verkleinern kann. Grüner Star ist keine seltene Augenerkrankung. Es wird geschätzt, dass etwa 2 von 100 Menschen in Industrieländern ein Glaukom entwickeln. In über 90 Prozent der Fälle diagnostizieren Medizinerinnen und Mediziner dann ein sogenanntes Offenwinkelglaukom (Weitwinkelglaukom). Diese Form entwickelt sich vergleichsweise langsam – Patienteninnen und Patienten berichten erst nach vielen Jahren von Sehproblemen.

    Das Engwinkelglaukom (Winkelblockglaukom) verhält sich anders. Betroffene merken manchmal über Jahre nicht, dass sie ein Engwinkelglaukom haben. Ganz plötzlich können dann starke Sehstörungen auftreten. Übrigens führt häufig ein zu hoher Augeninnendruck zu grünem Star, aber auch eine mangelnde Durchblutung des Sehnervs, Verletzungen und Entzündungen können Betroffenen im wahrsten Sinne die Sicht vernebeln.

    Was ist der Unterschied zwischen grünem und grauem Star?

    Achtung, Verwechslungsgefahr! Viele Menschen werfen den grünen und den grauen Star in eine Kiste, viel gemeinsam haben die Augenerkrankungen allerdings nicht. Der grüne Star beeinträchtigt den Sehnerv – Medikamente oder eine Operation können dem Voranschreiten der Sehstörungen entgegenwirken. Bei Menschen mit grauem Star trübt sich, meist infolge von Alterungsprozessen, allmählich die Augenlinse ein. Die alleinige Behandlungsoption beim grauen Star besteht darin, die natürliche gegen eine künstliche Linse zu tauschen. Damit ist die einzige Gemeinsamkeit von grünem und grauem Star, dass beide Erkrankungen unbehandelt das Sehvermögen stark beeinträchtigen.

    Grüner Star: Diese Symptome erschweren den Alltag

    Ist der Sehnerv belastet, zum Beispiel durch einen erhöhten Augeninnendruck, können Nervenzellen absterben. Nun entstehen sogenannte blinde Flecken, das heißt, bestimmte Bereiche des Gesichtsfeldes sind verschleiert oder fallen aus. Das bemerken Betroffene aber häufig nicht sofort, denn die milchglasähnlichen Flecken befinden sich zunächst seitlich an den Gesichtsfeldrändern. Trifft sich eine Person mit grünem Star mit Freunden, sieht sie ihr Gegenüber anfangs noch klar, die blinden Flecken „verschlucken“ lediglich die Personen, die links oder rechts neben dem Patienten sitzen. Bei einem stärker geschädigten Sehnerv ist das Sichtfeld des Betroffenen von blinden Flecken übersät – die Orientierung im Alltag fällt schwer.

    Wie macht sich der grüne Star bemerkbar?

    So verändert grüner Star die Sicht auf die Welt

    • Beim Autofahren erkennen Betroffene die Straße voraus gut, Fußgängerinnen oder Fußgänger an der Seite sehen sie nur schlecht.
    • Wechseln die Lichtverhältnisse, beispielsweise beim Eintritt vom hellen Garten in das dunkle Wohnzimmer, nehmen Betroffene Hindernisse wie Treppenstufen nicht richtig wahr.
    • Vorsicht: Ein Engwinkelglaukom kann einen Glaukomanfall hervorrufen. Dabei steigt der Augeninnendruck rasant an und verursacht Sehstörungen, Kopfschmerzen und Übelkeit. Patientinnen und Patienten sollten dann sofort eine Augenärztin oder einen Augenarzt aufsuchen.
    Älterer Mann am Autosteuer leidet unter grünem Star.
    Bei einem grünen Star bilden sich anfangs am äußeren Sichtfeld des Auges die sogenannten blinden Flecken. Diese schränken die Sicht zunehmend ein.

    © iStock / Rike_

    Diagnose grüner Star: Wie wird ein Glaukom festgestellt?

    Bemerken Betroffene eine Veränderung bei ihrem Sehvermögen, sollte eine Augenärztin oder ein Augenarzt aufgesucht werden. Sie oder er klärt mit verschiedenen Untersuchungsverfahren ab, ob ein Glaukom die Sicht beeinträchtigt. Im ersten Schritt erkundigt sich die Fachkraft nach vorhandenen Symptomen. Auch Risikofaktoren sind für den Behandelnden interessant. Bestehen Migränekopfschmerzen oder ein Tinnitus, kann das die Nährstoffversorgung des Sehnervs beeinträchtigen und damit das Risiko für ein Glaukom erhöhen.

    Nach der Fragerunde wird das Auge mit einem speziellen Instrument, dem Ophthalmoskop untersucht. Damit erhält man einen tiefen Einblick in das Augeninnere und kann prüfen, ob der Sehnerv bereits geschädigt ist. Mithilfe der sogenannten Applanationstonometrie misst die Augenärztin oder der Augenarzt im Anschluss den Augeninnendruck. Ein Messkörper übt dabei einen leichten Druck auf die Hornhaut aus, um die Kraft zu bestimmen, mit der die gerundete Hornhaut auf einer kleinen Fläche plattgedrückt werden kann. Keine Sorge, dank einer Lokalanästhesie per Augentropfen ist das völlig schmerzfrei.

    Hat die Augenärztin oder der Augenarzt den Verdacht, dass es sich tatsächlich um grünen Star handeln könnte, misst sie oder er zusätzlich das Gesichtsfeld mit einem Perimeter. Das Gerät sendet Lichtreize aus – die Patientin oder der Patient drückt dann jedes Mal eine Taste, wenn er eine Veränderung wahrnimmt. Mit dieser Untersuchung wird festgestellt, ob bereits blinde Flecken bestehen.

    Wie sieht die Behandlung von grünem Star aus?

    Der grüne Star kann das Sehvermögen nachhaltig verschlechtern, aber Fachkräfte können die Augenerkrankung behandeln. Im Mittelpunkt der Behandlungen steht das Kammerwasser. Der Körper bildet die Flüssigkeit, die sich zwischen den Augenkammern hin und her bewegt – ein cleverer Mechanismus, mit dem der Organismus den Druck im Auge reguliert. Kommt es allerdings zu einem Stau des Kammerwassers, kann der Augeninnendruck stark ansteigen. Genau hier kommen Medikamente und Operationen zum Einsatz.

    • Medikamente: Arzneimittel zur Behandlung eines Glaukoms wenden Patientinnen und Patienten stets in Form von Augentropfen an – hier kommen Betablocker, Prostaglandine, Alpha-Agonisten oder Carboanhydrasehemmer infrage. Diese Medikamente verringern entweder die körpereigene Produktion des Kammerwassers im Auge oder erleichtern den Abfluss des Kammerwassers. Betablocker und Co. nehmen somit den Druck von den Augen, der durch einen Stau des Kammerwassers entstehen kann. Für wen welches Medikament oder welche Kombination an Medikamenten am besten geeignet ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt mit Blick auf das Patientenalter, den Augeninnendruck oder bereits bestehende Schädigungen des Sehnervs.
    • Operationen/Laseranwendung: Auch eine Operation hat das Ziel, den Augeninnendruck nachhaltig zu reduzieren. Dafür schneidet die oder der Operierende bei der Trabekulektomie ein Stück der Iris und Lederhaut heraus, damit das Kammerwasser besser abfließen kann. Alternativ kann die Ärztin oder der Arzt auch Implantate in einem schonenden Operationsverfahren einsetzen, um das Kammerwasser abzuleiten. Eine Laserbehandlung kann entweder den Abfluss des Kammerwassers verbessern oder die Produktion des Kammerwassers ausbremsen.

    Wann muss Grüner Star operiert werden?

    Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt entscheidet, wann eine Operation sinnvoll ist. Schließlich sind operative Eingriffe immer mit bestimmten Risiken verbunden. So kann es nach der Operation zu anfänglichen Sehstörungen, kurzfristigen Rötungen, unscharfem Sehen, Vernarbungen oder zu trockenen Augen kommen. Eine Operation kann unter Umständen auch das Risiko für einen Grauen Star erhöhen. Trotzdem ist es wichtig, den Augeninnendruck zu senken und so das Voranschreiten des grünen Stars zu verhindern. Gelingt das mit Medikamenten nicht ausreichend oder vertragen Patientinnen und Patienten die Arzneimittel nicht, wird in der Regel ein operativer Eingriff empfohlen.

    Ist grüner Star heilbar und gibt es vorbeugende Maßnahmen?

    Leider ist grüner Star nicht heilbar. Ist der Sehnerv bereits geschädigt, können Behandlungen diese Schädigungen nicht umkehren. Wenn sich Patientinnen oder Patienten zeitnah in ärztliche Hände begeben, können sie weitere blinde Flecken verhindern.

    Es gibt keine spezielle Diät, mit der einem Glaukom gezielt vorgebeugt werden kann. Eine gesunde Lebensweise ist aber trotzdem empfehlenswert, denn damit schonen Betroffene ganz allgemein ihre Gefäße und beugen Veränderungen, auch im Auge, vor. Eine gesunde Ernährung liefert wertvolle Nährstoffe für die Augen wie B-Vitamine, Omega-3-Fettsäuren oder Spurenelemente wie Zink und Kupfer. Außerdem kann jeder mit dem Verzicht auf Zigaretten und regelmäßiger Bewegung etwas für seine Augengesundheit tun.

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