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Toll gemacht! Die Kraft des Lobens

Ein Paar umarmt sich.

© AOK

Lesezeit: 5 MinutenAktualisiert: 29.04.2021

Aufmerksamkeiten erwärmen Herzen und schaffen Nähe. Gute Gründe also, öfter mal ein Lob zu verschenken! Das Verteilen von Komplimenten kann uns dabei sogar noch glücklicher machen, als selbst ein Kompliment zu bekommen. Wie Sie lernen, Lob zu verteilen, liebevolle Komplimente dankend entgegenzunehmen und sich daran zu erfreuen, erfahren Sie hier.

Inhalte im Überblick

    Aus der Forschung: Warum wir Lob brauchen

    „Nicht geschimpft ist genug gelobt“, so lautet ein deutsches Sprichwort. Dabei ist Lob so wichtig für uns und unser Wohlbefinden: Ein „toll gemacht“ motiviert eben nicht nur die fleißige Schülerin, auch in der Arbeitswelt führt eine wohlwollende Anerkennung für das gerade abgeschlossene Projekt zu einer Leistungssteigerung. Arbeitnehmer fühlen sich dadurch angespornt, mehr zu leisten.

    Dass Lob motivierend und leistungsfördernd wirkt, konnten der Betriebswirt Prof. Dr. Nick Zubanov von der Universität Konstanz und Nicky Hoogveld vom niederländischen „Ministry of Economic Affairs“ in einem Experiment an niederländischen Studienanfängern feststellen: Die Wissenschaftler lobten in einigen Gruppen 30 Prozent der Studenten für ihre guten Leistungen – unerwartet und vor allen Mitstudenten. In den anderen Gruppen wurde nicht gelobt.

    Die Studenten, die mitbekamen, dass man für gute Leistungen gelobt wird, strengten sich in der nächsten Klausur mehr an – ihre Leistungen stiegen deutlich an. Bei den Studenten, in deren Gruppe nicht gelobt wurde, änderten sich die Leistungen nicht. Die Wissenschaftler stellten also fest: Ein einfaches „Gut gemacht“ bewirkt nicht nur, dass sich die einzelnen Studenten besser fühlen, sondern auch, dass sich die anderen Studenten der Gruppe stärker anstrengen. Denn auch sie wollen zur Gruppe der Gelobten gehören.

    Eine Studie an 19 amerikanischen Grundschulen konnte dokumentieren, dass die Anzahl der fleißigen Schüler direkt mit dem Verhalten des Lehrers zusammenhängt. Lobt er die Schüler mehr, als dass er sie tadelt, arbeiten die Schüler aktiver mit und erbringen bessere Leistungen.

    Zahlreiche Studien zeigen außerdem, dass Lob und Komplimente uns produktiver machen und zum Lernen motivieren – auch beim Sport.

    Gerade beim Sport ist es wichtig. sich selbst motivieren zu können – auch hier hilft Lob und Anerkennung, um „am Ball“ zu bleiben:

    • Treiben Sie mit einer Gruppe oder in einer Mannschaft Sport, so können Sie sich gegenseitig motivieren und Erfolge gemeinsam feiern und genießen.
    • Motivieren Sie sich selbst, indem Sie Ihre Fortschritte aufzeichnen, zum Beispiel über einen Schrittzähler oder Fitnesstracker. Belohnen Sie sich, wenn Sie Ihre vorher gesteckten Ziele erreicht haben.
    • Erfreuen Sie sich an Ihrem Erfolg mit anderen, teilen Sie zum Beispiel die gewanderte Strecke oder die neu entdeckte Laufroute mit Freunden, die ebenfalls gerne aktiv sind.
    • Motivieren Sie andere zu mehr Bewegung, gehen Sie zum Beispiel mit Ihrer Freundin, die stundenlang im Büro sitzt und über Rückenschmerzen klagt, walken oder laufen. So haben auch Sie einen Grund mehr Sport zu machen und sich zu bewegen.

    Natürlich geht es beim Loben nicht nur um die Leistungssteigerung. Dr. med. Andreas Botzlar, zweiter Vorsitzender des Marburger Bundes, formuliert es in einem Interview mit dem „Ärzteblatt“ so: „Berechtigtes Lob zur rechten Zeit wird nicht nur als Belohnung empfunden, sondern führt auch zu mehr Freude an der Arbeit. Wer mit seiner Arbeit zufrieden ist, identifiziert sich mehr mit seiner Aufgabe, macht weniger Fehler, bringt sich besser ein. So haben am Ende alle etwas davon, wenn nach Möglichkeit jeder einmal gelobt wird.“

    Ein Mann umarmt einen anderen Mann aus Anerkennung.

    Lob und Anerkennung: Zwei zutiefst menschliche Bedürfnisse

    Bekommen Kinder zu wenig Lob von ihren Eltern oder erfahren Erwachsene in ihrem Umfeld ständig Ablehnung, bleibt das nicht ohne Folgen. Es entsteht eine Kluft zwischen der geleisteten Anstrengung und der dafür erhaltenen geringen Anerkennung. Emotionaler Stress ist vorprogrammiert. Schließlich liegt das in unseren Genen: Soziale Anerkennung ist ein Grundbedürfnis des Menschen, genauso wie Essen und Trinken. Wir wollen gemocht werden, kein Mensch kann anders überleben.

    Seit Jahren erforscht der Freiburger Medizinprofessor Joachim Bauer unseren Wunsch nach Anerkennung. Sein Ergebnis: Von anderen gesehen und sozial anerkannt zu werden, aktiviert unser Motivationssystem am stärksten. Da reicht schon ein freundlicher Blick, damit unsere Nervenzellen Botenstoffe ausschütten, neben Dopamin auch Opiate und Oxytocin. Es sind genau diese Botenstoffe, die uns entspannen und uns Lebensfreude schenken. Je stärker die Zuneigung, desto mehr Botenstoffe werden ausgelöst.

    Und je weniger Lob und Anerkennung wir zum Beispiel im Job bekommen, desto höher ist laut Mediensoziologen Johannes Sigrist die Gefahr, an einem „Burn-out“ zu erkranken. Es ist laut Sigrist gar nicht die Arbeit, die uns überfordert und anstrengt, sondern das Gefühl, keine Anerkennung dafür zu bekommen.

    Ein schönes Kompliment beflügelt unsere Seele

    Gilt ein Lob als eine Form der Anerkennung, im Job oder in der Schule, können schöne Komplimente uns beflügeln. Sie machen uns einzigartig, geben uns ein gutes Gefühl und heben die Laune. Das wusste schon der amerikanische Schriftsteller Mark Twain: „Von einem richtig guten Kompliment kann ich zwei Monate leben.“

    Das Beste an Komplimenten: Auch wer sie verteilt, fühlt sich gleich besser. Das jedenfalls hat Hirnforscher Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth von der Universität Bremen in seinen Studien festgestellt. Wer großzügig lobt, erhöht damit sogar seinen sozialen Status. Denn so wirken wir auf andere Menschen häufig sympathisch, offen und einfühlsam. Besonders dann, wenn die netten Worte – auch das sind Roths Erkenntnisse aus der Komplimente-Forschung – von Herzen kommen.

    Ein Mitarbeiter bekommt Lob für seine Leistung.

    So loben Sie richtig:

    • Vermeiden Sie Floskeln: Statt einfach nur „gut“ zu sagen, freut sich Ihr Kollege mehr über ein konkretes Lob wie zum Beispiel „Den Auftrag haben wir nur Ihnen zu verdanken!“
    • Loben Sie Menschen persönlich und zeitnah – und nicht per Mail oder am Telefon.
    • Benennen Sie ganz genau, was Ihr Kollege oder Ihr Kind gut gemacht hat: „Ich bin stolz auf Dich, das war wirklich sehr lieb von Dir, dass du dem Jungen deine Taucherbrille geliehen hast.“
    • Lob sollte ehrlich gemeint sein. Wer permanent lobt, wirkt schnell unglaubwürdig.
    • Ein nett gemeintes Kompliment kommt vor allem dann gut an, wenn Sie es Ihrem Gegenüber ins linke Ohr sprechen. Eine Studie der Sam Houston State University besagt, dass nette Worte, die in das linke Ohr gesprochen werden, bis zu 70 Prozent gemerkt werden. Haben Sie sich bei Ihrem Kompliment für das rechte Ohr entschieden, kommt es nur zu 58 Prozent an. Der Grund dafür: Die rechte Gehirnhälfte ist eng mit dem linken Ohr verbunden und genau diese reagiert auf emotionale Reize.

    Komplimente verteilen macht zwar glücklich, aber nicht jeder kann sie gleich gut annehmen: „Ach was, das Kleid ist doch total alt!“, „Na, das war doch total leicht, das hätte wirklich jeder hinbekommen!“. Kommt Ihnen das bekannt vor? Viele Menschen reagieren so auf ein nett gemeintes Kompliment – und werten damit nicht nur das Kompliment, sondern auch sich selbst ab. Lassen Sie ein schönes, ernst gemeintes Kompliment also einfach auf sich wirken – und freuen Sie sich über die Aufmerksamkeit!

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