AOK Bremen/Bremerhaven
Hilfe für übergewichtige Kinder in Bremen
Veröffentlicht am:11.08.2025
4 Minuten Lesedauer
Starkes Übergewicht bei Kindern ist nicht nur ein gesundheitliches Risiko - es führt oft auch zu Hänseleien, Mobbing und sozialem Rückzug. In Bremen erhalten betroffene Kinder und Jugendliche im Zentrum für Adipositasschulung (ZABS) gezielte Unterstützung, um ihr Gewicht zu reduzieren, sich gesünder zu ernähren und den Spaß an der Bewegung wiederzufinden.

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Spaß an Bewegung wiederfinden
Wenn Zoe früher Langeweile hatte oder traurig war, hat sie Süßigkeiten gegessen. „Vor allem in der Corona-Zeit habe ich mir das angewöhnt“, erzählt die 14-Jährige. Auch auf Sport hatte sie keine Lust. Die Folge war, dass Zoe stark zunahm. Schließlich empfahl der Kinderarzt dem Mädchen und seinen Eltern, sich ans Zentrum für Adipositasschulung Bremen-Stadt, kurz ZABS, zu wenden.
Das Zentrum bietet übergewichtigen Kindern und Jugendlichen eine Jahresschulung an. Dabei sollen sie den Spaß an der Bewegung wiederfinden und Impulse für eine ausgewogene Ernährung erhalten. „Außerdem wird das Selbstwertgefühl gestärkt“, sagt Projektleiterin Antje Büssenschütt. Viele übergewichtige Kinder und Jugendliche hätten bereits Erfahrungen mit Mobbing sammeln müssen. Das hinterlasse Spuren: Betroffene zögen sich immer mehr zurück – gern vor den Computer, wo sie sich in eine andere Welt flüchten könnten.
Ziel: Anmeldung beim Sportverein
Bis zu 15 Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 17 Jahren haben die Möglichkeit, am Jahresprogramm des ZABS teilzunehmen. Die Gruppe trifft sich zweimal die Woche, einmal davon probieren sich die Kinder und Jugendlichen in Bewegungsspielen und unterschiedlichen Sportarten aus. „Ziel ist es, dass sie sich im Anschluss an das Jahresprogramm bei einem Sportverein anmelden“, erklärt Andreas Radke, Adipositastrainer beim ZABS. Bei allen Schritten werden die Eltern eingebunden, um die Gewohnheiten nachhaltig zu ändern. Zum ZABS-Team gehört auch eine Psychologin.
„Ich bin selbstbewusster geworden“
Zu Beginn der Schulung traute sich Zoe kaum etwas zu, war verschlossen und still. „Ich war unsicher und auch nicht so gut darin, neue Leute kennenzulernen“, sagt sie rückblickend. Sie wollte darum auch zunächst nicht am Programm teilnehmen. „Irgendwann hat sie gemerkt, dass sie alles super konnte: Handball, Basketball, aus dem Stand zwei Meter springen“, erzählt Radke. In der Folge habe sich Zoe Stück für Stück geöffnet. „Ich bin selbstbewusster geworden“, sagt Zoe.
Ernährungstheorie und Beschäftigungsmöglichkeiten
Geholfen haben ihr auch die Einzelgespräche und die Ernährungstheorie. Hier sprechen die Trainerinnen und Trainer mit den Teilnehmenden über ihre Essgewohnheiten. „Wir vermitteln ihnen, dass Langeweile und Essen nichts miteinander zu tun haben“, so Antje Büssenschütt. Und damit dieses Bewusstsein auch in der Praxis Bestand hat, stellen sich die Kinder und Jugendlichen eine persönliche Box mit Zetteln zusammen. Darauf sind verschiedene Beschäftigungsmöglichkeiten notiert. Sollte ein Moment der Langeweile entstehen, finden sie darin Aufgaben. Zoe benötigt solch eine Box nicht mehr. „Ich esse viel weniger Süßigkeiten als früher Das fällt mir nicht schwer“, sagt sie. Inzwischen sei sie auch nicht mehr so wählerisch beim gemeinschaftlichen Familienessen. Sie will auf jeden Fall weiter Sport machen und überlegt, sich zum Judo anzumelden.
Autorin: Janet Binder
Hier finden Sie Hilfe
Das Zentrum für Adipositasschulung (ZABS) bietet auch Einzelberatungen und Ernährungstherapie sowie die Nachsorge nach Reha-Aufenthalten an. Die AOK Bremen/Bremerhaven übernimmt die Kosten.
ZABS e. V., Wachmannstr. 7, 28209 Bremen, Tel.: 0421 4918790, info@zabs-bremen.org
Das Diako Krankenhaus Bremen bietet das Projekt „Starke Kinder – Starker Bremer Westen für 8- bis 14-Jährige an. Der Fokus liegt auf Ernährung, Sport und psychosozialer Beratung. Wöchentlich tanzen die Kinder Hip-Hop in einer Tanzschule, sie kochen und essen gemeinsam. In Gesprächen geht es um Themen wie Frustessen und Snacken aus Langeweile. Die Kinder bleiben für ein Jahr in der Gruppe und unterstützen sich so gegenseitig.
Angelika Junge, Koordinatorin „Starke Kinder – Starker Bremer Westen“, Tel.: 0421 6102-2101, gesundheitsimpulse@diako-bremen.de