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Badeunfall: Ertrinkende erkennen und Leben retten

Zu Badeunfällen kommt es immer wieder. Felix Dürnberger, stellvertretender Jugendvorsitzender der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft Bayern, erklärt im Interview, was in einer Notsituation zu tun ist.

Felix Dürnberger von der DLRG Bayern im Interview

Felix Dürnberger, Stellvertretender Vorsitzender der DLRG-Jugend Bayern
Felix Dürnberger, Stellvertretender Vorsitzender der DLRG-Jugend Bayern

Immer weniger Kinder können schwimmen. Doch auch geübte Schwimmer geraten manchmal in Not. Was im Fall der Fälle zu tun ist, welche Rettungsgriffe hilfreich sind und wie man Erste Hilfe leisten kann, erklärt Felix Dürnberger.

Woran erkenne ich, dass jemand Hilfe benötigt?

Das ist schwierig. Die meisten Menschen glauben, dass ein Ertrinkender laut ruft und wild mit den Händen rudert. Ertrinkende sind allerdings so kraftlos, dass sie meist keine Aufmerksamkeit mehr auf sich ziehen können. Sie versuchen sich mühsam über Wasser zu halten und zu atmen. Wenn Sie also sehen, dass der Kopf eines Menschen immer wieder unter Wasser verschwindet, um kurz wieder aufzutauchen, ist wahrscheinlich dringend Hilfe nötig. Es sind aber nicht immer nur Nichtschwimmer, die in Not geraten. Auch Schwimmer müssen aufpassen, zum Beispiel wegen der Strömung in offenen Gewässern.

Typische Anzeichen, dass eine Person in Not ist:

  • Der Kopf gerät immer wieder unter Wasser
  • Der Mund ist auf Höhe der Wasseroberfläche und häufiger darunter
  • Die Arme werden seitlich ausgestreckt und paddeln hilflos
  • Die Beine werden nicht benutzt
  • Die Atmung ist beschleunigt
  • Die Person schwimmt auf einer Stelle
  • Haare hängen vor Augen und Stirn, werden nicht weggewischt
  • Der Blick ist leer und nicht fokussiert oder die Augen geschlossen

Wie lange kann sich jemand über Wasser halten?

Ertrinkende können sich nur 20 bis 60 Sekunden an der Wasseroberfläche halten, bevor sie untergehen. Jeder, der in der Nähe ist, muss dann sofort reagieren und handeln. Wichtig ist, dabei nicht selbst in Gefahr zu geraten. Denn immer wieder passiert es, dass auch diejenigen ertrinken, die andere retten wollen. 

Selbst retten oder auf Hilfe warten, was ist sinnvoller?

Zuerst setzen Sie einen Notruf ab oder alarmieren die Rettungsschwimmer. Wer in der Rettung nicht ausgebildet ist, springt besser nicht selbst ins Wasser. Denn Ertrinkende greifen nach allem, was Hilfe verspricht. Am besten werfen Sie dem Ertrinkenden Gegenstände zu, an denen er sich festhalten kann. Im Schwimmbad gibt es Rettungsstangen, die Sie ins Wasser halten können. In offenen Gewässern reichen Sie Betroffenen etwas vom Ufer aus, woran sie sich festhalten können. Ein starker Ast zum Beispiel. Sie können auch eine Leine auswerfen oder Schals und Kleidung zusammenknoten.

Wie retten die Profis?

Zunächst ist es wichtig, dass Rettungsschwimmer einen Sicherheitsabstand halten. Ertrinkende klammern sich an alles, was sie greifen können und so kommen Retter schnell selbst in Not. Der Rettungsschwimmer reicht der betroffenen Person zuerst ein Auftriebsmittel, wie ein Gurtretter oder eine Rettungsboje. Vor allem in Paniksituationen gibt das dem Retter und dem zu Rettenden die notwendige Sicherheit. Danach kann der Rettungsschwimmer den Betroffenen entweder mit einem Sicherheitsabstand an Land ziehen oder von hinten anschwimmen. Es gibt zwei Rettungsgriffe. Den Kopfschleppgriff und den Achselschleppgriff. Das Wichtigste dabei ist, dass der Kopf des Ertrinkenden immer über Wasser bleibt.

Welche Erste-Hilfe-Maßnahmen sind sinnvoll?

Bei einem Atemstillstand sollten Sie sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen. Das heißt, 30-mal Herzdruckmassage und anschließend 2-mal beatmen. Diese Maßnahme muss so lange durchgeführt werden, bis Atmung und Kreislauf wieder funktionieren oder ein Arzt, bzw. der Rettungsdienst eintrifft. Bei Unterkühlung ist es wichtig, den Geretteten abzutrocknen und dann in trockene Kleidung oder eine Wärmefolie aus dem Verbandskasten zu hüllen. In jedem Fall sollte der Betroffene zum Arzt gehen, da bereits kleine Mengen Wasser in der Lunge noch zum sogenannten sekundären Ertrinken führen können.

Warum sind Kinder besonders gefährdet?

Zum einen fühlen sich Kinder vom Wasser magisch angezogen und zum anderen ist Ertrinken keine Frage der Wassertiefe. Insofern kann im Haus die Badewanne, der Teich der Nachbarn oder ein kleiner Bach hinter dem Haus eine Gefahr bedeuten. Kinder sind zwar in der Regel sehr stolz, wenn sie ihr „Seepferdchen“ gemacht haben, doch kurze Strecken können sie erst mit dem Jugendschwimmabzeichen Bronze schwimmen. Ungeübte Kinder müssen deshalb jederzeit beaufsichtigt werden, auch wenn sie Schwimmflügel tragen. Und diese Aufsichtspflicht ist nicht auf den Bademeister übertragbar. Deshalb sollten Kinder zur Sicherheit auf Booten, an Stegen, an Gewässern mit steilen Ufern oder fließendem Wasser auch Rettungswesten tragen.

Richtig retten mit Rettungsgriffen: So geht’s

Ist der Ertrinkende zu erschöpft oder bewusstlos, muss er notfalls aus dem Wasser geschleppt werden. Dafür gibt es verschiedene Techniken:

Rettungsgriff bei Badeunfall: Kopfschleppgriff

Kopfschleppgriff: Der Ertrinkende ist in Rückenlage. Sein Kopf wird beidseitig umfasst, sodass sein Gesicht aus dem Wasser herausschaut. Auch der Retter befindet sich in Rückenlage. Die Fingerspitzen des Retters befinden sich am Kinn, die Daumen an den Schläfen. Sinkt der Körper des Ertrinkenden ab, muss der Retter ihn mit den Knien immer wieder sanft anheben. Mittels Beinschlag bewegt sich der Retter rückwärts aus dem Wasser.

Rettungsgriff bei Badeunfall: Achselschleppgriff.

Achselschleppgriff: Bei diesem Rettungsgriff sind Ertrinkender und Retter ebenfalls in Rückenlage. Dabei greift der Retter mit beiden Händen von unten in oder vor die Achselhöhlen des Ertrinkenden. Dieser Griff darf nur angewendet werden, wenn der Ertrinkende noch selbst in der Lage ist, seinen Kopf über Wasser zu halten. Auch hierbei bewegt sich der Retter mithilfe des Beinschlags rückwärts aus dem Wasser.

Rettungsschwimmer werden

Richtig retten, will gelernt sein. Damit das gelingt, bilden Wasserrettungsorganisationen wie die DLRG Rettungsschwimmer aus. Die Ausbildung setzt sich aus einem theoretischen und praktischen Teil zusammen, der in der Regel 16 Stunden umfasst und mit einer theoretischen Prüfung abschließt. Des Weiteren müssen Rettungsschwimmabzeichen abgelegt werden. Wer aktiv als Rettungsschwimmer arbeiten möchte, braucht mindestens das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen Silber.

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