Zum Hauptinhalt springen
AOK WortmarkeAOK Lebensbaum
Gesundheitsmagazin

Sucht

Tabakprodukt Snus: Was ist das eigentlich?

Veröffentlicht am:23.03.2026

4 Minuten Lesedauer

Snus gilt als rauchlose Alternative zur Zigarette und ist vor allem unter Jugendlichen verbreitet. Studien zeigen jedoch, dass die Beutel schwere Gesundheitsschäden verursachen können – auch Nikotinbeutel ohne Tabak. Das sollten Sie über die rauchfreien Produkte wissen.

Eine junge Person steckt sich ein weißes Snus-Beutelchen unter die Oberlippe.

© iStock / AndreyPopov

Was ist Snus?

Snus ist ein rauchloses Tabakprodukt, das man zwischen Lippe und Zahnfleisch klemmt. Es besteht aus fein gemahlenem Tabak sowie Aromen, Salz, Wasser und Feuchthaltemittel. Man kann den Oraltabak lose oder portioniert in verschiedenen Geschmacksrichtungen kaufen.

In Schweden nutzen Menschen Snus schon seit vielen Jahrzehnten. In der Europäischen Union darf Snus außerhalb Schwedens nicht verkauft werden. Allerdings gibt es neu auf dem Markt sogenannte Nikotinbeutel oder Pouches. Diese enthalten keinen Tabak, sondern Nikotinsalze mit Trägerstoffen.

Da in Snus und anderen rauchlosen Tabakprodukten Nikotin steckt, machen auch sie abhängig. Snus gibt beispielsweise ähnlich viel Nikotin ab wie Zigaretten. Jugendliche zeigen sogar stärkere Abhängigkeits- und Entzugsymptome als Raucher und Raucherinnen. Menschen, die rauchlosen Tabak nutzen, nehmen im Durchschnitt über den Tag hinweg ähnlich viel oder sogar mehr Nikotin auf als bei Zigaretten.

Ist ein Snus pro Tag schädlich?

Wie auch in Zigaretten schädigt das Nikotin in rauchlosen Tabakprodukten die Nerven und kann zu Vergiftungssymptomen wie Übelkeit und Atembeschwerden führen. Bei hohen Dosen können die Beschwerden sogar einen Atemstillstand verursachen und ab 0,8 bis 1,0 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht gilt Nikotin als tödlich.

Forschende haben in rauchlosen Tabakprodukten 28 krebserzeugende Substanzen wie N-Nitrosamine nachgewiesen. Diese können zu verschiedenen Krebsarten führen. Je nach Produkt kann Snus Bauchspeicheldrüsenkrebs, Mundhöhlenkrebs und Speiseröhrenkrebs verursachen. Rauchlose Tabakprodukte verursachen außerdem Parodontitis, Karies, Zahnverlust, und Zahnfleischrückgang.

Schwangere Frauen, die Snus nutzen, haben ein höheres Risiko für Frühgeburten und schwangerschaftsbedingten Bluthochdruck. Eine schwedische Studie, bei der mehr als 610.000 Geburten analysiert wurden, zeigt: Rauchten Frauen oder konsumierten sie während der Schwangerschaft Snus, war ihr Risiko für eine Totgeburt gegenüber nicht konsumierenden Frauen erhöht.

Passende Artikel zum Thema

Welche Wirkung hat Snus?

Nikotin hat starke Wirkungen auf Herz und Kreislauf: Es erhöht den Blutdruck und die Frequenz des Herzschlages. Eine Studie untersuchte die Wirkung von Snus mit acht Milligramm Nikotin pro Beutel. Nach 60-minütiger Nutzung stieg der Herzschlag um elf Schläge (mittlerer Wert) pro Minute an. Die Probanden und Probandinnen litten unter mittelstarker bis starker Mundschleimhautirritation sowie leichter Benommenheit, Herzpochen, Kopfschmerzen, Rachenirritationen, Schweißbildung, Schwindel, kalten Händen und Füßen sowie Übelkeit.

Geben die neuen Pouches mit Nikotinsalz ohne Tabak auf dem Markt weniger Nikotin ab? Das sagen die Studien:

Sind Nikotinbeutel ohne Tabak gesünder als Snus?

Forschende des Klinikums der Universität München (LMU Klinikum) untersuchten zusammen mit dem Bundesamt für Risikobewertung, wie viel Nikotin die neuen Pouches mit Nikotinsalz ohne Tabak tatsächlich abgeben. Dafür testeten 15 Raucher und Raucherinnen verschiedene Pouches für jeweils 20 Minuten. Die stärksten Beutel setzten fast doppelt so viel Nikotin frei wie eine Zigarette. Das Ergebnis überraschte selbst die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen. Besonders problematisch: Das Nikotin wurde ähnlich stark wie bei Zigaretten abgegeben – daher gehen die Forschenden von einem hohen Suchtpotenzial aus.

Passende Angebote der AOK

Wie wirken die Nikotinbeutel?

Die getesteten tabakfreien Nikotinbeutel lassen das Herz deutlich schneller schlagen, ähnlich stark wie eine Zigarette. Auch die Blutgefäße werden steifer. Alle getesteten Beutel verursachten zudem Reizungen im Mund. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor gesundheitlichen Risiken, insbesondere für Kinder, Jugendliche und Nichtraucher, weil Nikotin stark abhängig machen kann. Auch Schwangere und Stillende gelten als gefährdet, da Nikotin den Schwangerschaftsverlauf beeinflussen und in die Muttermilch übergehen kann. Zudem können Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesundheitlich besonders gefährdet sein, weil Nikotin das Herz und den Kreislauf deutlich belastet.

Eine Schachtel mit Snus.

© iStock / uskarp

Snus, ein rauchfreies Tabakprodukt, wird meist in in kleinen Dosen verkauft. Konsumenten und Konsumentinnen klemmen sich Snus zwischen Oberlippe und Zahnfleisch, dort entfaltet es seine Wirkung.

Warum sind Nikotinbeutel besonders für Jugendliche gefährlich?

In vielen europäischen Ländern kann man Nikotinbeutel bereits legal kaufen. Auch in Deutschland sind sie vor allem bei Jugendlichen weit verbreitet. Suchtforscherin Dr. Andrea Rabenstein von der Tabakambulanz am LMU Klinikum München warnte 2024: „Wenn man bedenkt, dass wir aus unseren Nachbarländern wie beispielsweise Österreich hören, dass die dort legal erhältlichen Nikotinbeutel bereits massiv in den Schulen angekommen sind, kann das ein ernsthaftes Problem werden.“

Neben der Gefahr, dass Jugendliche eine Nikotin-Abhängigkeit entwickelt könnten, befürchten Experten und Expertinnen den Einstieg über Nikotinbeutel zu weiteren Nikotinprodukten oder Zigaretten. Denn manche rauchlose Tabakprodukte enthalten wenig Nikotin und schmecken durch Aromen angenehm. Dadurch werden sie für Jugendliche besonders attraktiv.

Fachlich geprüft
Fachlich geprüft

Die Inhalte unseres Magazins werden von Fachexpertinnen und Fachexperten überprüft und sind auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft.


Waren diese Informationen hilfreich für Sie?

Noch nicht das Richtige gefunden?