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(Gut) Arbeiten ohne Druck
Veröffentlicht am:04.09.2026
8 Minuten Lesedauer
Mit guten und gesunden Rahmenbedingungen können Arbeitgeber dazu beitragen, dass Beschäftigte effizient, aber ohne dauernden Zeit- und Leistungsdruck arbeiten. Was können sie konkret im Alltag tun, um Stress zu vermeiden? So profitieren beide Seiten.

© alvarez via Getty Images
Bessere Ergebnisse erzielen
Konzentriert eine Auswertung fertigstellen, weil die Zeit dafür da ist. Den Feierabend ohne schlechtes Gewissen genießen, weil Überstunden die Ausnahme und nicht die Regel sind. Ein Projekt mit klarer Struktur und realistischer Zeitplanung angehen, weil es genügend Ressourcen gibt: Ohne Druck ist Arbeit für Beschäftigte erfüllender und sie erzielen bessere Ergebnisse.
Doch die Realität sieht nach einer Beschäftigtenumfrage des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) anders aus. 43 Prozent der Beschäftigten in Deutschland erleben im Beruf starken Termin- und Leistungsdruck, 66 Prozent dieser Beschäftigten fühlen sich davon belastet. 15 Prozent der Befragten gaben sogar an, häufig an der Grenze der Leistungsfähigkeit zu arbeiten – davon fühlen sich sogar 81 Prozent von ihnen belastet. Das kann Folgen für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit haben, wenn es nicht nur einmalig auftritt, sondern zum Dauerzustand wird.
Ständiges Zuviel kann krank machen
Ab und zu eine höhere Arbeitsbelastung zu haben, ist in der Regel kein Problem. Eine temporäre Herausforderung, beispielsweise mal ein paar Überstunden, kann auch gute Leistungen hervorbringen. „Ständiger Leistungs- oder Zeitdruck aber kann zu Erschöpfung, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Motivationsverlust, einem Leistungsabfall und schlimmstenfalls zum Arbeitsausfall führen“, sagt Simone Kauffeld, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der TU Braunschweig. Angststörungen und Depressionen können eine Folge sein, ebenso ein geschwächtes Immunsystem, Herz-Kreislauf-Probleme, Muskel- und Kopfschmerzen.

Druck hat viele Ursachen
Auch starker Wettbewerb unter Beschäftigten kann Druck erzeugen. Etwa, wenn in Unternehmen ähnliche Positionen miteinander konkurrieren müssen, teilweise gefördert durch Prämiensysteme. Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes oder Stress durch neue Technologien wie zum Beispiel künstliche Intelligenz (KI) erzeugen ebenfalls Druck.
Die innere Einstellung führt ebenfalls manchmal zu Zeitdruck. Wenn Beschäftigte zu Perfektionismus neigen und Arbeiten nicht abschließen können, erzeugen sie so selbst Druck. Aber wann ist eine Aufgabe gut genug bearbeitet? Wie hoch die Qualitätsanforderungen sind, sollte gemeinsam mit der Führungskraft definiert werden, sonst können Beschäftigte irgendwann schnell erschöpft und nicht mehr leistungsfähig sein oder gar ein suchthaftes Arbeitsverhalten entwickeln.
Druck abbauen

Arbeitgeber machen einen ersten wichtigen Schritt gegen zu hohen Druck im Betrieb, wenn sie sich bewusst machen, wie er entsteht: zu wenig Personal für die Arbeitsmenge, enge Terminvorgaben, mangelnde Qualifizierung, fehlendes Material, Technikstress und fehlende Kommunikation oder Zusammenarbeit und vieles mehr.
Eine sorgfältige Analyse der Arbeitssituation zeigt Arbeitgebern Ansatzpunkte auf, wie sie Druck und daraus resultierenden Dauerstress vermeiden können: realistische Planung von Arbeitsschritten und Zeitbedarf sowie die dafür benötigten Ressourcen, bestenfalls unter Beteiligung der Mitarbeitenden und Unterstützung der Führungskraft.
Viele Lösungsansätze
Wohl denen, die gute Konzepte dafür haben, Leistungsdruck erst gar nicht entstehen zu lassen oder gesund damit umzugehen. Die Arbeitsleistung ist besser und die Beschäftigten sind gesünder und motivierter, wenn Druck abgebaut wird. Das gelingt, indem hohe Anforderungen im Einklang mit aus-reichenden Ressourcen wie Zeit, Unterstützung, Anerkennung und Mitgestaltung stehen. Führungskräfte können die Initiative ergreifen und die Arbeitssituation gemeinsam mit ihrem Team besprechen. Auch eine systematische Bestandsaufnahme im Rahmen eines Projekts zur Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) ist bei Analyse und Maßnahmenplanung hilfreich. Davon profitieren Beschäftigte und Arbeitgeber.
Ideal ist eine Kombination aus verhaltens- und verhältnispräventiven Maßnahmen sowie vorgeschaltet eine Diagnose über Anforderungen und Ressourcen, sodass gezielt daran gearbeitet werden kann: von den Mitarbeitenden selbst, aber auch von der Organisation. „Beschäftigte brauchen möglichst breite Handlungs- und Entscheidungsspielräume, um bei Bedarf Planungen anzupassen oder gut auf Störungen und Unterbrechungen reagieren zu können“, sagt Dr. Anika Schulz-Dadaczynski von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeits-medizin (BAuA). „Werden Erwartungen und Prioritäten klar kommuniziert, entlastet das ebenfalls und vor allem gerade dann, wenn es mal stressig wird. Welche Aufgaben sind aktuell besonders wichtig? Wo müssen wir 100 Prozent geben? Wo reichen vielleicht auch mal 80 Prozent?“
Lösungsansatz Verhalten und Verhältnisse

Konstruktives Feedback und Wertschätzung sind für eine entspannte und gute Zusammenarbeit unabdingbar, zum Beispiel, indem Erfolge sichtbar gemacht werden. „Viele Arbeitgeber unterschätzen den Einfluss, den Wertschätzung auf das Wohlbefinden hat“, sagt Simone Kauffeld. Workshops für Führungskräfte zu gesunder Führung zeigen Möglichkeiten auf, das eigene Team zu stärken. Auch für Mitarbeitende können Angebote zu Themen wie Resilienz, Schlaf oder Stressbewältigung hilfreich sein.
Gespräche mit den Mitarbeitenden bringen etwas, wenn sie zutage fördern, suchen und individuell schauen, wie sich Druck im Unternehmen zeigt und welche Ursachen es gibt. „Für die Bestandsaufnahme sollte man sich Zeit nehmen, um keine Alibi-Maßnahmen auf den Weg zu bringen, die am Problem vorbeiwirken“, so Kauffeld.
„Kooperative Beziehungen sind immer gesünder als ein interner Wettbewerb.“

Dr. Anika Schulz-Dadaczynski
Wissenschaftlerin bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
© privat
Lösungsansatz kooperative Beziehungen
Eine Schlüsselrolle spielen die Führungskräfte. Statt Konkurrenzdenken zu befeuern, können sie die soziale Interaktion im Team fördern, beispielsweise durch gemeinsame Pausen, und auch den informellen Austausch anregen. „Kooperative Beziehungen sind immer gesünder als ein interner Wettbewerb“, weiß Schulz-Dadaczynski. Eine ressourcenorientierte Führung mit Blick auf individuelle Stärken statt auf Defizite hilft, Druck durch Überforderung zu vermeiden. In größeren Teams können Vertretungssysteme sinnvoll sein, um sich in Phasen mit hohem Arbeitsaufkommen gegenseitig zu unterstützen. Und: „Erholung ist nicht nur am Wochenende und im Urlaub, sondern täglich nötig“, betont Simone Kauffeld.
„Auch für Führungskräfte ist ein Ausgleich zur Arbeit wichtig.“

Prof. Dr. Simone Kauffeld
Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der TU Braunschweig
© TU Braunschweig
Auch Arbeitgeber spüren Druck
Auch Führungskräfte und Arbeitgeber erleben Anspannung, sei es durch Kunden, Personalknappheit oder finanzielle Verantwortung. „Wenn man Mitarbeitenden den betriebswirtschaftlichen Druck ständig vor Augen führt, kann das den Zeit- und Leistungsstress erhöhen“, weiß Schulz-Dadaczynski. Simone Kauffeld rät im Alltag zu Achtsamkeit. „Wer versucht, in der jeweiligen Situation präsent zu sein, statt immer mehrere Dinge parallel zu erledigen, hat schon viel gewonnen“, sagt sie. Kleine Kniffe helfen, keinen zusätzlichen Druck auf Mitarbeitende auszuüben.
Klar: Die Personalsituation ist in einigen Branchen angespannt. Umso mehr kommt es darauf an, dass die eigenen Beschäftigten motiviert und leistungsfähig bleiben. Gemeinsam zu planen und Beschäftigten zu helfen, Aufgaben zu bewältigen, gehört ebenso zu einer erfolgreichen Strategie wie sich gegenseitig zu respektieren und die Arbeitsleistung wertzuschätzen.
Zusammen mit einer gemeinsamen Analyse kritischer, aber auch erfolgreicher Aspekte im Unternehmen wird das zu einer Win-win-Situation für Beschäftigte, Führungskräfte und Unternehmen.
BESTANDSAUFNAHME
Wie hoch ist der Druck im Unternehmen?
Diese Fragen könnten zum Beispiel im Rahmen einer Beschäftigtenbefragung Mitarbeitenden gestellt werden:
- Haben Sie zu viele Aufgaben oder zu wenig Zeit, um diese in der vorgegebenen Zeit abzuarbeiten?
- Fühlen Sie sich von einzelnen Aufgaben überfordert?
- Kennen Sie die Erwartungen, die an Sie gestellt werden?
- Fühlen Sie sich durch den Wettbewerb unter Kolleginnen und Kollegen unter Druck gesetzt?
Fragen, die sich Arbeitgeber stellen können:
- Ist Ihre Führung durch Vertrauen und Anerkennung geprägt?
- Sind die Beziehungen in Ihren Abteilungen und Teams kooperativ?
- Herrscht bei Ihnen Transparenz über die Auslastung und Kapazitäten der einzelnen Teammitglieder?
- Haben Ihre Mitarbeitenden Entscheidungs- und Handlungsspielräume auf dem Weg zum Erreichen ihrer Aufgaben
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