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Arbeitgebermagazin

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Weiterbildung in einer digitalen Welt

Veröffentlicht am:09.10.2026

6 Minuten Lesedauer

Um ihre Innovationskraft zu erhalten, brauchen Unternehmen immer neue Kompetenzen. Für Arbeitgeber lohnt sich eine gelebte Weiterbildungskultur mehrfach: Sie steigert die Produktivität, stärkt die Innovationsfähigkeit und verbessert zugleich die Mitarbeitendenbindung.

Eine Frau hält ein Seminar und erklärt den Teilnehmenden Inhalte an einer digitalen Tafel.

© Pressmaster via Getty Images

Weiterbildung: Tendenz sinkend

Weiterbildung stärkt die Innovationsfähigkeit von Unternehmen und kann im Wettbewerb um Fachkräfte den entscheidenden Unterschied bedeuten. Betriebe profitieren zudem etwa durch effizientere Arbeitsprozesse, weniger Fehleranfälligkeit und schnelleres Reagieren auf technologische Veränderungen. Ein entsprechendes Angebot erhöht auch die Arbeitszufriedenheit in der Belegschaft, mit positiven Effekten auf Motivation und Fehlzeiten. In einer Bitkom-Studie geben deshalb 86 Prozent der Beschäftigten an, dass Weiterbildung für sie fest zum Berufsalltag dazugehört.

Dennoch plant laut einer Bertelsmann-Studie aktuell nur rund die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland eine Weiterbildung, Tendenz sinkend. Gründe sind unter anderem, dass sie sich von der Vielzahl der Angebote überfordert fühlen oder nicht wissen, welche Weiterbildung sinnvoll für sie oder ihre Aufgabe ist.

Dabei machen wirtschaftliche und technologische Umbrüche kontinuierliches Lernen heute wichtiger denn je, um die Innovationskraft und damit den Anschluss zu erhalten.

Große Lücke beim Thema KI

Bei künstlicher Intelligenz (KI) zeigt sich besonders deutlich, dass Unternehmen Beschäftigte noch stärker zu Fortbildungen ermutigen können – und beim KI-Einsatz auch schulen müssen (EU AI Act). 81 Prozent der Unternehmen sehen KI als wichtigste Zukunftstechnologie. Gleichzeitig bieten 43 Prozent bislang keine diesbezüglichen Schulungen an. Gründe hierfür können unter anderem fehlende interne Expertise zum Thema oder der Fachkräftemangel sein, der Ressourcen bindet.

Doch ohne fachliche Einführung fehlt vielen Mitarbeitenden Wissen im Umgang mit neuen Tools, etwa mit Blick auf Datensicherheit und Persönlichkeitsrechte. Gleichzeitig sorgt der Wandel auch für Verunsicherung. Hier kann Weiterbildung ansetzen und realistische Erwartungen schaffen und Handlungssicherheit vermitteln. Davon profitieren die Unternehmen, denn qualifizierte Mitarbeitende können der Schlüssel für stabile Arbeitsabläufe, bessere Entscheidungen im Alltag und einen konstruktiven Umgang mit Veränderungen sein.

Ringdiagramm zu KI-Fortbildungen in deutschen Unternehmen: 70 % der Erwerbstätigen sagen, ihr Unternehmen bietet keine Fortbildung zu künstlicher Intelligenz an. 20 % haben ein solches Angebot schon genutzt, 6 % haben es, aber noch nicht genutzt, und 5 % wissen es nicht oder machen keine Angabe. Befragt wurden 513 Erwerbstätige ab 16 Jahren.

Hindernisse für Arbeitgeber

Damit Beschäftigte Weiterbildungsangebote nutzen, ist finanzielle Unterstützung durch das Unternehmen wichtig. Müssen Mitarbeitende die Kosten selbst tragen oder in der Freizeit lernen, sinkt ihre Bereitschaft zur Teilnahme an entsprechenden Angeboten deutlich. Gleichzeitig ist Weiterbildung auch für Unternehmen teuer: Neben den direkten Kosten fallen indirekte Kosten durch Ausfallzeiten ins Gewicht, wenn Mitarbeitende während der Schulung im Arbeitsalltag fehlen.

Zusätzlich fehlt es vielen Betrieben an zeitlichen Kapazitäten. Prof. Dr. Hubert Ertl, Forschungsdirektor am Bundesinstitut für Berufsbildung, beschreibt die Situation als Zwickmühle: „Einerseits möchten Arbeitgeber, dass Mitarbeitende neue Kompetenzen ins Unternehmen einbringen. Andererseits ist es gerade in Zeiten des Fachkräftemangels schwierig, motivierte Kräfte für Weiterbildungen freizustellen.“

Weiterbilden, weitersagen

Prof. Dr. Hubert Ertl, Forschungsdirektor am Bundesinstitut für Berufsbildung

Unternehmen verfügen über viele Stellschrauben, um die Weiterbildung im Betrieb zu stärken. Ein wichtiger erster Schritt besteht darin, vorhandene Angebote sichtbar zu machen, etwa im Intranet, am Schwarzen Brett oder durch regelmäßige Hinweise in Teammeetings. Oft entstehen Weiterbildungswünsche erst, wenn Mitarbeitende wissen, welche Möglichkeiten es gibt. Eine zentrale Rolle spielt zudem die Lernkultur im Unternehmen.

Diese basiert auf einem klaren Bekenntnis zu ständigem Lernen, das im Unternehmen beispielsweise durch eine systematische Weiterbildungsplanung gelebt wird. Eine Ansprechperson oder zentrale Stelle im Unternehmen erleichtert Beschäftigten außerdem den Zugang zu Weiterbildungsangeboten.

Auf der anderen Seite brauchen Mitarbeitende Raum zum Experimentieren und regelmäßige Informations- oder praxisorientierte Lernformate.

Von Vorbildern und Mentoren

Besonders wirksam ist, wenn Führungskräfte mit gutem Beispiel vorangehen. Vorgesetzte, die sich weiterbilden und dann über ihre Erfahrungen reden, wirken als Katalysator für das gesamte Team. Mitarbeitende mit Vorwissen, sogenannte Weiterbildungsmentorinnen und  
-mentoren, können dabei weniger erfahrenen Beschäftigten unter die Arme greifen, zum Beispiel mit Praxistipps. Lernpausen bieten zudem kurze, planbare Formate, um Wissen zu teilen und neue Themen auszuprobieren.

Zeit für Weiterbildung

Daneben helfen klare Perspektiven für Mitarbeitende. Materielle Anreize wie Gehaltserhöhungen oder neue berufliche Titel spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Aussicht auf mehr Verantwortung und Sinn in der Arbeit. Auch die Vermittlung, wie die gelernten Inhalte konkret im Arbeitsalltag helfen, kann motivieren.

Doch auch die beste Motivation hilft wenig, wenn im Arbeitsalltag keine Zeit für Bildung bleibt. „Nicht jede Qualifizierung muss eine mehrtägige Schulung sein“, sagt Ertl. „Je nach Inhalt bieten sich oft auch kurze Lerneinheiten an, die sich in Pausen oder Leerlaufzeiten einbauen lassen.“ Gerade hier bietet KI neue Möglichkeiten, beispielsweise durch intelligente Lernprogramme.

Ringdiagramm mit den fünf Zukunftskompetenzen, mit denen die AOK Baden-Württemberg ihre Mitarbeitenden fit für die Zukunft macht: Lösungsorientierung, Digitalkompetenz, Zukunftsmut, Growth Mindset und emotionale Intelligenz.

Lernen hat Zukunft

Angesichts der schnellen Fortschritte von KI mag Weiterbildung manchen überholt erscheinen. Warum etwas lernen, wenn die Technologie es ohnehin schneller kann? Ertl stellt klar: „Dass KI Menschen in ihren zentralen Kompetenzen ersetzt, davon sind wir in den meisten Bereichen beruflicher Tätigkeit noch ein gutes Stück entfernt.“

Bis dahin werden sich viele Berufe verändern. Unternehmen, die jetzt auf Weiterbildung setzen, geben Orientierung, stärken die Resilienz ihrer Belegschaft und positionieren sich als innovative Arbeitgeber.

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