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Unser Rezept für eine gesunde Gesellschaft

Medikamente sind für uns Menschen lebenswichtig. Gelangen ihre Wirkstoffe bei der Produktion aber durch das Abwasser in die Umwelt, können sie resistente Keime fördern. Was wir als AOK Baden-Württemberg tun, um konkrete Umweltanforderungen in der Antibiotikaproduktion zu verankern.

Ergebnisse der Studie zur nachhaltigen Versorgung mit Antibiotika

Pressekonferenz vom 10. November 2023 in Berlin

Eine preisgekrönte Studie

Wir freuen uns, mehrfach für unser Engagement im Bereich Nachhaltigkeit ausgezeichnet worden zu sein. Vor allem unsere globale Antibiotikastudie und die erfolgreiche Platzierung des Themas in Politik und Medien konnte die Jurys überzeugen.

2025 konnten wir den renommierten Deutschen Nachhaltigkeitspreis wiederholt entgegennehmen. Und auch beim größten Wirtschaftspreis Baden-Württembergs „Schwarzer Löwe“ sind wir 2024 ausgezeichnet worden. Unter 150 teilnehmenden Unternehmen haben wir die Silbermedaille in der Kategorie „Nachhaltigkeit“ gewonnen. Preise wie diese sind für uns nicht nur Anerkennung, sondern auch Ansporn, unser Engagement in der Arzneimittelversorgung weiterzuentwickeln.
 
 

Umweltanforderungen in der Antibiotikaproduktion

Multiresistente Keime sind für Mensch und Umwelt ein Problem. Sie können die Wirksamkeit von Antibiotika gefährden und tauchen vor allem in belasteten Produktionsabwässern auf. Wenn diese unbehandelt in Flüsse und Seen zurückgeleitet werden, verbreiten sich die multiresistenten Keime dort – mit erheblichen gesundheitlichen und finanziellen Folgen für die gesamte Weltbevölkerung.

Ein globales Risiko
Mit Keimen belastete Binnengewässer sind für viele Millionen Menschen weltweit eine wichtige Süßwasserquelle – vor allem in ärmeren Ländern, in denen oft das Geld für die Wasseraufbereitung fehlt und die Versorgung wegen desolater Infrastrukturen ohnehin sehr schlecht ist. Antibiotikaresistenzen sind ein globales Risiko und gefährden die zukünftige Gesundheitsversorgung. Die Vereinten Nationen haben das Problem deshalb längst neben dem Klimawandel und dem Terrorismus als globale Gefahr eingeordnet. Die WHO bezeichnet es seit mehreren Jahren gar als eines der wichtigsten globalen Gesundheitsthemen.
Wir als AOK Baden-Württemberg möchten, dass Infektionen im Ernstfall auch künftig wirksam mit Antibiotika behandelt werden können. Dazu müssen Wirkstoffeinträge aus Produktionsabwässern wirksam begrenzt werden. Wir setzen uns deshalb dafür ein, konkrete Anforderungen an Wirkstoffkonzentrationen im Produktionsabwasser zu verankern. Denn auch Arzneimittel, die auf dem deutschen Markt landen und in deutschen Apotheken verkauft werden, werden zum Teil unter Produktionsbedingungen hergestellt, bei denen Arzneimittelwirkstoffe in die Umwelt gelangen können.
 

Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg

Johannes Bauernfeind

„Wenn sich multiresistente Keime über das Industrieabwasser ausbreiten, ist die Wirksamkeit von Antibiotika insgesamt stark gefährdet. Daher muss die Herstellung unter strengen Auflagen für den Umweltschutz stattfinden.“

Neben den Produktionsbedingungen spielt eine große Rolle, wie Medikamente angewandt werden und ob sie fachgerecht entsorgt werden. Beispiel Diclofenac: ein weitverbreiteter Wirkstoff gegen Entzündungen und Schmerzen, der mittlerweile vermehrt in Binnengewässern nachgewiesen werden kann. Für Diclofenac liegt die sogenannte Predicted No Effect Concentration (PNEC) bei 0,05 Mikrogramm pro Liter. Dieser Wert wurde nach Angaben des Umweltbundesamtes an 21 von 24 untersuchten Messstellen überschritten.

Das Problem: Wird Diclofenac äußerlich auf der Haut angewendet, gelangt es beim Duschen direkt ins Abwasser. Kläranlagen können den Wirkstoff nicht vollständig entfernen. Unsere Lösung: Die AOK-Gemeinschaft nimmt die Darreichungsform von Diclofenac als Gel oder Salbe aus ihren Arzneimittelausschreibungen heraus. Damit wollen wir dazu beitragen, Einträge von Diclofenac in Gewässer zu reduzieren.

Was Sie beim Entsorgen von Medikamenten beachten können
Auch Sie können dazu beitragen, die Wasserverschmutzung durch Medikamente möglichst gering zu halten. Das Umweltbundesamt stellt dazu Informationsmaterialien bereit, die Sie kostenlos über die Website herunterladen oder bestellen können. Dort erfahren Sie beispielsweise, dass Sie Altmedikamente in der Regel über den Hausmüll entsorgen sollten – niemals über die Toilette oder den Abfluss.

 

Wir sind bereit mehr zu zahlen

Als AOK-Gemeinschaft ermöglichen wir mit den Rabattverträgen nicht nur eine wirtschaftliche Versorgung. Wir setzen uns für eine nachhaltige Arzneimittelversorgung in drei Dimensionen ein:
 

  • Ökologisch: Wir möchten die Entstehung von Antibiotikaresistenzen vermeiden, indem wir Umweltkriterien in der Arzneimittelproduktion berücksichtigen.
  • Sozial: Wir möchten Lieferengpässe vermeiden, indem wir Lieferketten stabilisieren und verkürzen.
  • Ökonomisch: Wir möchten eine wirtschaftliche Versorgung ohne Qualitätsverluste sicherstellen, indem wir unsere Arzneimittelrabattverträge konsequent weiterentwickeln.

Bei unseren Antibiotika-Ausschreibungen ist nicht allein der Preis entscheidend. Pharmaunternehmen können einen Bonus erhalten, wenn sie sich gemeinsam mit ihren Wirkstoffherstellern verpflichten, festgelegte Umweltanforderungen einzuhalten. Auf diese Weise schaffen wir einen konkreten Anreiz, Wirkstoffeinträge aus der Antibiotikaproduktion zu begrenzen.
 

Nachhaltigkeit hat ihren Preis

Als ein Akteur des Arzneimittelsektors sehen wir uns in der Verantwortung, Umweltaspekte stärker in der Arzneimittelversorgung zu berücksichtigen. Darum haben wir bereits 2020 als erste Krankenkasse den Umweltschutzaspekt in unseren Arzneimittelausschreibungen verankert.

Das funktioniert grundsätzlich so: Wollen Pharmaunternehmen die Mitglieder einer Krankenkasse mit generischen Arzneimitteln versorgen, müssen sie sich an Arzneimittelausschreibungen beteiligen. Generische Arzneimittel sind Medikamente, bei denen der Patentschutz abgelaufen ist. Krankenkasse und Hersteller schließen dann einen Vertrag, in dem der Hersteller die Arzneimittelversorgung über einen bestimmten Zeitraum garantiert.

In der Praxis erhält meist das Unternehmen den Zuschlag, das den niedrigsten Preis für seine Produkte aufruft. Dafür erhält der Hersteller einen exklusiven Zugang zu den Versicherten der Krankenkasse. Denn die Apotheken sind verpflichtet, immer das Medikament auszugeben, für welches die Krankenkasse des Versicherten einen Rabattvertrag mit dem Hersteller abgeschlossen hat. Die AOK Baden-Württemberg koordiniert zentral für die AOK-Gemeinschaft die Gestaltung der Arzneimittelrabattverträge und ist die bundesweite Verhandlungsführerin.

Damit nicht nur der Preis in der Ausschreibung entscheidend ist, haben wir ein Umweltkriterium als Bonuskriterium bei der Ausschreibung entwickelt, um Anreize für die Einhaltung konkreter Umweltanforderungen bei der Produktion von Antibiotika zu schaffen.

Gemeinsam mit dem Umweltbundesamt haben wir maximale Wirkstoffkonzentrationen im Produktionsabwasser definiert. Pharmaunternehmen, die sich gemeinsam mit ihren Wirkstoffherstellern verpflichten, diese Werte einzuhalten, werden durch einen Bonus in der Ausschreibung bevorzugt. Die Einhaltung wird durch Experten und Expertinnen vom unabhängigen und gemeinnützigen IWW Institut für Wasserforschung durch die Entnahme von Proben vor Ort und deren Analyse überprüft. Zudem werden Gewässerproben der durch die Produktionsstätten beeinflussten Umwelt auf Antibiotika untersucht.
Bei nachgewiesenen Konzentrationsüberschreitungen im Produktionsabwasser wurden die pharmazeutischen Unternehmen dahingehend aufgeklärt und sensibilisiert sowie zur Veranlassung von Nachbesserungen an den Produktionsstätten aufgefordert.
 

Hohe Belastungen vor Ort – mit möglichen globalen Folgen

Seit September 2021 wurden an 23 Produktionsstandorten in China, Indien und Europa insgesamt mehr als 50 Überprüfungen durchgeführt. An rund der Hälfte der untersuchten Produktionsstandorte wurden bei mindestens einer Überprüfung teils erhebliche Überschreitungen der festgelegten Schwellenwerte für die ausgeschriebenen Vertragsantibiotika festgestellt. Untersucht wurden vorrangig Produktionsabwässer, Regenabläufe und beeinflusste Umweltgewässer.

Dort, wo die vereinbarten Umweltanforderungen nicht eingehalten wurden, wurden teilweise besonders hohe Schwellenwertüberschreitungen sowohl im Produktionsabwasser als auch in Umweltgewässern nachgewiesen.
So wurde bei Levofloxacin in einem Produktionsabwasser eine Konzentration von mehr als 600 Mikrogramm pro Liter gemessen. Damit lag der Wert mehr als 2.500-fach über dem vertraglich vereinbarten Schwellenwert.

Auch in der unmittelbaren Umgebung von Produktionsstätten wurden hohe Konzentrationen festgestellt. In den Umweltproben wurden insgesamt 26 verschiedene Antibiotika nachgewiesen. Von 14 untersuchten Gewässern wiesen zehn mindestens eine Antibiotikakonzentration oberhalb des ökotoxikologisch relevanten Schwellenwertes auf. Nicht an allen Standorten konnten Umweltproben entnommen werden.
Die höchste in einer Gewässerprobe nachgewiesene Konzentration betraf Ciprofloxacin: Mit mehr als 3.000 Mikrogramm pro Liter lag sie mehr als 33.000-fach über dem maßgeblichen Schwellenwert.

Die untersuchten Gewässer führen teilweise durch vielgenutztes Weideland und bewohnte Siedlungen. In einer Probe aus einem europäischen Bach wurden zehn verschiedene Antibiotika nachgewiesen. Der Bach führt im weiteren Verlauf durch Siedlungen, wird zur Naherholung genutzt und unter anderem befischt.

Die Ergebnisse weisen auf erhebliche Risiken für die Umwelt und die Gesundheit der Menschen vor Ort hin. Insbesondere können hohe Antibiotikakonzentrationen die Entstehung und Verbreitung antimikrobieller Resistenzen begünstigen. Diese können sich durch Tourismus, berufliche Reisen und den globalisierten Handel innerhalb kurzer Zeit weltweit verbreiten.

Untersuchungen führen zu konkreten Verbesserungen

Die bisherigen Überprüfungen zeigen ein differenziertes Bild: Neben Produktionsstätten mit funktionierendem Abwassermanagement und Standortverantwortlichen mit ausgeprägtem Bewusstsein für die Problematik wurden auch veraltete Anlagen und Standorte mit Defiziten bei der Abwasserbehandlung untersucht.

Gleichzeitig haben die Kontrollen bereits konkrete Verbesserungen angestoßen. Eine indische Produktionsstätte vergrößerte und optimierte ihre Abwasseraufbereitung. Während bei der ersten Untersuchung noch eine Konzentration des Vertragsantibiotikums von zehn Mikrogramm pro Liter gemessen wurde, war der Wirkstoff nach den Anpassungsmaßnahmen in einer Folgemessung nicht mehr nachweisbar.
Eine weitere Produktionsstätte verbesserte die Lagerung von Wirkstoffen sowie das Auffangen und Recycling verschütteter Substanzen. Auch andere Werke planen, ihre Abwasserbehandlung umzustellen. Insgesamt konnten bei den Folgeuntersuchungen in den meisten Fällen Verbesserungen der Produktionsbedingungen festgestellt werden. Zudem zeigt sich, dass Produktionsstätten ihre Erkenntnisse zunehmend untereinander weitergeben und damit Verbesserungen auch in weiteren Werken anstoßen.
 

Verbindliche europäische Regelungen sind erforderlich

Die Ergebnisse machen den hohen Handlungsdruck auf nationaler und insbesondere auf europäischer Ebene deutlich. Nach Einschätzung der Studienpartner bilden die bisherigen Untersuchungen nur einen Ausschnitt der weltweiten Arzneimittelproduktion und möglicherweise lediglich einen Teil des tatsächlichen Problems ab.

Die ökologischen Kriterien in den Arzneimittelrabattverträgen haben wichtige Verbesserungen angestoßen. Der Handlungsspielraum einzelner Krankenkassen und nationaler Akteure bleibt angesichts globaler Lieferketten jedoch begrenzt. Erforderlich sind deshalb verbindliche europäische Vorgaben für Wirkstoffemissionen aus der Arzneimittelproduktion.

Dazu gehören wissenschaftlich abgeleitete Obergrenzen für Wirkstoffemissionen, verbindliche Umweltkriterien für die Zulassung und laufende Produktion insbesondere von Antibiotika sowie einheitliche und unabhängige Kontrollsysteme. Dabei müssen alle Eintragspfade berücksichtigt werden – neben dem Produktionsabwasser auch belastetes Regen- und Oberflächenwasser, das ein Werksgelände verlässt.

Der europäische Rechtsrahmen für Arzneimittel – einschließlich des Critical Medicines Act – bietet Ansatzpunkte, um solche Anforderungen verbindlich zu verankern. Ein gemeinsames europäisches Vorgehen kann dazu beitragen, Risiken für Umwelt und Gesundheit zu reduzieren, die Entstehung und Verbreitung antimikrobieller Resistenzen einzudämmen und langfristige Belastungen für die Gesundheitsversorgung zu verringern.

Stand der Untersuchungsergebnisse: Frühjahr 2026.
 

Hitze und Gesundheit

Die Menschen sind immer häufiger hohen Temperaturen und einer starken UV-Belastung ausgesetzt. Bei uns stehen diese Themen ganz oben auf der Agenda. Unser Anspruch: mit Informationen zum individuellen Schutz beizutragen und Baden-Württemberg besser gegen Extremhitzeereignisse zu wappnen.

Forschung: Klimastudie

In einer gemeinsamen Studie haben die AOK Baden-Württemberg und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt erstmals den Einfluss bestimmter Klima- und Umweltfaktoren auf die Gesundheit der Menschen in Baden-Württemberg untersucht. Der Forschungsansatz der beiden Partner öffnet die Türen für weitere wissenschaftliche Untersuchungen.

Umweltprogramm greenAOK

Mit unserem internen Umweltprogramm „greenAOK“ steuern wir unser betriebliches Umweltmanagement und legen konkrete Umweltziele fest. Die daraus abgeleiteten Aktivitäten – beispielsweise zur Reduktion des Energieverbrauchs – dokumentieren wir in unserer jährlich aktualisierten Umwelterklärung. Seit 2026 ist unser Umweltmanagementsystem nach EMAS registriert.

Unsere Services

Für unsere Kundinnen und Kunden bieten wir Services, Informationen und Aktionen zu Themen, die Gesundheit, Umwelt und gesellschaftliche Verantwortung verbinden. Entdecken Sie unsere Angebote und erfahren Sie, wie Sie selbst aktiv werden können.