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Arbeitgebermagazin

Gesund führen

Volle Leistung ohne Hirndoping

Veröffentlicht am:11.11.2025

5 Minuten Lesedauer

Um sich wach zu halten oder leistungsfähiger zu sein, nehmen manche Beschäftigte am Arbeitsplatz bestimmte Substanzen zu sich, sogenannte Neuroenhancer. Was es damit auf sich hat und wie Arbeitgeber dazu beitragen, dass Menschen langfristig ohne leistungssteigernde Mittel auskommen.

Ein Mann am Schreibtisch nimmt eine Tablette ein.

© AOK

Neuroenhancer sind weit verbreitet

Ohne Aufputschmittelchen am Schreibtisch geht es nicht? Sieben von zehn Befragten greifen während der Arbeit zu sogenannten Neuroenhancern, also zu Hirndoping.

Das ergab die bislang größte repräsentative Studie in Deutschland mit 22.000 Befragten, die von den Universitäten Bielefeld, Erfurt und Köln sowie der Uniklinik Köln durchgeführt wurde.

Koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, Koffeinpräparate oder Energy-Drinks werden von knapp zwei Dritteln regelmäßig und mit dem ausdrücklichen Ziel der Steigerung von Konzentration, Wachheit und Gedächtnisleistung konsumiert.

Mit der gleichen Absicht nehmen der Studie zufolge 3,7 Prozent der Befragten verschreibungspflichtige Medikamente ein, ohne dass es dafür eine medizinische Notwendigkeit gäbe.

Legale und illegale Substanzen

Sebastian Sattler, Soziologe an der Universität Bielefeld
Sebastian Sattler, Soziologe an der Universität Bielefeld

Ein Bericht des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit listet die am häufigsten verwendeten verschreibungspflichtigen Substanzen auf: Das ist zum einen Methylphenidat, das vor allem bei ADHS eingesetzt wird und konzentrationssteigernd wirkt.

Auch „Wachmacher“ wie Modafinil sowie Amphetamine, Antidementiva und Antidepressiva werden konsumiert, ebenso wie gelegentlich illegale Drogen, darunter Speed oder Ecstasy. Ob legal oder illegal: Sie alle bergen bei falschem Gebrauch nachweisbare Sucht- und Gesundheitsrisiken.

Leistungsdruck vermeiden

Die Gründe für den Konsum seien vielfältig, so Sebastian Sattler von der Universität Bielefeld, einer der Leitenden der Studie. Diese zeigt zudem auch soziodemografische Unterschiede. So seien Neuroenhancer bei Befragten im Alter von 18 bis 24 und ab 55 Jahren weiter verbreitet als in den Altersgruppen dazwischen. Die Studienleitenden vermuten, dass jüngere Menschen besonders risiko- und probierfreudig sind, während ältere Menschen versuchen könnten, mögliche Leistungsdefizite damit auszugleichen.

Interessant sei beispielsweise auch, so Sattler, dass Männer eher zu Koffeintabletten und illegalen Drogen wie Kokain griffen als Frauen, um ihre geistige Leistung zu steigern. Auch in städtischen Gebieten zeichnete sich im Vergleich zum ländlichen Raum eine stärkere Verbreitung illegaler Drogen ab.

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Mehr Pausen statt Pillen

Eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ergab, dass Leistungsdruck, mangelnde Fehlertoleranz, Personalengpässe sowie fehlende Führung, Mitsprache und Wertschätzung Hirndoping am Arbeitsplatz begünstigen können.

Hier können Arbeitgeber gegensteuern:

Wichtig sei zudem, Zeitdruck, Überstunden und Überlastung so weit wie möglich zu reduzieren, sagt Sattler. Coaching-Angebote, Resilienz-Trainings und Angebote zur Stressprävention, zum Beispiel auch in Zusammenarbeit mit der AOK, könnten sich positiv auswirken.

Leistungsfähigkeit unterstützen

Stressvermeidend wirken sich auch die Arbeitsplatzsicherheit sowie die Wertschätzung der Arbeit durch Arbeitgeber aus, so der Soziologe Sattler.

Um die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten zu unterstützen, können im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements Alternativen zum Einsatz von Neuroenhancern angeboten und gefördert werden:

  • Sport,
  • ausreichende Pausen,
  • Entspannungsangebote und
  • Tipps für besseren Schlaf.

So kann langfristig eine nachhaltige Leistungssteigerung ohne gesundheitsschädliche Substanzen erreicht werden.

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