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Arbeitgebermagazin

Unternehmen im Ländle

„Grundsätzlich trägt die Arbeit zur Integration bei“

Veröffentlicht am:01.04.2026

5 Minuten Lesedauer

Arnd Suck, Geschäftsführer der Südwestmetall-Bezirksgruppe Rhein-Neckar-Odenwald, spricht über Fachkräfte, Integration – und darüber, wo jetzt die Weichen für die Zukunft gestellt werden müssen.

Arnd Suck, Geschäftsführer der Südwestmetall-Bezirksgruppe Rhein-Neckar-Odenwald

© AOK

Fachkräftemangel bleibt trotz Krisen ein zentrales Thema. Arnd Suck, Geschäftsführer der Südwestmetall-Bezirksgruppe Rhein-Neckar-Odenwald , erklärt im Interview, warum Integration mehr ist als ein Arbeitsvertrag und welche Weichen jetzt gestellt werden müssen, um international wettbewerbsfähig zu sein.

Wie akut ist der Mangel in der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg?

Arnd Suck: Aufgrund der schlechten Konjunktur und der multiplen Krisen, in denen wir uns bereits seit Jahren befinden, ist der Fachkräftemangel etwas in den Hintergrund gerückt. Nichtsdestotrotz ist das Problem nach wie vor akut und wird aufgrund des demografischen Wandels auch weiterhin so bleiben. Für die Zukunftsfähigkeit unserer Unternehmen sind motivierte und gut ausgebildete Fachkräfte nach wie vor ein großes Thema. Nicht zuletzt müssen die Leute auch da sein, wenn die Konjunktur wieder anzieht.

Spüren die Unternehmen Entlastung durch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz – oder stehen zentrale Hürden weiterhin im Weg?

Arnd Suck: Mit Visa-Verfahren gibt es immer noch Probleme. Hier haben wir aber nur bedingt Einfluss, da viele dieser Verfahren über ausländische Behörden laufen. In Baden-Württemberg haben wir seit diesem Jahr eine Landesagentur für die Zuwanderung von Fachkräften. Sie ist zuständig für das sogenannte beschleunigte Fachkräfteverfahren, bei welchem die Prozesse deutlich beschleunigt werden. Dieser Service wird von unseren Unternehmen gut angenommen und ausdrücklich positiv bewertet. Bislang läuft hier alles fristgerecht und reibungslos. Das entlastet nicht zuletzt auch die untergeordneten Ausländerbehörden bei ihren Prozessen.

Welche Rolle spielen Unternehmen beim Schaffen einer echten Willkommenskultur?

Arnd Suck: Grundsätzlich trägt die Arbeit zur Integration bei. Dabei geht es nicht nur um die Sprache, sondern auch um das gemeinsame Arbeiten. In unseren Betrieben sind Fachkräfte hochwillkommen. Hier gehen viele Unternehmen weit über die betriebliche Pflicht hinaus, helfen bei der Wohnungssuche, sorgen privat für Anschluss in Vereinen und Initiative oder organisieren oder bezahlen Sprachkurse. Dennoch muss klar sein, dass Integration und Willkommenskultur eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, die nicht ausschließlich von der Arbeitsstelle übernommen werden kann.

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Das Impulsforum fand gemeinsam mit der AOK Rhein-Neckar-Odenwald statt. Welche Bedeutung haben solche Kooperationen zwischen Arbeitgeberverbänden, Sozialversicherungsträgern und Politik?

Arnd Suck: Solche Kooperationen sind besonders wichtig, da sie die oben genannte gesamtgesellschaftliche Aufgabe mit erfüllen. Je mehr Akteure am Tisch sitzen, desto effektiver ist die Vernetzung und wichtige Impulse können erfolgreich in die Breite getragen werden.

„Dennoch muss klar sein, dass Integration und Willkommenskultur eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, die nicht ausschließlich von der Arbeitsstelle übernommen werden kann.“

Arnd Suck
Geschäftsführer der Südwestmetall-Bezirksgruppe Rhein-Neckar-Odenwald

Wie können Politik und Verbände insbesondere kleine und mittlere Unternehmen dabei entlasten?

Arnd Suck: Wir beraten als Verband unsere Mitgliedsunternehmen im Vorfeld eines Fachkräfteinwanderungsprozesses. Welche Unterlagen und Materialien wichtig sind und welche Fristen gelten, können Unternehmen bei uns erfragen. Über unser Bildungswerk der baden-württembergischen Wirtschaft bekommen Unternehmen zudem Hilfe bei Themen wie Rekrutierung und Anwerbung sowie beim Relocation-Management. Die Politik ist in der Pflicht, gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Hier müssen Prozesse vereinfacht und Bürokratie abgebaut werden. Der ganze Apparat braucht dringend ein höheres Maß an Digitalisierung und eine Bündelung von Zuständigkeiten würde für Unternehmen und eingewanderte Fachkräfte eine deutliche Entlastung bedeuten.

Was muss in den nächsten fünf Jahren passieren, damit Baden-Württemberg im weltweiten Wettbewerb um Talente bestehen kann?

Arnd Suck: Die Metall- und Elektroindustrie ist grundsätzlich attraktiv. Sie bietet hohe Löhne, lebenslanges Lernen und umfassende Gestaltungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Wer hier arbeitet, arbeitet auch an der Zukunft. Wir müssen aber schauen, dass wir Talente auch nach Baden-Württemberg bekommen, indem wir Strukturen und Rahmenbedingungen schaffen, die eine Fachkräfteeinwanderung einfach und effektiv möglich machen. Das beginnt bei bezahlbarem Wohnraum und endet eben auch bei bürokratiearmen, digitalisierten Prozessen.

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