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Amblyopie – Schwachsichtigkeit bei Kindern erkennen und behandeln

Veröffentlicht am:28.02.2024

5 Minuten Lesedauer

Amblyopie ist eine Sehschwäche, die sich im frühen Kindesalter entwickelt. Sie kann das Sehvermögen dauerhaft beeinträchtigen, deshalb ist eine frühe Behandlung wichtig. Wie Eltern eine Amblyopie erkennen und wie Schwachsichtigkeit behandelt wird.

Ein Junge mit Amblyopie hat sein linkes Auge mit einem Okkluder abgeklept, er trägt dazu eine Brille und sitzt malend im Garten an einem Tisch.

© iStock / Kukurund

Was ist eine Amblyopie?

Eine Amblyopie (Schwachsichtigkeit) ist eine eine Verminderung der Sehkraft, die nicht unmittelbar auf eine krankhafte Veränderung des betroffenen Auges selbst zurückzuführen ist. Die Amblyopie hängt mit der Entwicklung des Sehvermögens zusammen und tritt deshalb vor allem in der frühen Kindheit auf, wenn sich das Sehsystem voll ausbildet und verfeinert. Sie betrifft meist nur ein Auge, in seltenen Fällen auch beide Augen. Besonders im ersten Lebensjahr müssen sich die beiden Augen untereinander sowie die Augen und das Gehirn für ihre Zusammenarbeit koordinieren, was nicht immer reibungslos funktioniert. In Deutschland haben nach Schätzungen rund vier bis sechs Prozent aller Kinder eine Amblyopie.

Wie entsteht eine Amblyopie?

Beim räumlichen Sehen fokussieren sich beide Augen auf einen Punkt. Jedes Auge erzeugt ein eigenes Bild, das von dem des anderen leicht abweicht. Das Gehirn kombiniert beide Bilder zu einer einheitlichen, räumlichen Wahrnehmung. Wenn die Augen nicht denselben Punkt erfassen, unterscheiden sich die Bilder zu sehr voneinander. Das Gehirn kann sie nicht mehr korrekt zusammenfügen. Es entstehen Doppelbilder. Das kindliche Gehirn unterdrückt in diesem Fall eines der Bilder und bevorzugt dauerhaft die Bilder des anderen Auges. Dazu kommt es auch, wenn ein Auge ein schlechteres Bild liefert als das andere. Das kann an einer ungleichmäßig verteilten Fehlsichtigkeit, einer einseitigen Linsentrübung oder an einem hängenden Lid liegen. In der Folge wird jeweils die Sehleistung des vernachlässigten Auges schwächer – es kommt zur Amblyopie.

Ursachen von Amblyopie

Der bei weitem häufigste Grund dafür, dass die Bilder beider Augen zu stark voneinander abweichen, ist Schielen. Nur zwei Prozent der Kinder, die nicht schielen, entwickeln eine Amblyopie. Unter den schielenden Kindern hingegen entwickeln rund 60 bis 70 Prozent diese besondere Sehschwäche.

Weitere Ursachen einer Amplyopie sind nicht rechtzeitig korrigierte Fehlsichtigkeiten: Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit und Hornhautverkrümmung. Das Risiko für eine Amblyopie ist umso größer, je mehr die Sehleistung der einzelnen Augen voneinander abweicht. Zum Beispiel, wenn nur jeweils ein Auge weit- oder kurzsichtig ist oder ein Auge weitsichtig und das andere kurzsichtig.

Selten sind etwa ein hängendes Augenlid oder eine Linsentrübung (Grauer Star) für ungleiches Sehen verantwortlich.

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Amblyopie bei Erwachsenen

Zu einer Amblyopie kommt es ausschließlich während der Entwicklung des Sehvermögens, die ungefähr mit acht bis zehn Jahren abgeschlossen ist. Wenn das Sehsystem ausgereift ist, kann eine Amblyopie nicht mehr neu entstehen. Trotzdem gibt es Erwachsene mit Amblyopie: 5 bis 5,6 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind schwachsichtig (amblyop). Ihre Amblyopie haben sie aber nicht als Erwachsene erworben, sondern sie besteht schon seit der Kindheit oder ist auf eine unbehandelte Sehstörung in der Kindheit zurückzuführen. Wenn eine Amblyopie im Kindesalter nicht rechtzeitig entdeckt und behandelt wird, bleibt sie ein Leben lang bestehen. Bei Erwachsenen kann eine Schwachsichtigkeit dann nicht mehr korrigiert werden.

Wie erkenne ich, ob mein Kind von Schwachsichtigkeit betroffen ist?

Damit eine Amblyopie möglichst schnell diagnostiziert und behandelt werden kann ist es wichtig, erste Anzeichen auf eine Sehschwäche richtig zu deuten. Nur wenn Sehschwächen möglichst früh behandelt werden, lassen sich lebenslange und nicht mehr korrigierbare Fehlsichtigkeiten vermeiden.

Prüfen Sie regelmäßig, ob Ihr Kind schielt. Gelegentliches Schielen in den ersten Monaten ist meist kein Problem – die Augen auf etwas zu fixieren, müssen Kinder erst üben. Dauerhaftes Schielen ist jedoch ein dringender Grund für eine ärztliche Untersuchung.

Auch eine Kurz- oder Weitsichtigkeit sollte frühzeitig erkannt und behandelt werden, um dem Kind durch Korrekturmaßnahmen wie eine Brille die volle Teilhabe am täglichen Leben zu ermöglichen und Komplikationen wie eben eine Amplyopie zu vermeiden.

Ein mögliches Anzeichen für eine Amblyopie ist, wenn Ihr Kind Gegenstände sehr nah ans Auge hält oder den Kopf beim Betrachten zu einer bestimmten Seite dreht – auf der sich nämlich das vom Gehirn bevorzugte Auge befindet.

So stellt der Augenarzt oder die Augenärztin eine Schwachsichtigkeit fest

Wichtig ist, dass Sie alle ärztlichen U-Untersuchungen wahrnehmen, die für gesetzlich krankenversicherte Kinder angeboten werden. Besonders die U7a-Untersuchung im Alter von etwa drei Jahren ist auf das Erkennen von Sehschwächen ausgelegt.

Bei Auffälligkeiten der Augen überweist Sie Ihr Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin an eine augenärztliche Praxis. Zu den dortigen Diagnosemethoden zählen:

  • Untersuchungen zur Augenstellung, um ein unerkanntes leichtes Schielen zu erkennen. Dabei lässt der Arzt oder die Ärztin das Kind einen Gegenstand fixieren und deckt dann ein Auge einzeln zu. Anhand der Ausgleichsbewegung des anderen Auges kann lässt sich feststellen, ob das Kind schielt.
  • Bei einer Untersuchung mit dem Skiaskop geht es um die Sehschärfe. Ein Lichtstrahl wird ins Auge geleitet, um zu untersuchen, wie die Netzhaut das Licht reflektiert. Mit zusätzlichen Korrekturlinsen lässt sich die Lichtbrechung des Auges bestimmen und dadurch eine Kurz- oder Weitsichtigkeit erkennen.
  • Sehtafeln für Kinder, die sich bereits artikulieren können, zeigen je nach Kindesalter Symbole, Zahlen oder Buchstaben. Zur Erkennung einer Sehschwäche soll das Kind diese in unterschiedlichen Größen erkennen oder lesen.
Bei einem Baby mit Amblyopie wird mithilfe einer optischen Messbrille die richtige Sehstärke ermittelt.

© iStock / Svitlana Hulko

Amblyopie oder Schwachsichtigkeit wird mit einer Brille behandelt, dafür muss die Sehstärke der Kinder ermittelt werden.

Wie wird eine Amblyopie behandelt?

Die Behandlung einer Schwachsichtigkeit verläuft anders als bei einer Fehlsichtigkeit. Eine Brille löst das Problem nicht, wie es bei Kurz- oder Weitsichtigkeit der Fall ist. Allerdings kann eine Brille zusätzlich notwendig sein, wenn die Ursache der Amblyopie etwa eine Kurzsichtigkeit ist.

Ziel der Behandlung ist, dass Kinder mit beiden Augen im Nah- und Fernbereich gleich gut sehen. Als Standardtherapie wird das sehstarke Auge mit einem speziellen Pflaster abgedeckt. Damit soll die Sehentwicklung des schlechter sehenden Auges aktiviert werden. Manchmal kommen auch Brillen mit einem abgedeckten Glas zum Einsatz und selten spezielle Augentropfen, die die Sicht des besseren Auges vernebeln.

Wie lange das sehstarke Auge abgedeckt werden muss, hängt von der Schwere der Sehminderung und dem Alter des Kindes ab (in der Regel: je jünger, desto kürzer). In Einzelfällen reicht eine Behandlung über mehrere Wochen bereits aus, während bei manchen Kindern ein gutes Ergebnis erst nach Monaten oder Jahren erzielt wird. Unabhängig von der Dauer der Behandlung sind die Heilungschancen gut. Gegebenenfalls kann es nach der erfolgreichen Herstellung einer seitengleichen Sehstärke notwendig sein, das zuvor sehstärkere Auge noch zeitweise abzudecken, um die Verbesserung zu erhalten.

Bei frühzeitiger Behandlung lässt sich eine Amblyopie oft ganz beheben. In jedem Fall muss die Behandlung beginnen, bevor das Sehsystem mit acht bis zehn Jahren ausgereift ist. Danach sind die Chancen auf eine vollständige Heilung gering.

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