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Gesunde Ernährung

Welche Blutzuckerwerte sind normal und wie lassen sie sich regulieren?

Veröffentlicht am:16.04.2024

6 Minuten Lesedauer

Sind die Blutzuckerwerte dauerhaft zu hoch, kann das unterschiedliche Ursachen haben, zum Beispiel einen Diabetes mellitus Typ 2. Sie können Ihren Blutzucker durch eine veränderte Ernährung beeinflussen und sogar senken.

Eine Frauenhand misst mit einem Blutzuckermessgerät den Blutzuckerspiegel an ihrem Finger.

© iStock / Noppawan Laisuan

Was sind Blutzuckerwerte?

Von Blutzucker und Blutzuckerwerten sprechen Ärzte und Ärztinnen, wenn sie die im Blut gemessene Glukosekonzentration meinen. Glukose ist die wichtigste Energiequelle des Körpers. Sie liefert allen Zellen und vor allem dem Gehirn den nötigen Kraftstoff, um leistungsfähig und gesund zu bleiben. Glukose ist ein chemischer Baustein von Kohlenhydraten, die mit der Nahrung aufgenommen werden, oder kommt als Einfachzucker in Nahrungsmitteln vor, zum Beispiel in Honig. Nach einer Mahlzeit setzt die Verdauung ein, wobei neben dem Einfachzucker auch die aufgenommenen Kohlenhydrate in Glukose umgewandelt werden. Der Blutzucker steigt.

Im Tagesverlauf ist der Blutzuckerspiegel unterschiedlich hoch: Morgens nach dem Aufstehen liegt er im unteren Bereich, nach den Mahlzeiten steigt er an und ist dann am höchsten. Wie schnell und wie hoch er jeweils steigt, hängt unter anderem von der Zusammensetzung der Mahlzeit ab.

Hauptsächlich regeln zwei Hormone den Blutzuckerspiegel: Insulin und Glukagon. Letzteres wirkt einem abfallenden oder niedrigen Blutzuckerspiegel entgegen, indem es die Leber dazu anregt, gespeicherte Glukose aus ihrer speziellen Speicherform (Glykogen) freizusetzen. Außerdem sind die Leberzellen in der Lage, Eiweiße zu Glukose umzubauen. Sie können Zucker also neu bilden. Somit bleibt der Körper auch während einer kurzen Hunger- oder Fastenphase mit Energie versorgt.

Im Gegensatz dazu senkt das Hormon Insulin hohe Blutzuckerspiegel ab, indem es den Zucker aus dem Blut in die Körperzellen befördert. Beide Hormone wirken also als Gegenspieler.

Wie sehen die Blutzucker-Normwerte aus?

Bei gesunden Erwachsenen bewegt sich der Blutzuckerspiegel in einem bestimmten Bereich: Nüchtern, also nach dem Aufstehen und vor dem Frühstück, liegt er normalerweise zwischen 70 und 110 Milligramm pro Deziliter Blut. Nach einer Mahlzeit steigt er auf maximal 140 Milligramm pro Deziliter Blut an. Liegt der Nüchternblutzucker zwischen 110 und 125 Milligramm pro Deziliter, gilt er als auffällig hoch und geht mit einem erhöhten Risiko für Diabetes Typ 2 einher. Ab einem Wert von mehr als 125 Milligramm pro Deziliter sprechen Mediziner und Medizinerinnen dann von einem Diabetes mellitus. Der Nüchternwert ist immer eine Momentaufnahme. Bei begründetem Verdacht auf Diabetes muss die Messung wiederholt werden. Außer dem Nüchternblutzucker kann auch der Langzeitblutzucker (HbA1c-Wert) herangezogen werden, um zu sehen, ob der Blutzucker in den letzten zwei bis drei Monaten erhöht war.

Wie kommen hohe Blutzuckerwerte zustande?

Hohe Blutzuckerwerte können verschiedene Ursachen haben. In vielen Fällen steckt ein Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2 dahinter: Typ 1 ist genetisch bedingt. Dabei stellen die Zellen der Bauchspeicheldrüse die Insulinproduktion ein. Betroffene müssen ihr Leben lang mit Insulin behandelt werden. Typ 2 wird im Laufe des Lebens erworben, wichtige Risikofaktoren sind Übergewicht, zu wenig Bewegung und eine unausgewogene Ernährung. Die Vorstufe von Typ-2-Diabetes ist Prädiabetes. Die Blutzuckerwerte sind bereits erhöht, aber noch nicht so hoch, dass man von Diabetes Typ 2 sprechen kann. Prädiabetes entwickelt sich über Jahre, oft ohne begleitende Symptome. Bei schwangeren Frauen entwickelt sich manchmal ein sogenannter Schwangerschaftsdiabetes. Auch bestimmte Hormonstörungen (zum Beispiel das Cushing-Syndrom), Stoffwechselstörungen, eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse, ein Schädel-Hirn-Trauma oder Stress können Ursache für hohe Blutzuckerwerte sein.

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Wie fühlt man sich, wenn der Zucker zu hoch ist?

Menschen, die bei Diabetes Typ 2 dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte haben, merken häufig über Jahre nichts davon. Die Symptome bei sehr hohen Blutzuckerwerten sind häufig nicht eindeutig und können wie folgt aussehen:

  • stärkeres Durstgefühl
  • erhöhter Harndrang
  • Müdigkeit
  • Schwäche und Antriebslosigkeit
  • Konzentrationsschwäche und Vergesslichkeit
  • depressive Verstimmung
  • Sehstörungen
  • häufige Infekte
  • nicht oder nur langsam heilende Wunden
  • trockene Haut 
  • kribbelnde, manchmal taube Füße und Beine

Dauerhaft hohe Blutzuckerspiegel sind schädlich für die Blutgefäße. Folgeerkrankungen können deshalb viele Organe betreffen. Besonders häufig sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenstörungen, Augenerkrankungen, Nervenschädigungen oder das sogenannte diabetische Fußsyndrom, das sich durch nicht oder nur schlecht heilende Wunden an den Füßen äußert.

Entsprechend wichtig ist es, Vorsorgeuntersuchungen wie den Gesundheits-Check-up für Erwachsene regelmäßig durchführen zu lassen. Dabei bestimmt der Hausarzt oder die Hausärztin unter anderem den Blutzuckerwert. Abweichungen können auf diese Weise früh erkannt und behandelt werden.

Wie lässt sich der Blutzucker senken?

Menschen, die dauerhaft hohe Blutzuckerwerte (Prädiabetes) haben oder bei denen bereits Diabetes mellitus Typ 2 diagnostiziert wurde, lernen in Schulungen, wie sie ihren Blutzucker senken und langfristig niedrig halten können. In der Regel hängt die Behandlung des Zuckerstoffwechsels vom individuellen Krankheitsstatus ab. Die wichtigsten Maßnahmen zielen bei Diabetes Typ 2 darauf ab, zu hohe Blutzuckerwerte zu senken. Sie sind gleichzeitig dafür geeignet, der Entstehung der Erkrankung vorzubeugen.

Fachleute sprechen von der sogenannten Basistherapie bei Diabetes Typ 2. Sie umfasst folgende Punkte:

  • Schulung und Informationen zum Krankheitsbild
  • Umstellung der Ernährung
  • Steigerung der körperlichen Aktivität
  • gegebenenfalls Gewichtsabnahme
  • Rauchstopp

Reichen diese Basismaßnahmen nicht aus, um den Blutzucker dauerhaft zu senken, kommen sogenannte orale Antidiabetika zum Einsatz. Sie regen entweder die Produktion von Insulin an, erhöhen dessen Wirksamkeit, steigern die Ausscheidung von Zucker über die Nieren oder verzögern das übermäßige Anfluten von Zucker ins Blut. In manchen Fällen brauchen die Betroffenen auch eine Insulintherapie; dazu verabreichen sie sich das Hormon meist selbst, etwa via Spritze, Pen oder Insulinpumpe, um den Blutzucker zu senken.

Ein mehrgewichtiger junger Mann joggt morgens über eine Brücke in einer Großstadt, währenddessen hört er Musik.

© iStock / vgajic

Bewegung hat einen positiven Effekt auf den Blutzuckerspiegel.

Niedrige Blutzuckerwerte durch Ernährungsumstellung?

Wer unter Übergewicht oder Adipositas leidet, hat gute Aussichten, mit einer Gewichtsreduktion um mindestens 15 Kilogramm seinen Blutzuckerhaushalt positiv zu beeinflussen. Fachleute haben beobachtet, dass Diabetes-Symptome durch den Abbau des Übergewichts vollständig verschwinden können, sofern der Diabetes nicht länger als sechs Jahre besteht. Wichtig ist dabei eine professionelle und individuelle Begleitung durch einen Ernährungsberater oder eine Ernährungsberaterin. Hinsichtlich der Ernährung lassen sich allgemeine Tipps für niedrige Blutzuckerwerte zusammenfassen:

  • Nehmen Sie möglichst wenig Zucker in Form von zum Beispiel Haushaltszucker, Süßigkeiten und Backwaren zu sich.
  • Genießen Sie möglichst unverarbeitete Lebensmittel und keine Fertigprodukte, da in Fertiggerichten meist übermäßig viel Zucker steckt.
  • Bevorzugen Sie zuckerarmes Obst (zum Beispiel Beeren, Grapefruit und Wassermelone) gegenüber zuckerreichem (wie Bananen, Feigen und Weintrauben).
  • Achten Sie darauf, normale Portionsgrößen zu sich zu nehmen und schränken Sie kohlenhydratreichen Lebensmittel wie Kartoffeln, Nudeln oder Reis ein.
  • Empfehlenswert sind hingegen Ballaststoffe in Vollkornprodukten und Gemüse (insbesondere Hülsenfrüchte).

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Kann Bewegung hohe Blutzuckerwerte senken?

Zur Basistherapie eines Diabetes mellitus Typ 2 und auch zur Vorbeugung hoher Blutzuckerwerte gehört unter anderem körperliche Bewegung. Dabei muss es nicht immer gleich schweißtreibender Hochleistungssport sein. Einfaches Gehen kann bereits einen Effekt auf den Blutzuckerspiegel haben. Es empfiehlt sich, so viel Bewegung in den Alltag zu integrieren wie möglich: Nutzen Sie zum Beispiel die Treppe anstelle des Aufzugs, gehen Sie zu Fuß einkaufen, steigen Sie eine Haltestelle früher aus der Straßenbahn aus oder gönnen Sie sich täglich einen ausgiebigen Spaziergang, möglichst nach dem Essen. Wichtig ist, dass die Bewegung gut in Ihren persönlichen Alltag passt, damit sie zur Routine wird. Entscheidend für den Erfolg ist die Regelmäßigkeit.

Wer gern Sport treibt und es etwas intensiver mag, kann selbstverständlich auch anstrengendere Sporteinheiten wählen. Forschende haben herausgefunden, dass ein hochintensives Intervalltraining (HIIT) die Wirkung von Insulin verbessern kann. In einer Studie reichten Übungseinheiten auf einem Ergometer zwischen 17 und 25 Minuten mit vier bis sechs 30-sekündigen Belastungsspitzen und jeweils vier vierminütige Erholungsphasen bereits aus, um einen besseren Effekt des Insulins auf hohe Blutzuckerwerte zu erzielen. Kalorien verbrennen Sie dabei ebenfalls kräftig.

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