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Nachhaltige Ernährung

Mischkultur: Diese Gemüsesorten passen im Beet gut zusammen

Veröffentlicht am:12.03.2024

5 Minuten Lesedauer

Bohnen neben Salat, Paprika neben der Gurke: Mit einer Mischkultur in Ihrem Garten sorgen Sie für fruchtbaren Boden, gesunde Pflanzen und reiche Ernte. Welche Pflanzen vertragen sich gut?

Ein junger Mann erntet kniend Gemüse in seinem Garten, in dem er eine Mischkultur angelegt hat.

© iStock / shapecharge

In der Natur gibt es nur Mischkulturen

Wenn Sie Gemüse und Kräuter selbst anbauen, ob im eigenen Garten oder im Hochbeet auf dem Balkon, leisten Sie einen wertvollen Beitrag zu einer nachhaltigen Ernährung – und liegen damit voll im Trend. Noch besser ist es, wenn Sie beim Selbstanbau die Fruchtbarkeit des Bodens fördern und durch Artenvielfalt ein breites Ernährungsangebot für nützliche Insekten schaffen und Schädlingen natürlich begegnen. Das gelingt mit der eigenen Mischkultur, in der Pflanzen so miteinander wachsen, wie sie es in der Natur tun würden.

In einem natürlichen Lebensraum im Wald oder auf einer Wiese wachsen immer verschiedene Pflanzenarten direkt nebeneinander. Solche natürlichen Wuchsgemeinschaften entstehen nicht zufällig. Am besten gedeihen Gewächse in enger Nachbarschaft, deren Eigenschaften sich gegenseitig ergänzen: buschige neben schmalen Pflanzen oder Arten mit flachen Wurzeln neben tiefwurzelnden. Jede dieser Pflanzen benötigt eine eigene Kombination aus verschiedenen Nährstoffen und bezieht diese aus unterschiedlich tiefen Bodenschichten. Pflanzen in einer natürlichen Mischkultur nutzen die Nährstoffe im Boden gleichmäßig und der Boden laugt nicht aus.

In einer Mischkultur entstehen sogar positive Wechselwirkungen zwischen den Pflanzen und zwischen Pflanzen und dem Boden. Der vorhandene Platz wird besser ausgenutzt, der Boden bleibt dauerhaft fruchtbar und die Pflanzen gesund. Von den Pflanzen abgegebene Düfte wehren Schädlinge und Krankheiten ab. Hülsenfrüchtler wie Bohnen und Erbsen sind in der Lage, mit Hilfe bestimmter Bakterien den Boden mit Stickstoff anzureichern. Diesen Stickstoff können benachbarte Pflanzen für ihr eigenes Wachstum nutzen. So können wir über Mischkulturen Düngemittel sparen.

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Die Mischkultur: eine uralte Anbaumethode

Schon vor Jahrtausenden haben Menschen bemerkt: Die Ernten fallen geringer aus, wenn sie auf einer Fläche nur eine einzige Pflanzenart anbauen. Diese eine Pflanzenart entzieht dem Boden immer die gleichen Nährstoffe und es kommt zu einem Nährstoffmangel. Außerdem geben Pflanzen über ihre Wurzeln Substanzen ab. In Monokulturen reichern sich verstärkt nur bestimmte Stoffe im Boden an. Dadurch verschlechtern sich die Wachstumsbedingungen zusätzlich. Um dies zu verhindern, reicht es jedoch nicht aus, wenn Sie einfach verschiedene Pflanzen anbauen. Manche Pflanzenarten behindern sich gegenseitig und sterben sogar ab, wenn sie zusammen wachsen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie die richtigen Pflanzen auswählen, die sich gegenseitig unterstützen. 

Wie es funktioniert, zeigt ein traditioneller Bauerngarten mit seiner bunten Vielfalt an Gemüsen, Kräutern und Blumen. Hier herrscht nur scheinbar ein Durcheinander. Tatsächlich liegt dem Anbau ein durchdachtes System zu Grunde, dass auf eine lange Wissenstradition zurückgeht. Bei einem solchen System wechseln sich die Pflanzen im Gemüsebeet einerseits zeitlich ab und werden andererseits bewusst nebeneinander angepflanzt. Blumen erhöhen den Artenreichtum zusätzlich. 

Mit einer Mischkultur schützen Sie außerdem die Bodenoberfläche besser als beim sortenreinen Anbau – etwa, indem Sie die Fläche zwischen den Reihen mit langsam wachsenden Pflanzen wie Kohlrabi, Sellerie oder Fenchel mit schnellwachsendem Spinat oder Radieschen bepflanzen. Wenn die langsam wachsenden Pflanzen groß sind und der Boden unter ihnen im Schatten liegt, haben Sie den Spinat und die Radieschen längst geerntet. Diese bessere Bodenausnutzung lässt Unkraut weniger Raum und schützt den Boden vor Witterungseinflüssen.

Weniger Schädlinge und mehr Nützlinge in Mischkulturen

Zu viel gleiche Pflanzen im Beet fördern die Ausbreitung von Schädlingen, denn Schädlinge können direkt von einer Pflanze zur nächsten wechseln. Viele Schädlinge sind auf eine bestimmte Pflanzenart spezialisiert. Eine Mischkultur erschwert ihnen daher die Ausbreitung, da nicht alle Nachbarpflanzen derselben Art angehören. Sie kann aber noch mehr. 

Positive Wechselwirkungen einer Mischkultur

  • Eine Mischkultur aus Bohnenkraut und Bohnen hält für die Bohnen schädliche Läuse fern.
  • Eine Mischkultur aus Erdbeeren und Knoblauch schützt vor Erdbeermilben und Pilzbefall.
  • Eine Mischkultur aus Möhren mit Zwiebeln oder Lauch bietet wechselseitigen Schutz gegen die Karotten- und die Zwiebelfliege.
  • Eine Mischkultur aus Kohl, Sellerie und Tomaten wirkt gegen Erdflöhe, Raupen und Krankheiten der Sellerie.
  • Eine Mischkultur aus Gurken, Dill und Salat schützt vor Erdflöhen und Blattläusen.
  • Wenn Kapuzinerkresse unter Kirschbäumen wächst, sammeln sich die schwarzen Läuse auf der Kresse und der Baum wird entlastet.
Ein kleines Mädchen steht lachend in einem Garten in einer Mischkultur und hält eine frischgerntete Möhre in den Händen.

© iStock / Natalia Shmatova

Wurzelgemüse wie Möhren gedeihen gut in der Nachbarschaft von Pflanzen mit flachen Wurzeln.

Bienen, Hummeln und Co. sowie ein besserer Geschmack

Intensiv blühende Kräuter und Blumen locken Marienkäfer, Schweb- und Florfliegen an, die Eier im Mischkulturbeet ablegen. Die Larven dieser Insekten fressen Blattläuse. Deswegen gehören nicht nur Kräuter, sondern auch Blumen in einen traditionellen Bauerngarten.

Apropos anlocken: Die Blütenpracht der Blumen und Kräuter erregt außerdem die Aufmerksamkeit von Bienen und Hummeln, die das blühende Gemüse allein nicht ausreichend in den Garten gelockt hätte. Sind die nützlichen Insekten erst einmal da, bestäuben sie auch Zucchini, Kürbis, Paprika und anders Gemüse.

Und schließlich profitiert auch das Aroma von gezielter Mischkultur. Kümmel oder Koriander neben Kartoffeln, Kresse neben Radieschen geben beiden Gemüsesorten neue Geschmacksfacetten.

Milpa-Beet – klassische Mischkultur der indigenen Völker Amerikas

„Drei Schwestern“ helfen sich gegenseitig

Mais, Bohnen und Kürbis: diese drei Pflanzenarten heißen bei einigen indigenen Völkern Mittelamerikas „die drei Schwestern“. Die Azteken haben den gemeinsamen Anbau der Geschwister „Milpa“ genannt. Das Milpasystem zeigt, wie verschiedene Pflanzenarten in einer Mischultur voneinander profitieren können.

Der hochstrebende Mais ist für die Bohnen eine ausgezeichnete Rankhilfe. Die Bohnen reichern den Boden mit Stickstoff an. Und der Kürbis beschattet mit seinen großen Blättern und breitflächigem Wuchs den Boden, schützt ihn vor dem Austrocknen, verhindert den Abtrag fruchtbarer Erde durch Wind und Regen und unterdrückt konkurrierende Unkräuter.

Außerdem ist die Kombination auch für eine gesunde Ernährung günstig: Mais liefert Kohlenhydrate, Bohnen Eiweiß und der Kürbis rundet das Ganze mit Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen ab.

Wenn Sie selbst ein Milpa-Beet anlegen wollen, sollten Sie darauf achten, keine zu starkwüchsige Bohnensorte und gleichzeitig keine zu schwachwüchsige Maissorte zu säen, damit die Bohne den Mais beim Wachsen nicht niederdrückt. Erfahrenes Personal in einem Gartencenter kann Ihnen weiterhelfen.

Mischkultur-Pflanzplan: Was gut zusammen gedeiht – und was nicht

Traditionelles Wissen, sei es das der Azteken oder Know-how aus dem Bauerngarten, können Sie sich für Ihre eigene Mischkultur zunutze machen, um dauerhaft gesundes Gemüse, Obst und Kräuter zu ernten. Eine Mischkultur will gut geplant sein. Es kommt auf die richtige Mischung an: aus Pflanzen mit unterschiedlichem Nährstoffbedarf, mit tiefen und flachen Wurzeln oder solchen, die schnell und langsam wachsen. Tomaten und Bohnen etwa fördern das Wachstum der Sellerie und Möhren sind gut für benachbarten Lauch, Salat, Erbsen und Bohnen. Auch Sellerie und Kohl vertragen sich ausgezeichnet. Spinat kommt bei sehr vielen Gemüsesorten als Nachbar gut an.

Für einen Überblick finden Sie hier eine Mischkultur-Tabelle mit Pflanzen, die sich gegenseitig begünstigen oder behindern.

Der Mischkultur-Plan beruht auf dem Wissensschatz von Gärtnern und Gärtnerinnen. Dennoch kann das Zusammenspiel der Pflanzen je nach Standort unterschiedlich sein. Jeder Ort hat seine eigenen Licht- und Bodenverhältnisse. Finden Sie selbst heraus, was bei Ihnen am besten gedeiht und was nicht.

Beachten sollten Sie, dass auch in einer Mischkultur die Pflanzen nicht zu dicht nebeneinander wachsen dürfen, weil sie sich sonst Licht und Raum nehmen. Prüfen Sie daher vorab, wie groß die jeweilige Pflanze wird. Genauso wichtig ist es, von Jahr zu Jahr auf eine Abwechslung bei der Fruchtfolge zu achten: Pflanzen aus der gleichen Familie sollten Sie nicht wieder im selben Beet anbauen. Sonst vermehren sich Schädlinge, die auf diese Pflanzenfamilie spezialisiert sind. Außerdem würde so der Boden einseitig beansprucht und ausgelaugt.

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