AOK PLUS im Dialog 2026 Human-AI-Balance als Führungsaufgabe!?
Auch im Jahr 2026 richtete die AOK PLUS ihre Veranstaltungsreihe AOK PLUS im Dialog regional auf aktuelle Herausforderungen und Zukunftsthemen der Arbeitswelt aus. Im Mittelpunkt stand das Thema „Human-AI-Balance als Führungsaufgabe!? Wie gesunde Arbeit im digitalen Wandel gelingt.“
Bei vier Veranstaltungen in Sachsen und Thüringen tauschten sich Expertinnen und Experten sowie Unternehmensvertretende zu Chancen, Herausforderungen und erfolgreichen Praxisbeispielen aus. Die Veranstaltungen boten wertvolle Impulse für eine gesunde und zukunftsfähige Arbeitswelt sowie Raum für Vernetzung und gemeinsamen Erfahrungsaustausch.
Hier finden Sie die Rückblicke zu den einzelnen Veranstaltungen:
Human-AI-Balance als Führungsaufgabe!? in Elstra
Wie gesunde Arbeit im digitalen Wandel gelingt.
2. September 2026 | 18:00 Uhr | Mammutgarten, An der Parkmauer 5, 01920 Elstra OT Prietitz
Human-AI-Balance: Führung wird zum Schlüssel im digitalen Wandel
Wie verändert Künstliche Intelligenz den Arbeitsalltag und was braucht es, damit sie tatsächlich entlastet? Diese Frage stand bei „AOK PLUS im Dialog 2026“ im Mammutgarten Elstra im Mittelpunkt. Unter dem Titel „Human-AI-Balance als Führungsaufgabe!? – Wie gesunde Arbeit im digitalen Wandel gelingt“ diskutierten die Gäste, wie Unternehmen KI sinnvoll einsetzen können, ohne den Menschen aus dem Blick zu verlieren. Andrea Spitzer, Geschäftsführerin der Region Ostsachsen der AOK PLUS, begrüßte die Gäste und eröffnete den Austausch über Chancen und Herausforderungen der KI-Transformation.
Führung muss Menschen dort abholen, wo sie stehen
Im anschließenden Auftaktinterview mit Moderatorin Franziska Schenk ordnete Dr. Stefan Knupfer, Vorstandsvorsitzender der AOK PLUS, die Veränderungen durch KI aus Sicht der AOK PLUS ein. Automatisierung und digitale Lösungen seien längst Teil des Arbeitsalltags. Gleichzeitig würden die Veränderungszyklen immer kürzer.
Während manche Mitarbeitende neuen Möglichkeiten hoch motiviert begegnen, reagieren andere eher zurückhaltend oder ängstlich. Für Führungskräfte bedeutet das vor allem, den Sinn von Veränderungen zu erklären und Mitarbeitenden Selbstwirksamkeit zu ermöglichen: „Eine gute Führungskraft nimmt jeden mit. Und zwar von dem Platz, an dem er steht.“ Gleichzeitig plädierte Knupfer dafür, neue Möglichkeiten auszuprobieren und daraus zu lernen.
Was KI mit Führung und Verantwortung macht
Daniel Dietze, Geschäftsführer der digitalwert GmbH, berichtete in seiner Keynote von den Veränderungen, die KI in seinem Unternehmen bereits ausgelöst hat. Durch den Einsatz von KI gewinnen Mitarbeitende neue Fähigkeiten und übernehmen zunehmend Aufgaben, die zuvor vollständig bei anderen Personen lagen. Ihr Profil wird vielfältiger und auch ihre Rolle im Unternehmen verändert sich.
Dietze schilderte zudem, wie sich dadurch seine eigene Sicht auf Führung gewandelt hat. Statt vor allem zu kontrollieren, müsse Führung heute stärker den passenden Rahmen schaffen. Dafür brauche es Raum zum Ausprobieren und den Austausch mit anderen. Denn wer überwiegend mit KI statt mit anderen Menschen zusammenarbeite, könne sich zunehmend isoliert fühlen.
Sein Appell: Führungskräfte müssen sich selbst intensiv mit der Technologie auseinandersetzen. „Haben Sie Mut, Dinge anzugehen“, lautete eine seiner zentralen Botschaften.
KI soll Last übernehmen – nicht Verantwortung
In der Podiumsdiskussion kamen unterschiedliche Praxiserfahrungen zusammen. Mandy Auerswald von Vodafone machte deutlich, dass eine erfolgreiche KI-Einführung nur gelingen könne, wenn Mitarbeitende aktiv einbezogen werden. Entscheidend sei, die Veränderung mit einer Geschwindigkeit zu gestalten, die zur Organisation passe. Mitarbeitende sollten nicht nur Anwender sein, sondern Teil der Transformation. Wenn Einzelne begeistert vorangingen, könnten sie andere mitziehen und Change Management so im Unternehmen verankern.
Stefan Baßler, Stabsbereichsleiter Unternehmenscontrolling der AOK PLUS, richtete den Blick auf die Veränderungen für Führungskräfte. Für ihn verändert KI vor allem den Umgang mit Wissen und der wachsenden Informationsmenge. Führungskräfte müssten nicht mehr alles selbst wissen, sondern könnten sich Zusammenhänge erklären und Informationen gezielter aufbereiten lassen. Das schaffe Freiräume, um sich stärker auf Mitarbeitende und den persönlichen Austausch zu konzentrieren. Gleichzeitig bedeute KI nicht automatisch Entlastung, sondern könne auch zusätzlichen Aufwand erzeugen.
Prof. Dr. Uwe Platzbecker vom Universitätsklinikum Dresden machte für die Medizin deutlich: „KI soll Last, aber nicht die Verantwortung übernehmen.“ Bevor KI eingesetzt werde, müssten Prozesse zunächst genau betrachtet werden. Besonders bei der Arzt- und Pflegedokumentation sieht er großes Potenzial. Wenn KI dort Routinetätigkeiten übernimmt, bleibt mehr Zeit für den direkten Kontakt mit Patientinnen und Patienten und damit auch für mehr Menschlichkeit und Empathie.
Ergänzt wurde die Diskussion um die Perspektive von Lars Seiffert von den Dresdner Verkehrsbetrieben. Er berichtete aus den Erfahrungen eines laufenden Technologiewechsels. Wichtig sei, Einsatzfelder zunächst klar zu definieren und Ängste ernst zu nehmen. Auch bei KI müsse der Mensch als „Human in the Loop“ Teil des Prozesses bleiben.
Beim anschließenden Get-together wurde der Dialog mit einer zentralen Erkenntnis des Abends weitergeführt: KI kann Arbeit verändern und entlasten. Ob daraus tatsächlich ein Mehrwert entsteht, hängt entscheidend davon ab, wie Unternehmen diesen Wandel gestalten. Daniel Dietze brachte es auf den Punkt: „Eine KI-Einführung sollte als Veränderungsprojekt gestaltet werden, nicht als reines Technologieprojekt.“
Human-AI-Balance als Führungsaufgabe!? in Zwönitz
Wie gesunde Arbeit im digitalen Wandel gelingt.
29. September 2026 | 18:00 Uhr | Buntspeicher, Speicherstraße 1, 08297 Zwönitz
KI im Praxistest: Was Unternehmen wirklich weiterbringt
Künstliche Intelligenz verändert Arbeitsprozesse mit hoher Geschwindigkeit. Doch nicht jede neue Anwendung führt automatisch zu Entlastung. Bei „AOK PLUS im Dialog“ am 29. September im Buntspeicher Zwönitz ging es deshalb darum, unter welchen Bedingungen KI im Arbeitsalltag tatsächlich Nutzen schafft.
Simone Pfretzschner, Geschäftsführerin der Region Chemnitz der AOK PLUS, begrüßte die Gäste und eröffnete den Austausch über den Einsatz von KI in Unternehmen. Im Mittelpunkt standen konkrete Erfahrungen aus der Praxis und die Frage, unter welchen Bedingungen technologische Veränderungen tatsächlich einen Mehrwert schaffen.
Im Auftaktgespräch mit Moderatorin Franziska Schenk weitete Dr. Stefan Knupfer, Vorstandsvorsitzender der AOK PLUS, den Blick. Innovationszyklen werden kürzer, Demografie und Fachkräftemangel erhöhen den Veränderungsdruck. Unternehmen müssten technologisch Schritt halten und ihre Beschäftigten mitnehmen. Knupfer machte deutlich: „Veränderungen dürfen nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden, damit daraus kein Gesundheitsfaktor wird. Das ist in der heutigen digitalen Welt ohnehin schon ein großes Thema.“
„Mehr Möglichkeiten heißen auch mehr Verantwortung, insbesondere Eigenverantwortung“, so Knupfer. Umso wichtiger sei es, Mitarbeitende aktiv in den Wandel einzubeziehen.
Verstehen gehört zur Arbeitszeit
Daniel Dietze, Geschäftsführer der digitalwert GmbH, knüpfte in seiner Keynote an den steigenden Veränderungstakt an. KI und KI-Agenten erweitern die Möglichkeiten von Beschäftigten und verändern Aufgaben. Lernen dürfe dabei nicht zur Zusatzaufgabe werden. Dietze brachte es auf eine einfache Formel: „KI ist ein Werkzeug für die Arbeitszeit und gehört in die Arbeitszeit.“ Mitarbeitende müssten neue Anwendungen ausprobieren und Fragen stellen können. Nur wer Möglichkeiten und Grenzen versteht, könne souverän damit umgehen.
Wie unterschiedlich das bereits gelebt wird, zeigte die erste Dialogrunde. Bei Robert Eckhold werden Mitarbeitende früh in die Entwicklung neuer Anwendungen einbezogen. Wer an einer Lösung mitarbeitet, erlebt die Veränderung anders als jemand, dem ein fertiges Werkzeug vorgesetzt wird.
Damit verändert sich auch die Rolle von Führung. Katrin Haubold fasste es pointiert zusammen: „Management ist out, Leadership ist in.“ Führung bedeute, Menschen zu inspirieren und ehrlich mit Unsicherheit umzugehen. Gerade bei veränderten Rollen und Aufgaben brauche es Orientierung.
Dass neue Technologie zunächst auch zusätzlichen Aufwand bedeutet, machte Bernd Appelhans deutlich. Anwendungen müssen erlernt und in bestehende Abläufe integriert werden. Unternehmen sollten deshalb Zeit für Erprobung und Qualifizierung vorsehen. Auch Heike Pflüger unterstrich, dass eine funktionierende Technologie allein nicht ausreicht. Entscheidend seien passende Prozesse und die nötigen Voraussetzungen in der Organisation.
Manchmal ist Excel die bessere Lösung
Die zweite Dialogrunde rückte die Frage in den Mittelpunkt, woran sinnvoll eingesetzte KI überhaupt zu erkennen ist. Eine Live-Abfrage unter den Gästen zeigte vor allem Bedarf an Klarheit über geeignete Einsatzmöglichkeiten sowie an Zeit zum Ausprobieren.
Die Beispiele auf dem Podium machten zugleich deutlich, dass nicht jedes KI-Experiment dauerhaft bestehen muss. Bernd Appelhans beschrieb einen Prozess, bei dem eine KI-Lösung rund 30 Sekunden benötigte, während die vorhandene Excel-Anwendung nach drei Sekunden zum Ergebnis kam. Die Konsequenz: Excel blieb.
Auch an anderer Stelle gehörte das Verwerfen von Lösungen ausdrücklich zum Lernprozess. Daniel Dietzes Unternehmen reduzierte nach Jahren mit zahlreichen Tools bewusst Anwendungen und konzentrierte sich stärker auf eine KI-Technologie. Robert Eckhold verwies ebenfalls auf Lösungen, die den Praxistest nicht bestanden.
Damit zeichnete sich ein gemeinsamer Nenner ab: Ausgangspunkt sollte ein konkretes Problem sein, nicht der Wunsch, möglichst viel KI einzusetzen. Für Heike Pflüger gilt deshalb, zunächst den Bedarf zu verstehen und erst danach das passende Werkzeug auszuwählen. Das müsse nicht zwangsläufig KI sein.
Katrin Haubold lenkte den Blick auf das Wissen in den Unternehmen. KI könne helfen, Know-how besser verfügbar zu machen. Zugleich müssten Beschäftigte sicher sein, dass sie durch die Weitergabe ihres Wissens nicht an Bedeutung verlieren oder ersetzbar werden.
Der Abend im Buntspeicher zeigte: Erfolgreicher KI-Einsatz bemisst sich nicht an der Zahl neuer Anwendungen, sondern daran, ob ein konkretes Problem besser gelöst wird. Dazu gehört auch, Lösungen zu verwerfen, die im Arbeitsalltag keinen Mehrwert bringen.
Human-AI-Balance als Führungsaufgabe!? in Jena
Wie gesunde Arbeit im digitalen Wandel gelingt.
28. Oktober 2026 | 18:00 Uhr | ad hoc arena im Ernst-Abbe-Sportfeld, Roland-Ducke-Weg 1, 07745 Jena
KI braucht Menschen, die den Wandel gestalten
„Der Erfolg und Misserfolg solcher Technologien wird durch Menschen gemacht.“ Mit dieser Aussage brachte Dr. Stefan Knupfer, Vorstandsvorsitzender der AOK PLUS, eine zentrale Botschaft von „AOK PLUS im Dialog“ am 28. Oktober 2026 in der ad hoc arena in Jena auf den Punkt. Unter dem Titel „Human-AI-Balance als Führungsaufgabe!? – Wie gesunde Arbeit im digitalen Wandel gelingt.“ diskutierten Vertreter aus unterschiedlichen Branchen darüber, wie Künstliche Intelligenz den Arbeitsalltag verändert und welche Verantwortung Führungskräfte dabei tragen. Sabine Lemke, Geschäftsführerin der Region Thüringen der AOK PLUS, und ihre Stellvertreterin Julia Thomä begrüßten gemeinsam die Gäste und eröffneten den Austausch.
Gesunder Wandel braucht individuelle Begleitung
Im Auftaktinterview mit Moderatorin Franziska Schenk machte Dr. Stefan Knupfer deutlich, dass an KI künftig kaum ein Unternehmen vorbeikommen werde. Entscheidend sei jedoch, Menschen bei der Veränderung nicht allein zu lassen. Führung müsse Mitarbeitende individuell abholen und verhindern, dass technischer Fortschritt zu zusätzlicher Arbeitsverdichtung oder psychischer Belastung führt.
Zugleich verwies Knupfer auf die Chancen von KI für eine stärker personalisierte Gesundheitsversorgung und Prävention. Die AOK PLUS unterstütze Unternehmen dabei, Gesundheit stärker im Arbeitsalltag zu verankern und so mehr gesunde Jahre zu ermöglichen.
Mehr Effizienz bedeutet nicht automatisch Entlastung
Wie unterschiedlich weit Unternehmen sind, zeigte eine Mentimeter-Abstimmung: 9 Prozent suchen noch Orientierung, 29 Prozent probieren erste Anwendungen aus. 34 Prozent setzen KI gezielt ein, bei weiteren 28 Prozent verändert sie bereits Prozesse und Zusammenarbeit.
Welche Veränderungen damit einhergehen, wurde in der anschließenden Podiumsdiskussion deutlich. Aus Sicht von Jörg Flügge (Batix Software) eröffnet KI nicht nur Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung, sondern verändert ganze Geschäftsmodelle. Doch was technisch möglich ist, muss nicht zwangsläufig auch den Beschäftigten zugutekommen.
Gerade in sozialen Einrichtungen zeigt sich, wie unterschiedlich Entlastung wahrgenommen wird. Marvin David von QuerWege berichtete, dass selbst Routinetätigkeiten für manche Mitarbeitende einen wichtigen Bestandteil ihrer Arbeit darstellen. Ob ihr Wegfall als Erleichterung empfunden wird, hängt deshalb stark vom Einzelnen ab.
Was aber geschieht mit der Zeit, die durch KI frei wird? Mario Melle von Melle Solutions lenkte die Diskussion auf die notwendige Selbstdisziplin im Umgang mit neuen Freiräumen. Mehr Geschwindigkeit bedeutet schließlich nicht automatisch mehr Lebensqualität.
Wie KI auch das Miteinander verändert, verdeutlichte Marius Milde, Geschäftsführer Innovation und Entwicklung der AOK PLUS. Wenn KI einfache Kundenanliegen übernimmt, bearbeiten Mitarbeitende zunehmend komplexere Fälle. „KI bringt auch Hierarchien durcheinander. Über Jahre gewachsene Strukturen werden aufgebrochen und Teamgefüge verändern sich“, so Milde. Führungskräfte müssten diesen Wandel bewusst gestalten und für ein gutes Miteinander sorgen.
Eigenverantwortung ermöglichen, Menschen mitnehmen
Wie KI neue Handlungsspielräume eröffnet, zeigte Daniel Dietze, Mitbegründer des Dresdner KI-Netzwerkes, am Beispiel seines Unternehmens digitalwert. Dort werden Mitarbeitende mit KI-Agenten und den nötigen Kompetenzen ausgestattet, um ganze Projekte eigenständig umzusetzen und ihre Selbstwirksamkeit zu erleben. Ein eigens entwickeltes KI-Tool, das die Podiumsdiskussion live analysierte, machte die technischen Möglichkeiten auch an diesem Abend erlebbar.
Im zweiten Dialogblock rückte die praktische Umsetzung in den Mittelpunkt. abei ging es auch um unterschiedliche Einstellungen gegenüber KI. Mario Melle formulierte eine der entscheidenden Herausforderungen: „Was mache ich mit den Menschen, die das nicht wollen?“ Statt ausschließlich über künftige Möglichkeiten zu sprechen, müsse Führung auch diejenigen berücksichtigen, die Veränderungen skeptisch gegenüberstehen.
Wie wichtig dabei Geduld ist, unterstrich Jörg Flügge. Sein Rat lautete, „Eigenverantwortung ermöglichen und einfordern“, ohne Mitarbeitende zu überfordern. Marvin David wiederum hob die Bedeutung gemeinsam entwickelter Ziele hervor. Nur wenn Beschäftigte einen Sinn in den Veränderungen erkennen, können Selbstwirksamkeit und Verbundenheit entstehen.
Auch Marius Milde sah Führungskräfte in der Pflicht. Mit der Frage „Wie gelingt es uns, die Lust auf KI zu wecken?“ lenkte er den Blick auf die eigene Vorbildfunktion. Wer selbst mit KI arbeitet, könne Orientierung geben und zum Ausprobieren ermutigen.
Der Abend in Jena zeigte, dass Human-AI-Balance nicht allein durch den Einsatz neuer Technologien entsteht. Entscheidend ist, wie Unternehmen Veränderungen gestalten und ob es ihnen gelingt, Mitarbeitende dabei mitzunehmen.
Human-AI-Balance als Führungsaufgabe!? in Leipzig
Wie gesunde Arbeit im digitalen Wandel gelingt.
29. Oktober 2026 | 18:00 Uhr | Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli, Neues Augusteum, 04109 Leipzig
Zwischen Faszination und Respekt: KI verändert mehr als Arbeitsprozesse
Mit einer Fuge von Johann Sebastian Bach, gespielt von Universitätsmusikdirektor Prof. David Timm, erhielt „AOK PLUS im Dialog“ am 29. Oktober 2026 im Paulinum Leipzig einen besonderen musikalischen Auftakt. Im anschließenden Kurzinterview zeigte sich Timm skeptisch, ob KI an die schöpferische Leistung großer Komponisten heranreichen könne. Menschliche Inspiration lasse sich nicht ohne Weiteres durch Technologie ersetzen. Damit bildete das Orgelspiel zugleich den musikalischen und inhaltlichen Rahmen für eine Diskussion über die Zukunft der Arbeit.
Unter dem Titel „Human-AI-Balance als Führungsaufgabe!? – Wie gesunde Arbeit im digitalen Wandel gelingt.“ ging es um die Chancen und Herausforderungen Künstlicher Intelligenz und die Frage, wie Unternehmen ihre Mitarbeitenden durch den Wandel begleiten können.
Thorsten Jannaschk, Geschäftsführer der Region Leipzig der AOK PLUS, begrüßte die Gäste und stellte das Verhältnis von technologischem Fortschritt und menschlicher Präsenz in den Mittelpunkt. Sein Leitgedanke: Je digitaler die Arbeitswelt wird, desto wichtiger bleibt das Menschliche.
Effizienzgewinne dürfen nicht zu mehr Belastung führen
Dr. Stefan Knupfer, Vorstandsvorsitzender der AOK PLUS, beleuchtete im Auftaktinterview mit Moderatorin Franziska Schenk die gesundheitlichen Auswirkungen der KI-Transformation. KI könne Prozesse effizienter gestalten und Beschäftigte entlasten. Entscheidend sei jedoch, die gewonnene Zeit nicht durch zusätzliche Arbeitsverdichtung wieder aufzufüllen.
Da Menschen unterschiedlich auf Veränderungen reagieren, müssten Führungskräfte individuelle Bedürfnisse berücksichtigen. Auch für die Gesundheitsversorgung sieht Knupfer neue Möglichkeiten: KI könne helfen, Präventionsangebote gezielter auszurichten und Menschen besser im Alltag zu erreichen.
Neue Technologien verändern auch die Führung
Welche Veränderungen KI bereits heute ermöglicht, verdeutlichte Daniel Dietze, Mitbegründer des Dresdner KI-Netzwerks, in seiner Keynote. Anhand eigener Unternehmenserfahrungen zeigte er, wie KI und KI-Agenten Aufgaben übernehmen und Beschäftigten neue Handlungsspielräume eröffnen. Damit verändere sich auch die Rolle von Führungskräften: Statt jeden Arbeitsschritt zu kontrollieren, gelte es, Orientierung zu geben und Eigenverantwortung zu ermöglichen.
In der ersten Podiumsdiskussion berichtete Matthias Sharichin, VNG AG, wie sein Unternehmen frühzeitig Raum zum Experimentieren schuf und klare Leitplanken für den KI-Einsatz entwickelte. Dabei betonte er die Bedeutung der Unternehmenskultur: „Alleine die Tools in die Organisation zu geben, stiftet manchmal mehr Verwirrung.“ Entscheidend sei deshalb, die technologische Entwicklung auch kulturell zu begleiten.
Marius Milde, Geschäftsführer Innovation und Entwicklung der AOK PLUS, unterstrich, dass Unternehmen zunächst klären müssten, welches Ziel sie mit KI verfolgen. „Wenn ich nicht weiß, wo ich hin will, laufe ich mit viel Schwung in die falsche Richtung.“ Wie sich KI zielgerichtet einsetzen lässt, zeigte er am Beispiel eines KI-gestützten Wissensassistenten in der Kundenberatung der AOK PLUS. Dieser erleichtere den Zugang zu Informationen und schaffe dadurch mehr Zeit für persönliche Gespräche und individuelle Gesundheitsberatung.
Wenn KI bisherige Kompetenzen infrage stellt
Aus arbeitspsychologischer Sicht verwies Dr. Michael Knoll, Universität Leipzig, auf mögliche Belastungen. Wenn KI Aufgaben übernimmt, die bisher Fachwissen und langjährige Erfahrung erforderten, könne dies das berufliche Selbstverständnis verunsichern. „Jetzt glaubt man eher KI, obwohl man gar nicht weiß, wie KI überhaupt zu dem Ergebnis gekommen ist“, beschrieb Knoll die Entwicklung.
Auch gewachsene Teamstrukturen geraten durch KI in Bewegung. Milde beschrieb, wie sich das Verhältnis zwischen langjähriger Erfahrung und neuen digitalen Kompetenzen verändert. Führungskräfte müssten diese unterschiedlichen Stärken zusammenführen und dafür sorgen, dass aus veränderten Rollen keine neuen Spannungen entstehen.
Sharichin lenkte den Blick auf die gemeinsame Weiterentwicklung. Führungskräfte sollten Beschäftigten Zeit zum Lernen ermöglichen und gemeinsam mit ihnen neue Kompetenzen aufbauen.
Fehler zulassen, gemeinsam lernen
Im zweiten Dialogblock rückten konkrete Lösungsansätze in den Mittelpunkt. Dr. Knoll betonte die Vorbildfunktion von Führungskräften: Wer eigene Fehler und Unsicherheiten offen anspreche, erleichtere es auch Mitarbeitenden, Probleme zu benennen und aus Erfahrungen zu lernen.
Wie sich Kompetenzaufbau organisatorisch begleiten lässt, erläuterte Sharichin am Beispiel der VNG. Dort arbeiten Personal- und IT-Bereich eng zusammen, um technologische und kulturelle Veränderungen gemeinsam zu gestalten. Wichtig sei es, Mitarbeitenden unabhängig von ihrem bisherigen Kenntnisstand den Einstieg zu ermöglichen und „immer wieder eine Brücke zu bauen“, damit niemand den Anschluss verliere.
Milde ergänzte, dass Lernräume allein nicht genügten. Gemeinsame Lernziele, Tandems und gegenseitiges Feedback könnten verhindern, dass einzelne KI-Experten vorangehen, während andere zurückbleiben.
Auch kleinere Unternehmen könnten den Einstieg schaffen, erklärte Dietze. Sein Rat: mit überschaubaren Anwendungen beginnen und schrittweise Erfahrungen sammeln.
Der Abend im Paulinum verdeutlichte: Ob KI tatsächlich entlastet, hängt nicht allein von ihren technischen Möglichkeiten ab. Entscheidend ist, wie Unternehmen Veränderungen gestalten, Beschäftigte befähigen und dabei deren Gesundheit im Blick behalten.
















