Gemüse und Lebenserwartung
Gemüse und Lebenserwartung
Länger leben mit Gemüse? Ab und zu ein Stück Fleisch oder Fisch und ansonsten hauptsächlich vegetarisch sollte unsere Ernährung sein. Dann steigt die Lebenserwartung, so meint die Ernährungswissenschaft.
Das Deutsche Krebsforschungszentrum Heidelberg hat die Daten von 1904 strengen und moderaten Vegetariern, die in den Jahren 1976 bis 1999 erfasst wurden, ausgewertet. Statistisch gesehen hätte es in dieser Zeitspanne 100 Todesfälle geben müssen. Tatsächlich waren jedoch nur 59 Teilnehmer verstorben. Zurückgeführt wird diese Lebensverlängerung auf die allgemein gesündere Lebensweise. Nur jeder 20. Studienteilnehmer rauchte und nur sieben Prozent waren übergewichtig.
Sieg für den maßvollen Genuss
Experten unterscheiden drei verschiedene fleischlose Kostformen. Die Ovo-Lacto-Vegetarier essen zwar kein Fleisch, dulden aber Milch, Käse und Eier auf ihrem Teller. Die Lacto-Vegetarier lassen zusätzlich Eier und Fisch weg und wer sich streng vegan ernährt, verzichtet auf alles, was von Tieren stammt. Manche lehnen sogar Honig ab! Eine vierte Gruppe (die im Sinne der obigen Definition keine richtigen Vegetarier sind und als moderate Vegetarier bezeichnet werden), verzehrt nur gelegentlich Fleisch und Fisch.
Interessant war das Ergebnis der Vegetarier-Studie: Nicht das Extreme ist Quelle möglicher zusätzlicher Lebensjahre. Die Botschaft der Heidelberger Krebsspezialisten lautet vielmehr: Man sollte auf Fleisch und Fisch nicht vollständig verzichten. Wer genussvoll in Maßen zugreift, lebt am längsten. Am schlechtesten schnitten diejenigen ab, die Lebensmitteln tierischer Herkunft vollständig abgeschworen hatten.
Moderat vegetarisch ja - vegan nein!
Wer Fleisch als Nebenrolle besetzt, isst meist umso mehr Gemüse, Obst, Vollkorngetreide und Hülsenfrüchte. Das ist gut so, denn in diesen Lebensmitteln stecken reichlich Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe – alles kerngesund! Gemüseliebhaber haben auch seltener Übergewicht und leiden kaum an Fettstoffwechselstörungen, weil sie allgemein weniger Fett zu sich nehmen. Dennoch gibt es lebenswichtige Substanzen, die wir nur in ausreichender Menge bekommen, wenn wir zumindest Milch, Milchprodukte, und Seefisch oder Fleisch essen. Zum Beispiel die Spurenelemente Eisen und Jod.
- Eisen fürs Blut: Unser Körper kann das Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln nur zu bis zu fünf Prozent verwerten – aus Fleisch dagegen liegt die Verwertbarkeit bei stolzen 20 bis 30 Prozent!
Wer also gelegentlich Fleisch auf dem Teller hat, ist besser mit diesem lebenswichtigen Spurenelement versorgt. Der größte Teil wird für die Bildung der roten Blutkörperchen benötigt, den Rest braucht unser Organismus für die Muskeln und für verschiedene Stoffwechselfunktionen.
Um altes Blut wieder aufzufrischen, bildet das Knochenmark mit Hilfe von Eisen alle 24 Stunden etwa 170 Milliarden neue rote Blutkörperchen!
Übrigens: Vitamin C fördert die Eisenaufnahme aus pflanzlichen Lebensmitteln ins Blut. Wer also kein Fleisch isst, baut möglichst viele Lebensmittel in den Speiseplan ein, die Vitamin C enthalten, und kombiniert diese mit eisenreichen pflanzlichen Lebensmitteln wie z. B. Getreideprodukten. Zum Beispiel Paprika, Brokkoli, dunkelgrünes Blattgemüse, Erdbeeren, Kiwis und Zitrusfrüchte sind reich an Vitamin C.
Hemmend auf die Eisenaufnahme wirken Kaffee und schwarzer bzw. grüner Tee. - Hochwertiges Eiweiß fürs Wachstum: Auch in Pflanzen steckt Eiweiß, doch es besitzt einen andere biologische Wertigkeit (eine andere Zusammensetzung der Aminosäuren) als das tierische. Gerade Kinder sind auf Eiweiß tierischer Herkunft für ihre gesunde körperliche und geistige Entwicklung angewiesen. Zumindest Milch, Milchprodukte und Eier sollten also regelmäßig auf dem Speiseplan der Kids stehen.
- Calcium für Knochen und Zähne: Calcium, das wir in erster Linie für stabile Knochen und gesunde Zähne brauchen, kommt häufig bei den Veganern zu kurz! Der Mineralstoff steckt zwar auch in Pflanzen, doch die nötige Menge bekommen wir nur über Milch und Milchprodukte. Und selbst das Vitamin D, das unter anderem die Aufnahme von Calcium fördert, steckt in nennenswerten Mengen fast nur in tierischen Lebensmitteln.
- Vitamin B12 für Blut und Nerven: Bei Erwachsenen dauert es viele Jahre, bis sie unter einem B12-Mangel leiden, denn die Leber dient als guter Speicher dieses Vitamins. Aber es kommt fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor - geringe Mengen stecken auch in fermentiertem Gemüse wie im Sauerkraut. Gefährdet sind Kinder, die sich vegan ernähren und Säuglinge, deren Mütter Milch, Eier und Fisch ablehnen.
- Jod als Gaspedal des Stoffwechsels: Deutschland ist zwar kein Jodmangelgebiet mehr, aber die Versorgung mit Jod könnte besser sein. Obwohl viele von uns jodiertes Speisesalz zum Kochen verwenden, reicht die Menge kaum aus. Deshalb empfehlen Experten ein- bis zweimal pro Woche jodreichen Seefisch, aber auch in Milch und Eiern steckt Jod.
Fazit
Moderat vegetarisch ja, vegan nein. Wer auf Fleisch verzichtet, sollte unbedingt Milch, Milchprodukte, Eier und Seefisch essen. Vor allem Kinder, Schwangere und Senioren decken leichter ihren Bedarf an lebenswichtigen Nährstoffen, wenn sie gelegentlich Fleisch auf den Speiseplan setzen.
Letzte Änderung: Oktober 2011

