Sprechen Sie Arzt?
Gestatten,
mein Name ist Dr. Eckart von Hirschhausen. Der ein oder andere kennt mich vielleicht als Kabarettist, TV-Moderator oder Buchautor, den wenigsten dürfte ich dagegen als Arzt vertraut sein. Der bin ich aber im Grunde meines Herzens immer noch. Damit Sie Ihren Doktor besser verstehen, gebe ich Ihnen an dieser Stelle ein paar praktische Hinweise zum Umgang mit der Spezies Arzt.
Viel Vergnügen wünscht Ihnen damit
Ihr
Dr. Eckart von Hirschhausen
Arzt – Deutsch
Lernen Sie zu verstehen, was Ihr Arzt sagt, wenn er eigentlich nichts sagt, und mit neuen Ausdrücken im Wartezimmer, Fitnessstudio und daheim beim Anschauen von Arztserien ungeheuren Eindruck zu schinden!
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„Cor“, „Kor“ oder „Kardio“ sind die Wortteile, die auf alles mit Herz hinweisen. So sind die „Kor-on-arien“ keine besonders zu Herz gehenden Opernmelodien, sondern die Gefäße, die das Herz selbst mit sauerstoffreichem Blut versorgen. Und „Kardio-Logie“ ist die Wissenschaft von allem, was unsere Pumpe betrifft. Und das Herz ist weitaus mehr als eine Pumpe, im wahrsten Sinne eine Wissenschaft für sich.
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Schlimm ist es beim Radiologen immer dann, wenn er spontan deutsche Ausdrücke verwendet, zum Beispiel beim ersten Blick auf ein Bild so was sagt wie „Oh!“. Wenn auch noch die Krankenschwester guckt und „Oh!“ sagt, ist das fast so fatal wie das dritte „Oh!“ aus dem Mund der Reinigungsfachkraft. Dann ist Ihr Befund eindeutig. Das ist aber selten der Fall.
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Zum Beispiel „Demenz“: der Abbau der „mentalen“ Fähigkeiten, zum Beispiel dem Gedächtnis. Von einer „Pseudo-Demenz“ spricht man bei einer vorübergehenden Merkschwäche im Rahmen einer behandelbaren Erkrankung wie einer Depression. Ein „Apoplex“ ist ein Schlaganfall. Den Begriff „vaskulär“ verwenden Mediziner, wenn eine Krankheit durch verschlossene Blutgefäße verursacht wird. Unnütz wie Zahnbelag ist die sogenannte Plaque – Eiweißmüll im Gehirn. Und „Sport“ ist hoffentlich für Sie kein Fremdwort ;-) denn Bewegung, Tanzen und viel Freude im Leben sind der beste Schutz vor körperlichem und geistigem Abbau!
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Was heißt „Hyperlipidämie“? Also: „Lipide“ sind Fette, „-ämie“ bedeutet „im Blut“. Und als Wiederholung aus Lektion 2: „Hyper“ ist „zu viel von etwas“. Also bedeutet „Hyperlipidämie“: zu viel Fett im Blut. Vom „Metabolischen Syndrom“ spricht der Arzt, wenn eine Kombination aus Übergewicht, erhöhten Fett- und Zuckerwerten sowie Bluthochdruck vorliegt. Auch als „tödliches Quartett“ bezeichnet“, weil die Risikofaktoren zusammen schlimmer sind als jeder für sich genommen. Glück kennt der Arzt immer nur mit Ypsilon in so unschönen Wörtern wie „Hyperglycämie“. Da sind nicht etwa zu viele Glückshormone im Körper unterwegs, sondern schlicht zu viel Zucker im Blut.
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„Dystonie“ klingt sehr präzise, bedeutet aber nur: irgendetwas ist aus dem Gleichgewicht. „Essenziell“ heißt: ist da, ohne eine greifbare andere Ursache. „Vegetativ“ deutet auf einen Zusammenhang mit dem vegetativen Nervensystem hin. „Idio-pathisch“ kommt von Krankheit (Pathos) und dem griechischen Wort „idot“ (Eigenbrötler). Sprich: eine idiotische Geschichte, weil nicht klar ist, was sie ausgelöst hat. Und von „funktionellen Beschwerden“ spricht der Arzt, wenn das Herz zum Beispiel drückt und pocht und der Patient meint, gleich einen Herzinfarkt zu bekommen, aber im EKG und anderen Untersuchungen kein Hinweis auf eine organische Störung zu finden ist.
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„Hyper“ heißt nichts anderes, als zu viel des Guten. Hypertonie oder Hyper-tonus: bei den Gefäßen zu viel Blutdruck (arterielle Hypertonie), beim Muskel: zu viel Spannung. Und Hyper-trophie ist keine besonders große Trophäe, sondern bedeutet schlicht: Zu viel des Guten. Zu groß geraten. Überzüchtet. Gerne mal bei der Prostata (gutartige, sprich benigne Prostatahypertrophie). Oder auch bei Pamela Anderson. Sie hat eine iatrogene Mamma-Hypertrophie, zu deutsch: eine vom Arzt verursachte Übergröße der weiblichen Brust.
Das Tolle an der Arztsprache: Sie ist international! Und so kommt die Vorsilbe „Hyper“ wieder aus dem Englischen ins Deutsche zurück als der „Hype“ – wenn etwas zu oft in den Medien beschrieben wird.
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Der Wortteil „-itis“ heißt nichts weiter als: „entzündlich“, wenn man es an ein anderes Wort dranhängt. Weil „Hepar“ das Geheimwort für die Leber ist, bedeutet Hepar + itis Hepat-itis = die Leberentzündung. So einfach!
Wenn Sie mal ein bisschen mit Symptomen angeben wollen, können Sie also auch an das Wort Rhin- für Nase ein „itis“ ranhängen – eine „akute Rhinitis“ klingt sofort viel dramatischer als ein banaler Schnupfen. Vorsicht! Cellulitis – wörtlich: Zell-Entzündung. Ist natürlich keine Krankheit, aber wenn man es zu einer behandelbaren Krankheit erklärt, kann man leichter die Gegenmittel verkaufen. Unter uns: Gegen die erbliche Anlage ist jede Creme wirkungslos, egal, was auf der Packung steht. Wie bei Orangen hilft auch bei Orangenhaut nur schälen. Weil das am Oberschenkel nicht geht, blüht der Unsinn und die Kosmetikindustrie. Aber dass Cellulitis eine Krankheit sein soll, darauf fallen Sie doch jetzt nicht mehr rein, oder?


