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Aszitespunktion
Synonyme
Bauchpunktion
Grundlagen
Als Aszites bezeichnet man die Ansammlung freier Flüssigkeit in der Bauchhöhle, die auf unterschiedliche Erkrankungen zurückzuführen sein kann. Die Punktion und eine anschließende Zelldiagnostik (zytologische Untersuchung) der Flüssigkeit erlaubt unter Umständen eine genauere Diagnose. Der Mediziner unterscheidet zwischen mehreren Aszitesformen, die sich nach der Art der Flüssigkeit unterscheiden, die sich in der Bachhöhle befindet: Zum einen gibt es den entzündlichen Aszites, der bei einer Bauchfellentzündung (der so genannten Peritonitis) oder bei einer Bauchspeicheldrüsen-Entzündung (der so genannten Pankreatitis) auftreten kann. Ein nicht entzündlicher Aszites hingegen ist auf eine Lebererkrankung (z. B. Leberzirrhose oder Pfortaderthrombose), auf fortgeschrittene Tumoren des Verdauungstraktes oder der Eierstöcke, auf Eiweißmangel, sog. Hypoproteinämie bzw. Hypalbunämie oder Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche) zurückzuführen. Zerreißt ein Blutgefäß, entsteht ein so genannter hämorrhagischer (blutiger) Aszites mit Übertritt von Blut in die Bauchhöhle. Beim chylösen Aszites kann die Darmlymphe, der sog. Chylus, nicht mehr über den Hauptlymphgang, den Ductus thoracicus, abfließen. Die meist tumor- oder traumabedingte Lymphabflussstörung, der daraus folgende Lymphstau und der Übertritt von Lymphflüssigkeit aus den Lymphgefäßen in die Bauchhöhle sind daher oft Grund für die Bildung solch eines Aszites. Die Aszitespunktion wird am liegenden Patienten durchgeführt. Die Punktionsstelle wird in der Regel am linken Unterbauch markiert, desinfiziert und mit einem Lokalanästhetikum betäubt. Meist wird die Markierung unter sonographischer Kontrolle durchgeführt. Nach erfolgter Markierung wird die Bauchdecke mit einer Hohlnadel mit recht großem Durchmesser durchstochen. Dann setzt der Arzt mittels eines Adapters eine Spritze auf die Hohlnadel, sodass unter sterilen Bedingungen die Bauchflüssigkeit aus der Bauchhöhle entnommen werden kann. Wird die Punktion aus diagnostischen Zwecken durchgeführt, so wird das Punktat in einem Labor auf Bakterien, Zellen, Zelltypen, Eiweiß und weitere spezifische Parameter hin untersucht. Bei einer so genannten Entlastungspunktion (siehe Indikationen und Fragestellung) wird ein Schlauch an ein Röhrchen angeschlossen, das mit der Hohlnadel verbunden ist und über das der Aszites abfließen kann. Nach Beendigung der Punktion wird die Hohlnadel herausgezogen und die Punktionsstelle steril abgedeckt und verbunden.
Indikationen
Die Aszitespunktion ist in erster Linie zur Bestimmung einer Diagnose da. Sie kann aber auch therapeutische Ziele verfolgen. So hat eine Punktion größerer Aszitesmengen einen entlastenden Effekt mit Linderung der Beschwerden. Der Patient kann nach erfolgreicher Punktion großer Aszitesmengen wieder gut durchatmen, da die Flüssigkeit im Bauchraum nicht mehr das Zwerchfell nach oben drückt und die Lunge sich wieder besser ausdehnen kann. In solchen Fällen spricht der Arzt von einer Entlastungspunktion.
Beurteilung
Die entnommene Flüssigkeit wird im Labor zur Diagnoseklärung auf Zellzahl, Zellzytologie, Albumingehalt, Glukosegehalt, Laktatkonzentration, Amylase, Blutzellen und Lymphe hin untersucht.
Kontraindikationen
- Leberzirrhose
- Gerinnungsstörung
- Peritonitis
- Hydronephrose
Bei Patienten mit Leberzirrhose und Gerinnungsstörung sollte keine Aszitespunktion durchgeführt werden, ferner bei bestehender Bauchfellentzündung, bei Schwangerschaft, bei hepatischem Präkoma (leberbedingtes Vorstadium eines Komas), bei Hydronephrose (durch Harnstauung verursachte Erweiterung des Nierenbeckens und degenerative Veränderung des Nierengewebes) und nach mehrfachen vorhergegangenen Bauchoperationen.
Risiken
- Verletzung von Nerven, Gefäßen und Gewebe
- Wundinfektion, Peritonitis (Bauchfellentzündung)
- Blutung
- Verletzung von Organen, wie Leber, Milz, Darm etc.
- Hepatorenales Syndrom
In sehr seltenen Fällen können Komplikationen auftreten, wie zum Beispiel Infektionen (sog. bakterielle Peritonitis), Blutungen mit Hämatombildung, Verletzungen von Organen im Bauchraum oder eine Überempfindlichkeitsreaktion auf das Lokalanästhetikum. Auch das Auftreten eines so genannten hepatorenalen Syndroms mit einem funktionellen, prinzipiell reversiblen, progredienten (fortschreitenden, zunehmend schlimmer werdenden) Nierenversagen bei schwerem Leberschaden als Grunderkrankung ist möglich. Ferner kann es, vor allem bei zu rascher Punktion, zu einem Volumenmangelschock kommen. Über diese Komplikationen wird der Patient in einem Aufklärungsgespräch vom Arzt ausführlichst informiert.
Behandlung
Nach erfolgter Punktion muss unbedingt strenge Bettruhe eingehalten werden. Da durch die Punktion der Kreislauf ohnehin stark beansprucht wird, sollte er durch körperliche Aktivität nicht noch mehr belastet werden.
Literatur
Innere Medizin, Herold 2009; Checkliste Innere Medizin, Thieme, 5.Auflage 2006; Die Innere Medizin, Schattauer, 11.Auflage 2007; AWMF-Leitlinien. aktualisiert: ib 09/2009
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