Was ist Gesund­heits­kompetenz?

Damit Sie und Ihre Einrichtung sich auf den Weg zu einer gesundheitskompetenten Einrichtung machen können, sind ein paar Informationen zum Konzept der Gesundheitskompetenz wichtig.

Inhalte im Überblick

Wichtige Informationen zur Gesundheitskompetenz

In Deutschland berichteten in einer Studie 58,8 % der Befragten über Schwierigkeiten, relevante Informationen zur Gesundheit zu finden, diese zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden (Schaeffer et al. 2021). Es hat sich gezeigt, dass Personen mit Schwierigkeiten im Umgang mit Gesundheitsinformationen häufiger einen schlechteren Lebensstil für die Gesundheit, eine schlechtere Lebensqualität und eine geringere Lebenserwartung aufweisen als Personen ohne Schwierigkeiten (Brach et al. 2012). Zudem ist das Risiko einer Fehlbehandlung oder schlechterer Behandlungsergebnisse bei Menschen mit Schwierigkeiten im Umgang mit Gesundheitsinformationen erhöht (Berkman et al. 2011).

Die individuelle Gesundheitskompetenz:

Die individuelle Gesundheitskompetenz beschreibt das Wissen, die Motivation und die Fähigkeit von Personen, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und anzuwenden (Bitzer & Sørensen 2018; Dierks 2017; Ernstmann et al. 2022; Sørensen et al. 2012). Neben der allgemeinen Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeit spielen dabei auch kognitive und soziale Fähigkeiten sowie soziodemografische und -ökonomische Merkmale (z. B. Alter, Bildungsstand, Einkommen) und Kontextbedingungen (z. B. die Verfügbarkeit von Informationen) eine wichtige Rolle für den kompetenten Umgang mit Gesundheitsinformationen (Lippke et al. 2022; Nutbeam 2000; Pelikan/Dietscher 2015; Schaeffer et al. 2016; Zeike et al. 2021).

Die organisationale Gesundheitskompetenz:

Einrichtungen der Gesundheitsversorgung können durch Maßnahmen in der Einrichtung dazu beitragen, die Gesundheitskompetenz der Mitarbeitenden, Bewohner*innen bzw. Patient*innen und deren Angehörigen zu stärken (Dietscher et al. 2015; Ernstmann & Kowalski 2022). Einrichtungen gelten dann als gesundheitskompetent, wenn sie:,

Die Handlungsfelder zur Stärkung der Gesundheitskompetenz

Das Konzept der organisationalen Gesundheitskompetenz umfasst acht Handlungsfelder zur Stärkung der Gesundheitskompetenz in Einrichtungen der Gesundheitsversorgung.

Gesundheitskompetente Einrichtung

Handlungsfeld 1
Leitbild und Einrichtungskultur
Handlungsfeld 2
Gemeinsame Entwicklung und Testung von (Gesundheits-) Materialien
Handlungsfeld 3
Schulung der Mitarbeitenden zur Gesundheitskompetenz
Handlungsfeld 4
Orientierung
Handlungsfeld 5
Gesundheitskompetente Kommunikation
Handlungsfeld 6
Gesundheitskompetenz der Klient*innen
Handlungsfeld 7
Gesundheitskompetenz der Mitarbeitenden
Handlungsfeld 8
Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung

Das Konzept der Gesundheitskompetenz

Warum lohnt es sich, die 7 Schritte zu einer gesundheitskompetenten Einrichtung zu gehen?

Gesundheitskompetente Einrichtungen schaffen einen ganzheitlichen und auf die zentralen Nutzer*innengruppen (z. B. für Patient*innen und Klient*innen, Angehörige) abgestimmten Versorgungsansatz (Schaefer et al. 2019). Gesundheitskompetente Einrichtungen bilden ihre Mitarbeitenden dahingehend aus und fort, dass diese bei Gesundheitsentscheidungen die individuellen Bedarfe der Klient*innen berücksichtigen können (Schaefer et al. 2019). Die Patient*innen-Zentrierung geht häufig mit einer erhöhten Versorgungsqualität und Zufriedenheit der Klient*innen mit der Einrichtung einher (Palumbo 2021; Stahl/Nadj-Kittler 2013).

Gesundheitskompetente Einrichtungen ermöglichen einen auf die Nutzer*innen abgestimmten und erleichterten Zugang zu angemessenen und evidenzbasierten Gesundheitsinformationen und Beratungsangeboten (Bonaccorsi 2020; Schaefer et al. 2019). So können in gesundheitskompetenten Einrichtungen bspw. eine höhere Leistungsfähigkeit, ein erhöhtes Engagement und Bindung von Mitarbeitenden sowie eine Reduktion von Fehlzeiten erreicht werden (Kickbusch et al. 2016).

Gesundheitskompetente Einrichtungen ermöglichen den Patient*innen und Klient*innen entsprechend ihrer individuellen Voraussetzungen größtmögliche Teilhabe an Versorgungsprozessen und -entscheidungen (Schaefer et al. 2019). So können gesundheitskompetente Einrichtungen zum Selbstmanagement und Empowerment von Klient*innen sowie zur Steigerung des Wohlbefindens der Klient*innen beitragen (Palumbo 2021).

Daneben gibt es Hinweise darauf, dass gesundheitskompetente Einrichtungen eine geringere Anzahl von Klagen aufgrund von Behandlungsfehlern aufweisen, auch ist die Kommunikation und Beziehung zwischen Klient*innen und medizinischem Personal durch eine gesundheitskompetente Kommunikation und Patient*innen-Zentrierung besser (Palumbo 2021; Tamblyn et al. 2007).

Weiterführende Informationen zur Gesundheitskompetenz in Einrichtungen der Gesundheitsversorgung  und der Eingliederungshilfe finden Sie in den folgenden Toolboxen.