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AOK sucht Einigung mit Physiotherapeuten

In den Vergütungsverhandlungen für die Physiotherapiepraxen hat die AOK Sachsen-Anhalt den Berufsverbänden ab sofort eine Erhöhung von mehr als 30 Prozent vorgeschlagen. Damit würde die AOK zu den Spitzenzahlern in Sachsen-Anhalt gehören. Für weitere Erhöhungen fordert die AOK verbindliche Zusagen, dass das Geld bei den angestellten Physiotherapeuten ankommt. Steigerungen um mehr als 90 Prozent, wie sie bislang gefordert werden, lehnt die AOK ab – auch um die Patienten vor Mehrbelastungen zu schützen.

AOK sucht Einigung mit Physiotherapeuten

29. Juni 2018 / Magdeburg - Die AOK kommt den Physiotherapeuten mit einem Kompromiss deutlich entgegen: Ihr Vorschlag sieht vor, dass die Vergütung der Physiotherapiepraxen ab sofort um mehr als 30 Prozent angehoben wird. Vorherige Verhandlungsergebnisse eingerechnet, wäre die Vergütung der Praxen damit seit 2015 um 50 Prozent gestiegen.

Nehmen die Berufsverbände den aktuellen Vorschlag an, gehört die AOK zu den Spitzenzahlern unter den Krankenkassen in Sachsen-Anhalt. Erst im April 2018 hatten sich die Berufsverbände der Physiotherapeuten mit dem Verband der Ersatzkassen (vdek) auf eine bundesweit einheitliche Vergütungserhöhung geeinigt – Preise auf dem gleichen Niveau bietet die AOK auch in Sachsen-Anhalt an.

Die Forderungen der Berufsverbände an die AOK liegen jedoch weit über dem, was sie mit allen anderen Krankenkassen im Land und im Bund vereinbart haben.

Unverhältnismäßige Belastung für die Patienten

Die Berufsverbände gingen mit Forderungen nach einer Steigerung von mehr als 90 Prozent in die aktuellen Verhandlungen. Dies würde eine erhebliche und dauerhafte Mehrbelastung für die gesetzliche Krankenversicherung und die Patienten in Sachsen-Anhalt bedeuten.

Allein bei der AOK Sachsen-Anhalt sind über 674 000 Versicherte zuzahlungspflichtig. Diese müssten deutlich höhere Zuzahlungen in Kauf nehmen. Denn laut Gesetz müssen sich diese an den Behandlungskosten – also den Preisen, welche die Krankenkassen den Praxen zahlen – mit 10 Prozent beteiligen.

Darüber hinaus rechnet die AOK Sachsen-Anhalt bei einer Erhöhung um mehr als 90 Prozent mit Mehrausgaben von über 140 Millionen Euro bis 2020. Zusätzlich wird die gesetzliche Krankenversicherung in den kommenden Jahren aufgrund teurer Gesundheitsreformen im Krankenhausbereich oder in der Pflege Mehrausgaben in Milliardenhöhe haben.

Für weitere Erhöhungen fehlen verbindliche Zusagen

Zukünftige Erhöhungen knüpft die AOK an verbindliche Zusagen der Berufsverbände. Sie fordert, dass Preissteigerungen bei den Angestellten der Physiotherapiepraxen ankommen. Bislang weigern sich die Berufsverbände, genau das zu garantieren. Diese sogenannte Transparenzregel ist eine gesetzliche Vorgabe, gegen die sich die Berufsverbände nach wie vor wehren.

Hintergrund für die Redaktionen zum Schiedsverfahren:

Die Berufsverbände der Physiotherapeuten begründen ihre hohen Forderungen damit, ihre Angestellten in den Praxen besser bezahlen zu können. Auch die AOK Sachsen-Anhalt möchte, dass die angestellten Therapeutinnen und Therapeuten angemessen an der Preisentwicklung beteiligt werden. Dafür fordert sie von den Berufsverbänden eine Garantie, dass die Gelder auch bei den Angestellten ankommen. Diese Garantie geben die Verbände bis heute nicht ab.

Die Transparenzregel ist eine verpflichtende gesetzliche Vorgabe und ist mit Inkrafttreten des Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetzes (HHVG) im § 125 SGB V geregelt.

Die AOK Sachsen-Anhalt hat konkrete Vorschläge zur Ausgestaltung der Transparenzvereinbarung gemacht und möchte gemeinsam mit den Vertragspartnern eine Lösung finden. Diese sind dazu bis heute jedoch nicht bereit. Aus diesen Gründen kam es zum aktuellen Schiedsverfahren.

Laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit verdienten Physiotherapeuten in Sachsen-Anhalt in den Jahren 2015 und 2016 im Schnitt 1.707 Euro bzw. 1.791 Euro brutto. Das ist eine Steigerung um rund 5 Prozent. Dem gegenüber steht eine durchschnittliche Preiserhöhung der AOK von circa 16 Prozent für die fünf meist verordneten Hauptleistungen im gleichen Zeitraum. Allein die Preise für Krankengymnastik und die Manuelle Therapie als die Leistungen, die am häufigsten abgerechnet werden, wurden von 2015 zu 2016 jeweils um 18 Prozent erhöht. Diese Diskrepanz deutet darauf hin, dass die Vergütungserhöhungen bisher nicht bei den Angestellten ankommen.