Pressemitteilung

AOK-Auswertungen: Klinikpersonal ist psychisch belastet wie nie zuvor

06.06.2023 AOK Rheinland/Hamburg 4 Min. Lesedauer

Die Analysen zeigen, dass die Ausfalltage in den vergangenen 20 Jahren um 150 Prozent zugenommen haben.

Zwei Klinikmitarbeiterinnen richten das Bett einer Patientin.

Beschäftigte in Krankenhäusern leiden immer stärker unter psychischen Belastungen. Das belegen Auswertungen der AOK Rheinland/Hamburg. Im Jahr 2022 haben die Fehltage aufgrund solcher Diagnosen demnach einen Rekordwert erreicht: Im Durchschnitt ist jeder Klinik-Mitarbeitende 6,7 Tage wegen psychischer Probleme ausgefallen. In den vergangenen 20 Jahren haben die Ausfalltage aus diesen Gründen kontinuierlich zugenommen – um 150 Prozent.  

Das Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung Seit dem Inkrafttreten des GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetzes zum 1. April 2007 sind die bisherigen… (BGF-Institut) der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Rheinland/Hamburg hat die Versichertendaten von mehreren zehntausend Klinikbeschäftigten in Nordrhein-Westfalen und in Hamburg ausgewertet.

Herausgekommen ist dabei auch, dass allein von 2021 bis 2022 die Zahl der Fehltage aufgrund seelischer Leiden um knapp neun Prozent gestiegen ist. „Die besonderen Belastungen durch Corona haben die Entwicklung noch einmal verschärft“, sagt Andreas Schmidt, Geschäftsführer des BGF-Instituts. Nach oben zeigt die Belastungskurve jedoch schon seit 2003: Nahezu Jahr für Jahr ist ein Anstieg der Fehltage festzustellen, insgesamt um mehr als 150 Prozent innerhalb der vergangenen 20 Jahre.

Insgesamt befinden sich unter den Top 10 aller Ursachen für Arbeitsausfälle neben Atemwegsinfektionen oder Rückenschmerzen fünf Diagnosen, die die Psyche betreffen. Innerhalb der Gruppe der psychischen Erkrankungen haben im Jahr 2022 Depressionen sowie Belastungs- und Angststörungen die meisten Fehltage bei den Krankenhausbeschäftigten verursacht, so die Analysen der AOK Rheinland/Hamburg. Andreas Schmidt kennt die Gründe: „In Krankenhäusern werden Beschäftigte mit vielen Themen konfrontiert, die psychische Erkrankungen begünstigen. Oft ist die Arbeitsbelastung sehr hoch, es fehlt an Personal und Zeit. Zudem erfahren die Mitarbeitenden in einem Arbeitsalltag, in dem sie häufig emotional belastenden Situationen ausgesetzt sind, wenig Unterstützung bei der Bewältigung dieser Ereignisse.“

Branchenvergleich: Pflege besonders von psychischen Problemen betroffen

Die AOK Rheinland/Hamburg hat außerdem einen Branchenvergleich mit dem Schwerpunkt psychische Erkrankungen erstellt: Die meisten Arbeitsunfähigkeitsfälle wegen dieser Diagnosen hat es im Jahr 2022 demnach in der Pflegebranche gegeben (22,2 Fälle je 100 Versicherte), auf Platz zwei liegen die Krankenhäuser (19,0 Fälle je 100 Versicherte) gefolgt von der öffentlichen Verwaltung (18,6 Fälle je 100 Versicherte) und dem Bereich Erziehung und Unterricht (16,4 Fälle je 100 Versicherte).

Das BGF-Institut und die AOK Rheinland/Hamburg unterstützen Krankenhäuser, aber ebenso andere Branchen dabei, die Gesundheit ihrer Beschäftigten auch in besonderen Belastungssituationen zu erhalten und die Resilienz der Unternehmen und Einrichtungen zu stärken.
Nähere Infos gibt es dazu im Internet: www.bgf-institut.de

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Kirsten Simon
Pressesprecherin

Kirsten Simon

AOK Rheinland/Hamburg