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Transplantationsmedizin

Hier finden Sie Informationen zum Thema Transplantationsmedizin und Organspende.

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Grundsätzlich gibt es keine Altersgrenze für Organspender. Auch Menschen über 70 Jahre können noch Organe spenden,[1–3] vorausgesetzt, dass das Spenderorgan ausreichend gut funktioniert. Es handelt sich immer um Einzelfallentscheidungen, in denen auch das Alter und Vorerkrankungen des Empfängers berücksichtigt werden sollten.[3]

Nach einem Bericht der Deutsche Stiftung Organtransplantation [4] waren in den Jahren 2010–2015 circa 30 Prozent der Spender älter als 64.

Voraussetzung für die Spende eines Organs ist dessen Funktionsfähigkeit. Ein Mensch mit einer schweren Nierenerkrankung (beispielsweise als Folge einer Diabeteserkrankung) kommt deswegen als Nierenspender nicht infrage. Er kann aber möglicherweise andere Organe spenden.

Bei bestimmten Erkrankungen des Spenders wird eine Organspende in der Regel nicht durchgeführt, weil ein transplantiertes Organ für den Empfänger ein großes Risiko darstellen würde. Zu diesen Erkrankungen zählen bestimmte Infektionskrankheiten wie eine aktive Tuberkulose, Krebserkrankungen und eine nichtbehandelbare schwere Blutvergiftung. Der Organempfänger könnte in einem solchen Fall durch das übertragene Organ angesteckt werden bzw. an Krebs erkranken.

Ob eine Transplantation trotz bestimmter Erkrankungen des Spenders vielleicht doch möglich ist, ist immer eine Einzelfall-Entscheidung. Die Entscheidung hängt von der Dringlichkeit für den Organempfänger ab und dem Risiko, welches von dem übertragenen Organ ausgeht.

Nicht alle Krebsarten bei Spendern bergen dieselben Risiken für die Empfänger.[5] Beispielsweise werden Organe von Spendern mit bestimmten Hirntumoren als unbedenklich eingestuft. Bei anderen Krebsarten muss man das Risiko abwägen. Wesentlich ist, ob die Krebserkrankung bereits länger zurückliegt und wie groß die Gefahr eines Wiederauftretens wäre. So werden Spender mit erfolgreich behandeltem Darmkrebs bei dringlichem Organbedarf als möglich angesehen. Frauen mit behandeltem Brustkrebs kommen dagegen in der Regel als Spenderinnen nicht infrage, da die Erkrankung auch nach mehr als zehn Jahren wieder auftreten kann.[4,5]

Die Transplantation von Organen, deren Spender an einer Infektionserkrankung wie einer infektiösen Leberentzündung (zum Beispiel Hepatitis B) leiden, ist prinzipiell möglich.[6] Besteht ein Übertragungsrisiko, dann werden solche Organe nur an Menschen mit derselben Erkrankung vergeben. Auch Menschen mit einer HIV-Infektion können Organe spenden. Allerdings nur an Empfänger, die ebenso HIV-positiv sind.

Letztendlich gilt es, gemeinsam mit dem potenziellen Empfänger Nutzen und Risiken abzuwägen.[5] Dabei müssen alle möglichen Informationen über die Erkrankung des Spenders berücksichtigt werden.

Die Transplantation von Erwachsenenorganen auf Kinder und umgekehrt ist möglich. Ob eine Transplantation von Erwachsenenorganen auf Kinderund umgekehrt möglich ist, ist abhängig von Größe, Gewicht und Alter des Empfängers bzw. Spenders. Mit der Spenderleber eines Erwachsenen kann gleichzeitig einem Erwachsenen und einem Kind geholfen werden, da man die Leber teilen kann.

Nein, Narkose- oder Schmerzmittel werden nicht routinemäßig verabreicht. Denn beim Hirntod sind alle vom Gehirn gesteuerten Organfunktionen erloschen, wie zum Beispiel Bewusstsein und Atmung. Auch Schmerzen können dann nicht mehr wahrgenommen werden. Daher gibt es keinen rationalen medizinischen Grund, bei der Organentnahme Narkose- oder Schmerzmittel zu geben.

Der Erfolg einer Transplantation wird üblicherweise daran festgemacht, ob das übertragene Organ im Körper des Empfängers funktioniert. Statistisch betrachtet funktionieren beispielsweise nach einem Jahr noch etwa 80 von 100 transplantierten Lebern und noch etwa 90 von 100 transplantierten Nieren.

Der Erfolg einer Transplantation wird üblicherweise daran festgemacht, ob das übertragene Organ im Körper des Empfängers funktioniert. Die Erfolgsaussichten sind je nach Organ unterschiedlich. Der Anteil von Organen, die ein bzw. fünf Jahre nach Transplantation ausreichend funktionieren, kann in Prozent ausgedrückt werden. Die folgende Tabelle zeigt eine Übersicht:

Tabelle: Organfunktionsraten nach Transplantation*

SpenderorganOrganfunktionsraten ein
Jahr nach
Transplantation
Organfunktionsraten fünf
Jahre nach
Transplantation
Nieren90 %75 %
Herz80 %70 %
Bauchspeicheldrüse80 %65 %
Leber80 %65 %
Lungen75 %55 %
Darm70 %40 %

**ungefähre Prozentangaben. Sie orientieren sich an den zurzeit bestverfügbaren Studiendaten [7–9]

Für Nierentransplantationen bedeutet das beispielsweise: Nach einem Jahr funktionieren noch etwa 90 von 100 transplantierten Spendernieren, nach fünf Jahren noch 75 von 100.

Der Nutzen einer Organtransplantation für den Empfänger lässt sich zum einen an der Verbesserung der Lebensqualität, zum anderen an der gewonnenen Lebenszeit ablesen. Nach erfolgreicher Organspende kann der Empfänger meist ein fast normales Leben führen, wenn er die Therapieempfehlungen einhält, also z.B. regelmäßig die verordneten Medikamente einnimmt. Die gewonnene Lebenszeit ist je nach Organ unterschiedlich.

Eine Organtransplantation wird nur bei chronischem oder akutem Organversagen durchgeführt. Ein vollständiges Organversagen führt immer zum Tod, wenn es kein Verfahren gibt, welches die Organfunktion ersetzt. Beim vollständigen Leberversagen verstirbt der Betroffene ohne Lebertransplantation innerhalb von 72 Stunden, da es keine Alternative zur Transplantation gibt. Bei vollständigem Nierenversagen ist die Dialyse eine Alternative zur Organtransplantation. Die Dialyse kann die Nierentätigkeit über einen längeren Zeitraum ersetzen. Will man berechnen, wie viel Lebenszeit durch eine Transplantation gewonnen werden kann, so muss man berücksichtigen, was ohne Transplantation geschehen würde. Für Leber- und Nierentransplantationen gibt es hierzu verlässliche Daten:

Lebertransplantation
Fünf Jahre nach Lebertransplantation leben von 100 Patienten noch 74, 26 von ihnen sind verstorben.[10] Ohne Transplantation wären nach vollständigem Leberversagen alle Patienten innerhalb von 72 Stunden verstorben. Auch bei Patienten mit fortgeschrittener Lebererkrankung bringt eine Lebertransplantation einen Überlebensvorteil. Ohne Transplantation wäre damit zu rechnen, dass 40 bis 80 von 100 Patienten mit fortgeschrittener Lebererkrankung in den nächsten drei Monaten versterben würden.

Nierentransplantation
Fünf Jahre nach Nierentransplantation leben von 100 Patienten noch 88, zwölf von ihnen sind verstorben.[7] Fünf Jahre nach dauerhafter Dialysebehandlung leben von 100 Patienten noch 42, 58 von ihnen sind verstorben.[7] Es sind also 46 von 100 Patienten nach Nierentransplantation weniger verstorben als nach dauerhafter Dialysebehandlung.

Der Erfolg einer Transplantation hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie dem Geschlecht und dem Alter von Spender und Empfänger und dem Gesundheitszustand des Empfängers. Wichtig ist zudem, dass die entnommenen Organe möglichst schnell in den Empfängerkörper eingepflanzt werden, denn sie können nur eine begrenzte Zeit ohne Sauerstoffzufuhr überleben. Hinzu kommt: Je besser die Gewebe von Spender und Empfänger übereinstimmen, desto geringer ist die Abstoßungsgefahr. Es gibt noch weitere Faktoren, die sich auf den langfristigen Erfolg einer Organtransplantation auswirken.

  1. Die regelmäßige Einnahme der verordneten Medikamente (z.B. gegen die Abstoßung des implantierten Organs) kann sich positiv auf den Erfolg auswirken.
  2. Die regelmäßige Kontrolle des Empfängers in der Transplantationsambulanz oder bei dem zuständigen Facharzt kann sich positiv auf den Erfolg auswirken.
  3. Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems können sich negativ auf den Erfolg auswirken.
  4. Wenn die Grunderkrankung, die zum Versagen des Organs geführt hat, wiederkehrt oder weiterbesteht – beispielsweise eine Hepatitis-Infektion, die zu einem Leberversagen geführt hat – so kann das den Erfolg einschränken.
  5. Menschen, denen erstmals ein Organ transplantiert wird, haben bessere Überlebenschancen als Menschen, die zum zweiten oder dritten Mal ein Organ erhalten.

Wie bei allen Operationen können kurzfristig Komplikationen auftreten, wie Thrombosen (Gefäßverschlüsse) oder eine Infektion der Operationswunde. Auch muss der Empfänger lebenslang bestimmte Medikamente einnehmen, damit das Spenderorgan nicht abgestoßen wird. Diese Medikamente können Nebenwirkungen haben.

Während oder nach einer Nierentransplantation treten bei etwa zehn bis 15 von 100 Empfängern Komplikationen auf.[11, 12] Bei einer Lebertransplantation sind Komplikationen häufiger (20 bis 30 Fälle auf 100 Empfänger), denn der gesundheitliche Zustand von Menschen mit Leberversagen ist meist schlechter.[13]

Auch im weiteren Verlauf kann es zu Komplikationen kommen, die mit dem Immunsystem zusammenhängen. Es kann sein, dass der Körper des Empfängers versucht, das Organ abzustoßen. Um dies zu verhindern, braucht der Empfänger lebenslang Medikamente, die seine Immunabwehr unterdrücken. Bei sorgfältiger und regelmäßiger Einnahme der Medikamente ist die Wahrscheinlichkeit eines Organverlustes durch Abstoßung gering, für die Niere liegt sie beispielsweise unter fünf Prozent (weniger als fünf von 100 Personen).[14] Die Medikamente können allerdings selbst auch Nebenwirkungen haben, wie zum Beispiel eine langfristige Schädigung der Nieren, Bluthochdruck oder ein erhöhtes Hautkrebsrisiko.[15] Deshalb wird eine regelmäßige Nachsorge empfohlen. Es können auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten, weshalb immer eine Beratung durch den behandelnden Arzt notwendig ist. Dies gilt auch für nicht verschreibungspflichtige oder homöopathische Medikamente.

Eine Unterdrückung der Immunabwehr erhöht das Infektionsrisiko. Deswegen kann es nach einer Transplantation leicht zu Infektionen mit unterschiedlichen Krankheitserregern kommen. Neben Symptomen wie Fieber, grippalen Symptomen und Leistungsschwund kann dies auch zum Versagen und zur Abstoßung des transplantierten Organs führen. Eine regelmäßige Kontrolle in den Transplantationszentren ist daher notwendig. Das Infektionsrisiko nimmt mit der Zeit ab und ist dann nicht höher als bei Gesunden.[14]

Eine weitere Komplikation kann sein, dass das transplantierte Organ durch die Grunderkrankung geschädigt wird.

Die Mehrheit der Patienten schildert positive Erfahrungen mit der Transplantation.[16] Viele Organempfänger sind zutiefst dankbar. Allerdings kann es auch sein, dass Menschen in der ständigen Angst leben, dass ihr Körper das Spenderorgan abstößt. Manche Menschen empfinden auch die dauerhafte Einnahme von Medikamenten gegen die Organabstoßung als belastend.[11,17]

Empfänger von Organen reagieren sehr unterschiedlich. Es gibt Menschen, die mit dem Organempfang so nüchtern umgehen, als hätten sie „nur“ ein Ersatzteil für ihren Körper erhalten. Andere Menschen hingegen fühlen sich stark belastet, wenn sie ein Organ empfangen haben. Einige nehmen das neue Organ als Fremdkörper wahr. Andere befürchten, die Persönlichkeit des Spenders könne mit dem Organ übertragen werden. Manche Empfänger berichten, dass sie ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Spender oder seiner Familie haben.[16] Es ist ihnen zwar bewusst, dass sie keine Schuld am Tod des Spenders tragen, doch leiden sie darunter, dass sie weiterleben können, weil jemand anderes verstorben ist.

Inhaltlich verantwortlich:

Prof. Dr. med. Lutz Fischer
Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf
Klinik und Poliklinik für Hepatobiliäre Chirurgie und Transplantationschirurgie

Julia Lühnen
Universität Hamburg, Gesundheitswissenschaften

Erklärung zur Unabhängigkeit unserer Experten(PDF, 687 KB)

Erstellt am: 1.4.2012
Aktualisiert am: 1.11.2017

Literaturquellen:

[1] Jiménez-Romero C, Caso Maestro O, Cambra Molero F, Justo Alonso I, Alegre Torrado C et al. (2014). Using old liver grafts for liver transplantation: Where are the limits? World J Gastroenterol 20(31):10691–702

[2] Chedid MF, Rosen CB, Nyberg SL, Heimbach JK (2014). Excellent long-term patient and graft survival are possible with appropriate use of livers from deceased septuagenarian and octogenarian donors. HPB 16(9):852–8

[3] Sutherland AI, IJzermans JN, Forsythe JL, Dor FJ (2016). Kidney and liver transplantation in the elderly. Br J Surg 103(2):e62-72

[4] Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) (2016). Organspende und Transplantation in Deutschland. Jahresbericht 2015: www.dso.de/servicecenter/downloads/jahresberichte-und-grafiken.html, Zugriff am 16.02.2017

[5] European Directorate for the Quality of Medicines & Health Care Council of Europe (2010). Guide to the safety and quality assurance for the transplantation of organs, tissues and cells – 4th Edition. The Council of Europe: Strasbourg

[6] Domínguez-Gil B, Andrés A, Campistol J, Morales J (2011). Should we be using kidneys from hepatitis C virus-infected donors? Curr Opin Nephrol Hypertens 20(6): 599–604

[7] ERA-EDTA Registry (2016) ERA-EDTA Registry Annual Report 2014. Academic Medical Center, Department of Medical Informatics, Amsterdam, the Netherlands. www.era-edta-reg.org/files/annualreports/pdf/AnnRep2014.pdf, Zugriff 14.02.2017

[8] Collaborative Transplant Study – CTS (2015) The Collaborative Transplant Study. www.ctstransplant.org./, Zugriff am 14.02.2017

[9] Smith JM, Skeans MA, Horslen SP, Edwards EB, Harper AM et al. (2017) OPTN/SRTR 2015 Annual Data Report: Intestine. Am J Transplant 17(S1): 252–285.

[10] Kim WR, Lake JR, Smith JM, Skeans MA, Schladt DP et al. (2017) OPTN/SRTR 2015 Annual Data Report: Liver. Am J Transplant 17(S1): 174–251.

[11] Thiruchelvam P, Willicombe M, Hakim N et al. (2011) Renal transplantation. BMJ. 343: d7300. doi: 10.1136/bmj.d7300.

[12] Weikert B, Blumberg E (2008) Viral infection after renal transplantation: surveillance and management. Clin J Am Soc Nephrol 3 Suppl 2: 76–86

[13] Washington K (2005) Update on post-liver transplantation infections, malignancies, and surgical complications. Adv Anat Pathol 12:221–226

[14] Briganti EM, Russ GR, McNeil JJ et al. (2002) Risk of renal allograft loss from recurrent glomerulonephritis. N Engl J Med 11; 347(2):103–9

[15] Xiol X, Guarfiola J, Menendez S, et al. (2001) Risk factors for development of denovo neoplasia after liver transplantation. Liver Transpl 7: 971–975

[16] Goetzmann L, Sarac N, Ambühl P et al. (2008) Psychological response and quality of life after transplantation: a comparison between heart, lung, liver and kidney recipients. Swiss Med Wkly 138: 477–483

[17] Molzahn M, Tuffs A, Vollmann J (2003) Organtransplantation und Organspende. Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 17. Verlag Robert Koch-Institut, Berlin

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