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Hirntoddiagnostik

Hier finden Sie Informationen zum Thema „Hirntoddiagnostik und Organspende“.

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Der Tod kann festgestellt werden, wenn sichere Todeszeichen vorliegen. Dies sind unter anderem Leichenstarre und Totenflecken. Auch durch die Diagnose des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls (sogenannter Hirntod) wird der Tod eines Menschen festgestellt.

Der umgangssprachliche Begriff „Hirntod“ wird inzwischen durch die naturwissenschaftlich-medizinische Bezeichnung „irreversibler Hirnfunktionsausfall“ ersetzt. Diese bedeutet, dass das gesamte Gehirn seine Funktionsfähigkeit unwiederbringlich, also für immer, völlig verloren hat.

Bei einem hirntoten Menschen können die Atmung und damit der Kreislauf und weitere Organfunktionen mit intensivmedizinischen Maßnahmen über eine begrenzte Zeit aufrechterhalten werden.

Das Gehirn ist nicht nur für das Denken, Handeln und Wahrnehmen erforderlich, sondern es regelt auch wesentliche Körperfunktionen wie Atmung, Temperatur und Kreislauf. Der vollständige Verlust der Hirnfunktion (Hirntod) bedeutet daher, dass der Körper in seiner Gesamtheit nicht mehr funktionieren kann. Organfunktionen wie Kreislauf sowie Leber- und Nierentätigkeit können trotz Funktionsausfall des Gehirns bei einem hirntoten Menschen mit Hilfe intensivmedizinischer Maßnahmen unter künstlicher Beatmung über eine begrenzte Zeit aufrechterhalten werden. Der Verlust jeglicher Körperfunktionen nach Beendigung dieser intensivmedizinischen Maßnahmen ist unabwendbar.

Der Verlust jeglicher Körperfunktionen nach Beendigung dieser intensivmedizinischen Maßnahmen ist unabwendbar. Die Diagnose des Hirntodes hat rechtlich den Stellenwert eines sicheren Todeszeichens. Der Zeitpunkt der Feststellung des Hirntodes gilt demnach als Todeszeitpunkt.

Nein. Hirntod bedeutet: Das Gehirn ist so schwer geschädigt, dass die Hirnfunktionen vollständig und unwiederbringlich erloschen sind. Das Gehirn kann sich davon nicht wieder erholen.

Bei der Hirntoddiagnostik wird geprüft, ob die Hirnfunktionen unwiederbringlich und vollständig verloren sind. Hierfür werden zum einen körperliche Untersuchungen durchgeführt, zum anderen können zusätzlich apparative Zusatzuntersuchungen (zum Beispiel Hirnstrommessungen und Blutgefäßdarstellung) durchgeführt werden. Es ist festgelegt, dass die körperliche Untersuchung nach einer bestimmten Beobachtungszeit wiederholt werden muss, um zu sehen, ob sich die ersten Befunde bestätigen. Die Dauer der Beobachtungszeit hängt von der Art der Hirnschädigung und vom Alter des Patienten ab. Sie liegt zwischen zwölf und 72 Stunden.

Mit den apparativen Zusatzuntersuchungen ist es bei bestimmten Konstellationen möglich, die Unwiederbringlichkeit der Hirnschädigung schon vor Ablauf der Beobachtungszeit nachzuweisen. Dabei wird das Erlöschen der elektrischen Hirnaktivität oder das Erlöschen der Hirndurchblutung geprüft.

Für Kinder bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr gelten besonders strenge Regelungen.

Ursache des Hirntodes ist immer eine schwere Schädigung des Gehirns, beispielsweise durch einen Unfall oder eine schwere Erkrankung.

Eine Schädigung des Gehirns kann direkt oder indirekt sein. Bei einer direkten Schädigung (primäre Hirnschädigung) schädigt eine Erkrankung oder ein Unfall das Gehirn unmittelbar. Dies können eine Hirnverletzung, Blutungen im Schädel, schwere Schlaganfälle, Tumore oder Entzündungen des Gehirns sein.

Eine indirekte Schädigung (sekundäre Hirnschädigung) entsteht beispielsweise als Folge eines Sauerstoffmangels oder als Folge von Stoffwechselstörungen wie Unterzuckerung oder Vergiftung.

Die Feststellung des Hirntodes erfolgt in festgelegten Schritten. Besteht der Verdacht auf einen irreversiblen Hirnfunktionsausfall, werden folgende Fragen nacheinander geklärt:

  1. Es muss zunächst die Ursache für den möglichen Hirnfunktionsausfall eindeutig geklärt werden.
  2. Es wird geklärt, ob eindeutige klinische Zeichen vorliegen: Bewusstlosigkeit, Fehlen von Reflexen des Stammhirns, Atemstillstand.
  3. Es wird geklärt, ob der Funktionsausfall unwiederbringlich vorliegt und nicht nur vorübergehend. Hierzu werden die körperlichen Untersuchungen über einen längeren Zeitraum von zwei qualifizierten und erfahrenen Ärzten unabhängig voneinander wiederholt. Alternativ oder auch ergänzend können weitere apparative Untersuchungen durchgeführt werden. 

Die Hirntoddiagnostik beinhaltet folgende Schritte:[1]

1) Im ersten Schritt geht es darum, die Ursache zu erfassen. Was hat zu dem vermuteten Hirntod geführt? War es eine Erkrankung oder ein schwerer Unfall? War die Schädigung ausreichend, um einen eventuellen Hirntod zu verursachen? Können alle Ursachen ausgeschlossen werden, die rückgängig zu machen wären? Dieses könnten zum Beispiel sein: Eine sehr tiefe Narkose, Vergiftung, schwere Stoffwechselstörung, Unterkühlung oder eine schwere Kreislaufstörung, die den Hirntod nur vortäuschen.

2) Anschließend findet eine standardisierte körperliche Untersuchung statt. Sie muss von zwei Fachärzten mit mehrjähriger Erfahrung in der Intensivbehandlung unabhängig voneinander durchgeführt werden. Mindestens einer der beiden muss ein Facharzt für Neurologie oder Neurochirurgie sein. Es wird untersucht, ob die Hirnfunktion in allen Hirnregionen erloschen ist. Hierzu prüft man folgende Sachverhalte:

  • Liegt ein Koma vor? Zeigt der Patient noch spontane, hirngesteuerte Reaktionen, reagiert er auf äußere Reize, z.B. auf stärkste Schmerzreize?
  • Liegt ein Ausfall der Hirnstammreflexe vor? Der Hirnstamm steuert zahlreiche unbewusste Funktionen wie die Lichtreaktion der Pupille, den Blinzelreflex bei der Berührung des Augapfels, Reaktionen auf schwerste Schmerzreize im Gesicht sowie den Hustenreflex bei stärksten Reizen im Rachenraum.
  • Liegt ein Atemstillstand vor? Um nachzuweisen, ob der Patient noch atmet, wird das Beatmungsgerät des Patienten vorübergehend so eingestellt, dass ein maximaler Lufthunger und Atemantrieb beim Patienten entstehen müsste. Werden in dieser Situation keine Atemzüge beobachtet, kann man davon ausgehen, dass der Patient nicht mehr fähig ist zu atmen.

3) Wenn in allen Hirnregionen keinerlei Funktionen festgestellt wurden, wird untersucht, ob das Gehirn für immer aufgehört hat zu arbeiten. Hierzu wird der betreffende Mensch beobachtet und die beschriebenen Sachverhalte nach über 12 bis 72 erneut überprüft. Alternativ können apparative Untersuchungen (z.B. EEG, Gefäßdarstellung mittels Dopplersonografie oder CT-Angiographie) durchgeführt werden. Hierdurch kann die Beobachtungszeit entfallen. Der Hirntod kann dadurch sofort festgestellt werden.

Für Kinder bis 14 Jahre gelten besondere Qualifikationsanforderungen an die untersuchenden Ärzte.

Die Hirntoddiagnostik in Deutschland ist ein mehrstufiges Verfahren und gilt als sehr zuverlässig. Sie muss immer von zwei Fachärzten mit mehrjähriger Erfahrung in der Intensivmedizin unabhängig voneinander durchgeführt werden, die Ergebnisse müssen übereinstimmen. Bleiben irgendwelche Zweifel, kann der Hirntod nicht festgestellt werden.

Es gibt international einzelne Berichte von falschen Hirntoddiagnosen z.B. aufgrund unerkannter Vergiftungen. Um die Hirntoddiagnostik so zuverlässig wie möglich zu machen, ist in Deutschland ein standardisiertes mehrstufiges Verfahren vorgeschrieben.[1] Erst am Ende dieses Verfahrens darf der Hirntod festgestellt werden. Bleiben irgendwelche Zweifel, kann der Hirntod nicht festgestellt werden. Jede einzelne Stufe der Hirntoddiagnostik kann noch mit Ungenauigkeiten behaftet sein.[2,3] In der Gesamtschau aller Untersuchungsschritte ergibt sich jedoch eine diagnostische Sicherheit. Hinzukommt, dass immer zwei Experten den Patienten unabhängig voneinander untersuchen und zu übereistimmenden Ergebnissen kommen müssen. Dies erhöht die Zuverlässigkeit der Testergebnisse.[4]

Wenn diese strukturierte Vorgehensweise eingehalten wird, gilt die Hirntoddiagnostik als zuverlässig. Hochwertige wissenschaftliche Studien zur Zuverlässigkeit der in Deutschland vorgeschriebenen Vorgehensweise gibt es allerdings bislang nicht.

Man kann den Hirntod sicher vom apallischen Syndrom oder dem Locked-in-Syndrom unterscheiden, da nur beim Hirntod alle Funktionen des gesamten Gehirns erloschen sind.

Der Hirntod ist der vollständige und unwiederbringliche Funktionsverlust des gesamten Gehirns. Anders ist es beim sogenannten apallischen Syndrom und beim Locked-in-Syndrom. Hier funktionieren bestimmte Hirnanteile noch. Beim apallischen Syndrom ist dies der Hirnstamm, beim Locked-in-Syndrom das Großhirn. Die Funktionen können diagnostisch zweifelsfrei nachgewiesen werden. Man kann den Hirntod daher sicher vom apallischen Syndrom oder dem Locked-in-Syndrom unterscheiden.

Inhaltlich verantwortlich

Dr. Günther Thayssen
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Klinik und Poliklinik für Neurologie

Erklärung zur Unabhängigkeit unserer Experten(PDF, 687 KB)

Erstellt am: 15.3.2012
Aktualisiert am: 30.8.2017

Literaturquellen

[1] Richtlinie gemäß § 16 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 TPG für die Regeln zur Feststellung des Todes nach § 3 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 TPG und die Verfahrensregeln zur Feststellung des endgültigen, nicht behebbaren Ausfalls der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms nach § 3 Abs. 2 Nr. 2 TPG, Vierte Fortschreibung. Deutsches Ärzteblatt. 30. März 2015. DOI: 10.3238/arztebl.2015.rl_hirnfunktionsausfall_01. (Zugriff: 19.01.2017)

[2] Busl K, Greer D (2007) Pitfalls in the diagnosis of brain death. Neurocrit Care 11: 276–87

[3] Ghoshal S, Greer DM (2015) Why is diagnosing brain death so confusing? Curr Opin Crit Care 21(2):107–12

[4] Flowers W, Patel B (2000) Accuracy of clinical evaluation in the determination of brain death. South Med J 93: 203–206

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