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Modellprojekt „Lebensluft“

Bei allem Fortschritt der modernen Intensivmedizin setzen Erkrankungen und Versagen der Lunge dem Therapieerfolg Grenzen. So ist die Beatmungstherapie zentraler Bestandteil der modernen Intensivmedizin und besondere therapeutische Herausforderung zugleich. Selbst auf einer hochspezialisierten Weaning-Unit bleiben je nach zugrundeliegender Erkrankung heute bis zu 40 Prozent der langzeitbeatmeten Patienten im Anschluss an eine Krankenhausbehandlung außerklinisch beatmungspflichtig. Um solchen Patienten eine Chance auf ein unabhängiges Leben zu geben, haben das HELIOS Klinikum Krefeld und die AOK Rheinland/Hamburg ein in dieser Form im deutschen Gesundheitswesen einzigartiges Modellprojekt gestartet: „Lebensluft“.

Ein Leben ohne künstliche Beatmung

03.08.2016

Häufig müssen Patienten nach langen Aufenthalten auf einer Intensivstation und spezialisierter Beatmungsentwöhnungseinheit (Weaning-Unit) noch beatmungspflichtig in die ambulante Weiterbehandlung entlassen werden. „Um diesen Patienten die Perspektive auf eine möglichst vollständige Entwöhnung von der künstlichen Beatmung zu geben, haben wir nach einem Versorgungsmodell gesucht, das eine verlängerte und intensivierte Therapie über den regulären Krankenhausaufenthalt hinaus ermöglicht“, erläutert Dr. med. Manuel Streuter, Chefarzt am HELIOS Lungenzentrum in Krefeld. Mit diesem Ziel haben das HELIOS Klinikum Krefeld und die AOK Rheinland/Hamburg gemeinsam ein neues Konzept entwickelt, das als Modellprojekt vor wenigen Wochen mit den ersten Patienten gestartet ist.

Im HELIOS Klinikum Krefeld wurde für die fortgesetzte (prolongierte) Beatmungsentwöhnung die von der hochspezialisierten Weaning-Unit unabhängige neue Station „Lebensluft“ eingerichtet. Sie ermöglicht schwerkranken Patienten nach Langzeitbeatmung eine optimale ärztliche, pflegerische und therapeutische Begleitung. Für das Ziel der mittelfristigen Beatmungsentwöhnung bei invasiv beatmeten und tracheotomierten Patienten steht ein hochqualifiziertes und interprofessionelles Betreuungsteam ein.  „Es ist realistisch, dass rund ein Drittel der Patienten, die wir im Rahmen dieses Modellprojektes betreuen, die Chance auf ein Leben ohne künstliche Beatmung haben. Dies ist ein enormer Fortschritt, da sie diese Perspektive vorher in der Regel nicht hatten“, erklärt Chefarzt Dr. Streuter.

Das Versorgungskonzept

Neben der pflegerischen rund-um-die-Uhr-Betreuung bildet die Therapie den zentralen Schwerpunkt des Versorgungskonzepts: Therapeutisch aktivierende Pflege, Atmungstherapie, Physiotherapie, Ergotherapie und logopädische Therapie begleiten die Patienten durch den Tag. Im Vordergrund stehen dabei die Mobilisation, die Stärkung der gesamten Muskulatur, die psychische Stabilisierung und die Wiedereingliederung in einen geregelten Alltag.

Die Station Lebensluft verfügt über zehn Einzelzimmer und ermöglicht losgelöst vom regulären Stationsablauf maximale Flexibilität in der Betreuung – wie beispielsweise auch ein Frühstück um neun Uhr auf dem Balkon oder gemeinschaftlich im großen Aufenthaltsraum. Dazu umgibt die Patienten eine wohnliche Atmosphäre mit hellen warmen Farben, die einen deutlichen Kontrast zum Umfeld einer hochtechnisierten Intensivstation bilden.  Es wird ein patientenorientierter Alltag ermöglicht, der die Selbständigkeit nach langer intensivmedizinischer Therapie gezielt fördert.

„Durch diese individuelle Versorgung auf der Station Lebensluft sehen wir, auch unter der Berücksichtigung der psycho-sozialen Bedürfnisse der Patienten, die Chance dauerhaft die Lebensqualität der betroffenen Menschen zu steigern, indem sie ein beatmungsunabhängiges Leben führen können. Das Modellprojekt ist eine strukturelle Innovation, die Patienten ein Höchstmaß an Qualität, Leistung und Versorgung garantiert“, so Matthias Mohrmann, Mitglied im Vorstand der AOK Rheinland/Hamburg. „Unser Ziel ist es, die bestehenden Strukturen und die Leistungsinhalte derart zu verändern, dass die Fortschritte der Beatmungsmedizin und –therapie qualitätsgesichert in das Gesundheitssystem hineinwachsen.“

Im Rahmen des Modellprojektes erfolgt eine wissenschaftliche Evaluation, die dabei unterstützen soll, ein optimiertes Behandlungs- und Therapieschema zu etablieren. „Wenn sich der medizinische Erfolg so einstellt wie erwartet, kann „Lebensluft“ ein Vorbild für die Versorgung dieser Patienten in ganz Deutschland werden. Es erweitert die Leistungen zur prolongierten Beatmungsentwöhnung im Krankenhaus“, sagt Klinikgeschäftsführer Alexander Holubars.

Pressekontakt

AOK Rheinland/Hamburg
Die Gesundheitskasse
Stabsstelle Presse
Dr. Ellen von Itter
E-Mail: ellen.vonitter@rh.aok.de
Telefon: 0211 8791-1038
Telefax: 0211 8791-1145