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Erneut Anstieg des Krankenstands im Rheinland

Gesamtkrankenstand nach vier Jahren erstmals wieder über Fünf-Prozent-Marke

Der Krankenstand der AOK-Versicherten im Rheinland ist im Jahresverlauf 2008 leicht gestiegen und betrug im Jahresdurchschnitt 5,14 Prozent. Dies zeigt die Analyse der Arbeitsunfähigkeiten von fast einer Million Versicherten aus 150.000 rheinischen Unternehmen.

Etwas mehr als im Vorjahr mussten die Arbeitgeber 2008 für krankheitsbedingte Ausfalltage zahlen: Im Entgeltfortzahlungszeitraum wurde 2008 ein Krankenstand von 3,56 Prozent notiert, im Jahr 2007 waren es nur 3,43 Prozent. Dies ist rechnerisch ein Plus von 3,8 Prozent.

Krankheitstage aus Erkrankungen von über sechs Wochen Dauer nahmen mit einer Veränderungsrate von 3,9 Prozent zu: 2007 handelte es sich bei 1,53 Prozent aller Arbeitstage um krankheitsbedingte Ausfalltage mit Krankengeldanspruch, 2008 waren es 1,59 Prozent.

Arbeitsunfähigkeitstage nach Alter und Geschlecht
Die Jahresbilanz zeigt, dass Männer an etwas mehr Arbeitstagen fehlten als Frauen. Jüngere Beschäftigte sind häufiger, aber im Durchschnitt kürzer, krank als ältere Kollegen.

Arbeitsunfähigkeitstage nach Alter und Geschlecht
Die Jahresbilanz zeigt, dass Männer an etwas mehr Arbeitstagen fehlten als Frauen. Jüngere Beschäftigte sind häufiger, aber im Durchschnitt kürzer, krank als ältere Kollegen.

Mehr Krankmeldungen
Auffällig ist die Zunahme der Zahl der erfassten Krankmeldungen. Im zweiten Jahr in Folge ist ein Anstieg zu verzeichnen – für 2008 von 5,1 Prozent. Das Vorjahresplus lag bei 6,1 Prozent. 2007 wurden 153 Krankheitsfälle je 100 Beschäftigte gezählt, im Jahr 2008 waren es 161.

Dieser Anstieg der Krankmeldungen ist im Wesentlichen auf Psychische Erkrankungen (plus 7,3 Prozent), Erkrankungen der Atemwege (plus 6,9 Prozent), infektiöse Erkrankungen (plus 5,9 Prozent), Neubildungen (plus 9,3 Prozent) und Erkrankungen der Nerven- und Sinnesorgane (plus 5,4 Prozent) zurückzuführen.

Während die Privatunfälle um 3,2 Prozent auf neun Fälle je 100 Versicherte angestiegen sind, ist die Zahl der Arbeitsunfälle weiterhin rückläufig. 100 Versicherte erlitten im Durchschnitt 6,5 Unfälle während oder auf dem Weg zur Arbeit.

Dabei waren mehr als die Hälfte der Versicherten (54 Prozent) im Jahresverlauf ein oder mehrmals erkrankt.

Kürzere Erkrankungsdauer
Weiterhin rückläufig ist die durchschnittliche Erkrankungsdauer je Krankmeldung. Nach 11,9 Kalendertagen im Jahr 2007, sank sie 2008 auf 11,7 Tage. Nach AOK- Aufzeichnungen der niedrigste Wert seit 1994.

2007 konnte der Rückgang hauptsächlich auf die kurzen Infektionserkrankungen zurückgeführt werden. 2008 ist der Rückgang - mit Ausnahme psychischer Erkrankungen und privater Unfälle - in nahezu allen Diagnosegruppen nachzuweisen.

Hinsichtlich der Krankheitsdauer fällt auf, dass Erkrankungen, die länger als ein halbes Jahr anhielten, zugenommen haben. Daraus resultiert ein Anstieg des Langzeit-Krankenstandes. Daneben ist für 2008 eine Zunahme von Erkrankungen, die bis zu einer Woche andauerten, zu verzeichnen. Dies erklärt das Absinken der durchschnittlichen Erkrankungsdauer.

Muskel-Skelett-Erkrankungen liegen vorn
29 Prozent aller Krankheitstage entstehen aufgrund von Muskel- und Skeletterkrankungen. Die Zahl der Fehltage ging in den letzten beiden Jahren geringfügig zurück, dennoch ist diese Diagnosegruppe im Vergleich zu den übrigen Gruppen, die mit den meisten Kalendertagen. Es folgen Atemwegserkrankungen und dann Psychische Erkrankungen, die mit 8,3 Prozent aller Erkrankungstage den dritten Rang einnehmen.

Arbeitsunfähigkeitstage bei psychischen Erkrankungen steigen
Psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen verursachen immer mehr Arbeitsunfähigkeitstage: Im Jahr 2000 traten auf 100 Versicherte keine 100 Fälle auf. 2008 waren für 100 Versicherte 157 Arbeitsunfähigkeitstage zu verzeichnen. Innerhalb eines Jahres, von 2007 auf 2008, stieg die Zahl um 10,8 Prozent.

Eine Ursache ist die steigende Fallzahl. Sie überstieg 2008 alle bisher erfassten Krankmeldungen dieser Diagnosen. Je 100 Beschäftigte wurden 2008 5,8 Arbeitsunfähigkeiten erfasst. Zum anderen stieg die durchschnittliche Falldauer im gleichen Zeitraum von 26,1 auf 26,9 Kalendertage.

Als Ursachen für die Zunahme psychischer Krankheiten sind u. a. Reiz- und Informationsüberflutungen, erhöhter Leistungsdruck am Arbeitsplatz und Unsicherheiten durch die persönliche und berufliche Situation zu nennen. Aber auch bessere Aufklärung über die Krankheitsbilder und die Aufweichung des Stigmas „Depression“ in den letzten Jahren führen dazu, dass Betroffene heute häufiger fachärztliche Behandlung in Anspruch nehmen.

Psychische Erkrankungen werden häufiger bei Frauen als bei Männern attestiert. Die deutlich höhere Fallhäufigkeit bei Frauen (8,1 Fälle bei 100 weiblichen Versicherten; 4,4 Fälle je 100 männlicher Versicherter) führt zu vermehrten Ausfalltagen: Im Jahr 2008 hatten Frauen fast doppelt so viele Arbeitsunfähigkeitstage wie Männer.

Eine Ursachenanalyse von Stress im Unternehmen, Verbesserungen in der Arbeitsorganisation und Kommunikation, Anti-Stress-Trainings für Führungskräfte und Mitarbeiter und das Erlernen von Entspannungstechniken sind lohnende betriebliche Investitionen bei denen AOK und BGF-Institut unterstützen können.

Im Alter mehr Krankheitstage
Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage steigt mit zunehmendem Alter rasant an. Die Beschäftigten bis 24 Jahre haben je 100 Versicherte 1.264 Arbeitsunfähigkeitstage. Bei den Beschäftigten zwischen 45 und 54 Jahren sind es bereits mehr als 2.191 krankheitsbedingte Ausfalltage und die Versicherten über 55 Jahre erreichen mehr als 3.124 Ausfalltage. Aus diesem Grund hat das BGF-Institut der AOK Rheinland/Hamburg in der betrieblichen Gesundheitsförderung einen Schwerpunkt auf den Zusammenhang zwischen demografischer Entwicklung und Gesundheit gelegt. Die Demografieberater des BGF-Instituts bieten ein umfangreiches Programm mit Analysen und Maßnahmepaketen.

Branchen
Unter den Branchen stehen Gießereibetriebe, Alten- und Pflegeheime und der öffentliche Dienst an der Spitze der Krankenstandsstatistik, während der Einzelhandel und Banken sowie Sparkassen die niedrigsten Werte zeigen. Dass aber auch in Gießereien niedrige Arbeitsunfähigkeitsquoten erreicht werden können, zeigen die positiven Firmenbeispiele.

Regionale Unterschiede
Innerhalb des Rheinlands gibt es je nach Region auffällige Unterschiede bei den Entgeltfortzahlungskrankenständen. So hat der Kreis Kleve mit nur 3,04 Prozent den niedrigsten Wert aller 27 Kreise bzw. kreisfreien Städte, während das westliche Ruhrgebiet und das Bergische Städtedreieck die höchsten Werte zeigen, bis hin zu 3,99 Prozent in Wuppertal.
Den ausführlichen Bericht erhalten Sie im Frühjahr beim Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung oder über die Homepage www.bgf-institut.de

Petra Meisel
E-Mail: petra.meisel@bgf-institut.de
Telefon: 0221 27180-107

AOK Rheinland/Hamburg
Die Gesundheitskasse
Stabsbereich Gesundheitspolitik/Kommunikation
Kontakt: Dr. Sabine Schlingmann
E-Mail: sabine.schlingmann@rh.aok.de
Telefon: 0211 8791-1262
Telefax: 0211 8791-1125