Den Blutzucker im Blick

Ob Sie blutzuckerregulierende Medikamente – meist in Tablettenform – oder Insulin brauchen, ist abhängig von der Diabetesform und vom Stoffwechsel. Das Ziel der Behandlung ist aber für alle Patienten gleich: Die Blutzuckerwerte so gut wie möglich zu regulieren und den Körperzellen die notwendige Energie zur Verfügung zu stellen. Zentraler Baustein ist deshalb auch die regelmäßige Kontrolle der Blutzuckerwerte.

Blutzucker überprüfen – istock 841129812 © AzmanJaka

Blutzuckerwerte – das müssen Sie wissen

Der Blutzucker sollte regelmäßig überprüft werden, um hohen Werten schnell entgegenzuwirken und Folgeerkrankungen zu vermeiden. Daran können Sie auch erkennen, wie gut Ihre Therapie funktioniert oder ob Sie etwas ändern müssen. Für Typ-2-Diabetiker, die keine Medikamente einnehmen oder mit Metformin gut eingestellt sind, reicht meist die regelmäßige Kontrolle des HbA1c-Wertes alle drei Monate durch den Arzt aus. Diabetiker, die auf Insulin angewiesen sind oder bestimmte andere Antidiabetika einnehmen, sollten häufiger auch mal selbst messen.

Die folgenden Werte und Berechnungsgrundlagen sollten Sie deshalb kennen:

Der Blutzucker sollte bei Typ-2-Diabetikern nüchtern meist zwischen 100 bis 125 mg/dl (5,6 bis 6,9 mmol/l) liegen. Bei Gesunden liegt der Nüchtern-Blutzuckerwert unter 110 mg/dl (< 6,1 mmol/l) und zwei Stunden nach dem Essen unter 120 mmg/dl (6,7 mmol/l). Bei einem Nüchternwert von ≥126 mg/dl (≥7,0 mmol/l) liegt eine diabetische Stoffwechesllage vor. Wenn Sie insulinpflichtig sind, müssen Sie Ihren Blutzuckerwert abhängig von der Therapieform in gewissen Abständen selbst bestimmen. Ihr Arzt wählt mit Ihnen gemeinsam die für Sie am besten geeignete Therapie aus.

Der Blutzuckerlangzeitwert HbA1c gibt Hinweise darauf, wie gut der Blutzucker in den vergangenen zwei bis drei Monaten eingestellt war. Ist der HbA1c-Wert niedrig, war der Blutzucker in den Wochen zuvor im Durchschnitt nicht zu hoch. Ein guter HbA1c-Wert bedeutet aber nicht, dass sich der Blutzucker immer innerhalb der angestrebten Werte bewegt: Sehr starke Blutzuckerschwankungen nach oben und unten können am Ende ebenfalls zu einem ausgewogenen HbA1c-Wert führen. Die regelmäßige Überprüfung des HbA1c-Wertes sollte das tägliche eigenständige Blutzuckermessen daher nicht ersetzen.

Für die Behandlung spielt der HbA1c-Wert aber eine wichtige Rolle. Im Therapieplan vereinbaren Sie mit Ihrem Arzt Ihr persönliches Ziel für den HbA1c-Wert. Dieser Wert wird in regelmäßigen Abständen immer wieder von Ihrem Arzt überprüft. Liegt der HbA1c auf Dauer im Zielbereich, ist das Risiko für Spätschäden deutlich geringer. 

Wie oft müssen Diabetiker Blutzucker messen?

Ob und wie oft Sie messen sollten, hängt von der Erkrankung und Ihrer Therapie ab: Sind Sie an Typ-2-Diabetes erkrankt und nehmen keine Medikamente, kann es reichen, Ihren HbA1c-Wert alle drei Monate von Ihrem Arzt messen zu lassen. Spritzen Sie Insulin und müssen Sie die Menge selbstständig an Ihren Bedarf anpassen, sollten Sie mehrmals täglich Ihre Werte messen. Grundsätzlich wird Ihr Arzt Sie darüber informieren, in welchen Abständen das Blutzuckermessen für Sie tatsächlich notwendig ist.

Unterzucker und Überzucker – wenn der Stoffwechsel entgleist

Bei der Behandlung von Diabetes läuft nicht immer alles nach Plan. Es kann zum Beispiel zu sogenannten Stoffwechselentgleisungen kommen, wenn der Blutzucker zu tief abfällt oder zu hoch ansteigt. Das betrifft vor allem Patienten, die Insulin spritzen oder bestimmte blutzuckersenkende Medikamente, beispielsweise Sulfonylharnstoffe, einnehmen, die auf die Insulinproduktion wirken. Es gibt auch blutzuckersenkende Tabletten, insbesondere Metformin, die an anderen Stellen des Zuckerstoffwechsels eingreifen. Bei ihnen kann es nicht zu einer Unterzuckerung kommen.

Hinweis: Bei starker Unter- oder Überzuckerung sollten Sie nicht zögern, den Rettungsdienst zu rufen. Wie Sie Stoffwechselentgleisungen vermeiden, beziehungsweise wie Sie sich in so einem Fall am besten verhalten, lernen Sie in einer Diabetesschulung – zum Beispiel im strukturierten Behandlungsprogramm AOK-Curaplan.

Fällt der Blutzucker zu tief ab, entsteht eine Unterzuckerung, auch Hypoglykämie genannt.

  • Warum: Die Insulinmenge passt nicht zur Menge an Zucker im Blut. Zum Beispiel weil die Kohlenhydratmenge im Essen überschätzt wurde oder weil nach der Insulingabe zu viel Zeit bis zum Essen verstrichen ist. Das erhöhte Insulin führt zu einer verstärkten Aufnahme beziehungsweise Speicherung des Zuckers in Körperzellen und damit gleichzeitig zu einem Abfall des Blutzuckers.
  • Wie hoch: Als Unterzucker gelten bei Erwachsenen Blutzuckerwerte unter 60 mg/dl beziehungsweise 3,3 mmol/l. Für Kinder gibt es altersabhängig andere Grenzwerte.
  • Wie oft: Bei Typ-2-Diabetikern, die kein Insulin spritzen, sehr selten. Bei Typ-1-Diabetikern, leichte Unterzuckerung öfter möglich, schwere Unterzuckerung sehr selten, wenn der Diabetiker gut geschult ist und auf seine Therapie achtet.
  • Anzeichen: Zittern, Herzklopfen, Schweißausbruch, innere Unruhe, Schwäche, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Heißhunger oder Sehstörungen.
  • Gegenmaßnahmen: „Erst essen, dann messen“ lautet die Regel, wenn Sie eine Unterzuckerung spüren. Dann am besten „schnelle“ Kohlenhydrate, wie Cola, zuckerhaltige Limonade, Saft, Trauben- oder Würfelzucker zu sich nehmen. Messen Sie nach einer halben Stunde Ihren Blutzucker. Liegt dieser immer noch unter 120 mg/dl beziehungsweise 6,7 mmol/l, braucht der Körper noch mehr schnelle Kohlenhydrate.

Auch wenn der Blutzucker gut eingestellt ist, kann es passieren, dass er plötzlich zu stark ansteigt. Dann spricht man von Überzuckerung – einer Hyperglykämie.

  • Warum: Eine Überzuckerung kann verschiedene Ursachen haben. Zum Beispiel, weil die Insulinpumpe oder der Pen defekt ist und der Körper deshalb nicht ausreichend Insulin erhält. Aber auch ein Infekt kann den Insulinspiegel senken. Ebenfalls möglich: Falsche Berechnung der Kohlenhydratmenge oder generell zu viele Kohlenhydrate gegessen oder getrunken, wie Süßigkeiten, süße Getränke oder üppige Mahlzeiten.
  • Wie hoch: Bei steigenden Blutzuckerwerten (höher 240 mg/dl beziehungsweise 13,3 mmol/l) kann eine lebensbedrohliche Situation entstehen.
  • Wie oft: Selten, weil Medikamente heutzutage sehr sicher und Patienten gut geschult sind. Erleben Sie dennoch häufig Überzuckerungen, empfiehlt es sich, die Therapie und den Umgang mit dem Diabetes zu überprüfen.
  • Erkennen: Großer Durst, starker Harndrang, Schwäche, Müdigkeit, Benommenheit, Sehstörungen, Übelkeit oder Erbrechen. Bei Typ-1-Diabetikern auch Azetongeruch aus dem Mund.
  • Gegenmaßnahmen: Viel Wasser trinken und bewegen bis der Blutzucker wieder fällt. Insulinpflichtige Diabetiker spritzen zusätzlich eine adäquate Dosis Insulin und kontrollieren den Blutzucker. Typ-1-Diabetiker sollten außerdem den Urin auf Azeton testen. Ist er nachweisbar, dann sollten Sie sofort einen Arzt informieren. Diabetiker, die zusätzlich an einer Herzschwäche oder einer Nierenfunktionsstörung erkrankt sind, sollten ihre Trinkmenge grundsätzlich mit ihrem Arzt abstimmen.

Diabetes-Tagebuch: Den Blutzucker dokumentieren

Ein Diabetes-Tagebuch hilft insulinpflichtigen Patienten, ihren Stoffwechsel im Blick zu haben. Tragen Sie darin regelmäßig Ihre Blutzuckerwerte und Ihre Insulindosis ein. So können Sie auch nachvollziehen, wie Ihr Stoffwechsel zum Beispiel auf Sport, Stress oder Medikamente reagiert. Bei häufigem Unter- oder Überzucker ist das Tagebuch hilfreich, um möglichen Ursachen besser auf die Spur zu kommen. Ihr Arzt kann damit erkennen, ob die Therapie angepasst werden muss.

Diabetes-Tagebuch für Diabetiker, die Insulin spritzen (PDF, 117 KB)

Diabetes-Tagebuch für Diabetiker mit intensivierter Insulintherapie und für Diabetiker, die Normalinsulin spritzen (PDF, 123 KB)

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