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Plötzlich Diabetes? Zuckerkrank während der Schwangerschaft

Neben dem Ersttrimesterscreening und der Feindiagnostik gehört hierzu auch der Test auf Schwangerschaftsdiabetes. Doch wofür ist dieser Test überhaupt gut? Darüber sprachen wir mit Facharzt Dr. med. Sven Becker vom Diabeteszentrum Erfurt. Warum werden Schwangere auf Gestationsdiabetes getestet? Der Gestationsdiabetes, im Volksmund auch Schwangerschaftsdiabetes genannt, nimmt seit mehreren Jahrzehnten deutlich zu. In Deutschland sind mittlerweile […]

11.07.2018Autor/in: Stefanie RöhlRubrik: Allgemein, Nachgefragt und Nachgehakt 0

Neben dem Ersttrimesterscreening und der Feindiagnostik gehört hierzu auch der Test auf Schwangerschaftsdiabetes. Doch wofür ist dieser Test überhaupt gut? Darüber sprachen wir mit Facharzt Dr. med. Sven Becker vom Diabeteszentrum Erfurt.

Warum werden Schwangere auf Gestationsdiabetes getestet?

Der Gestationsdiabetes, im Volksmund auch Schwangerschaftsdiabetes genannt, nimmt seit mehreren Jahrzehnten deutlich zu. In Deutschland sind mittlerweile 4,6 Prozent aller Schwangeren davon betroffen, das sind ungefähr 40.700 Schwangere. Allein deshalb ist ein solcher Test notwendig. Alle Schwangeren sollten sich zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche einem standardisierten Glukose-Testverfahren unterziehen. Im Einzelfall, beispielsweise bei einer Erstschwangerschaft nach dem 40. Lebensjahr, auch schon deutlich davor.

Wie funktioniert der Test?

Der Test – wir nennen es OGTT, Oraler Glukosetoleranztest – ist ein standardisiertes Verfahren. Am Tag der Untersuchung müssen Sie bis acht Uhr nüchtern in die Praxis kommen. Zunächst wird der Nüchternblutzuckerwert bestimmt, dann dürfen Sie eine 75-Gramm-haltige Glukoselösung trinken. Ein und zwei Stunden danach wird wieder der Blutzuckerwert bestimmt. Für diese insgesamt drei Ergebnisse gibt es Grenzwerte. Wird bereits einer davon überschritten, beispielweise mit einem abnorm erhöhten Nüchternzuckerwert, dann steht die Diagnose Gestationsdiabetes.

Kann jede Frau Gestationsdiabetes bekommen? 

Prinzipiell ja. Es gibt aber verschiedene Faktoren, die das Risiko definitiv beeinflussen. Zum einen ist es das Alter während der ersten Schwangerschaft. Ab dem 25. Lebensjahr steigt das Risiko einen Gestationsdiabetes zu entwickeln. Gibt es Verwandte ersten Grades, die einen Diabetes mellitus Typ 2, den „Altersdiabetes“ haben, dann ist das Risiko allein schon dadurch erhöht. Ein weiterer Faktor ist die ethnische Zugehörigkeit: Asiatische und afrikanische Bevölkerungsgruppen haben ein deutlich höheres Risiko im Vergleich zu den mitteleuropäischen. Bei Frauen, die vor der Schwangerschaft rauchen, ist das Risiko ungefähr 40 Prozent erhöht. Ein anderer Faktor ist der Body-Mass-Index. Auch da wissen wir, dass ab einem BMI von 25, wo Übergewicht beginnt, das Risiko ansteigt. Eine ungesunde Lebensweise scheint durchaus auch eine Rolle mitzuspielen, vor allem im Hinblick auf den Bewegungsmangel sowie eine kohlenhydrat- und kalorienreiche Ernährung.

Wie wird im Falle eines positiven Ergebnisses behandelt? 

Zunächst führen wir ein ärztliches Erstgespräch und klären über den Gestationsdiabetes auf. Wir erörtern, warum eine strukturierte Behandlung und Schulung in einer diabetologischen Schwerpunkteinrichtung notwendig ist. Dazu gehört die Blutzuckerselbstmessung sowie eine Ernährungsschulung, die eine Diabetesberaterin durchführt oder im Arzt-Patienten-Gespräch erfolgt. 80 Prozent kommen mit solchen nicht-medikamentösen Maßnahmen zurecht. Die restlichen 20 Prozent benötigen eine Insulintherapie.

Was passiert, wenn ich mich nach der positiven Diagnose nicht kümmere? 

Wenn sich daraus keine Selbstkontrolle, keine regelmäßige Überprüfung der Werte ergibt, dann hat sowohl die Mutter als auch das Kind erhebliche Risiken, die deutlich von Schwangeren ohne Diabetes abweichen. Zu den Akutrisiken für die Mutter zählt ein erhöhtes Infektrisiko. Infektionen in den harnleitenden Systemen sind bis zu siebenmal häufiger. Es können Pilzinfektionen auftreten. Diese Infektionen haben wiederum Konsequenzen für das Kind: Es droht eine Frühgeburt bis hin zum schlimmsten Fall, dem Abort – also dem Abgang des Kindes. Dann gibt es Folgen, die sich unter dem Begriff Eklampsie abspielen. Eklampsie ist ein Begriff für Bluthochdruck, erhöhte Fettwerte, veränderte Leberfunktion. Auch daraus können sich Frühgeburten ergeben.

Auf Seiten des Kindes ist es vor allem das abnorm erhöhte Kindswachstum: Die Kinder werden teilweise mit einem Geburtsgewicht von über 4500 Gramm entbunden. Kaiserschnittentbindungen sind viel öfter notwendig als bei gesunden Schwangeren. Bei der Geburt können Komplikationen auftreten, angefangen vom Dammriss bei der Mutter bis hin zu Anpassungsstörungen beim Kind direkt nach der Geburt. Unbehandelte Schwangere mit Gestationsdiabetes können unreife Kinder auf die Welt bringen. Die sind zwar äußerlich zu groß, aber sie haben eine nicht abgeschlossene Lungenreifung. Das kann dazu führen, dass das Kind direkt nach der Geburt auf einer Intensivstation behandelt und beatmet werden muss. Auch die sogenannte Neugeborenengelbsucht tritt deutlich häufiger auf, wenn die Patientin nicht behandelt wurde. Kinder von Müttern, die einen Gestationsdiabetes hatten, neigen im Verlauf ihrer Entwicklung zu Übergewicht, was auch mit einem erhöhten Risiko für Diabetes einhergeht. Also es gibt eine Reihe von Akut- und Langzeitrisiken. Von daher ist es immer wichtig, engmaschig die Schwangerschaft medizinisch zu begleiten.

Was passiert nach der Entbindung?

Der Gestationsdiabetes „verschwindet“ nach der Entbindung. 40 bis 60 Prozent derjenigen, die einen Schwangerschaftsdiabetes hatten, werden innerhalb von zehn Jahren einen „richtigen“ Typ-2-Diabetes entwickeln. Die Empfehlung der Deutschen Diabetesgesellschaft ist, drei Monate nach Entbindung den Diabetestest, den Sie während der Schwangerschaft schon durchlebt haben, noch mal zu wiederholen. Ungefähr ein Fünftel der Patientinnen haben zu dem Zeitpunkt einen gestörten Glukose-Test, beispielsweise mit einem erhöhten Nüchternblutzuckerwert. Das ist noch kein Diabetes, aber ein auffälliger Wert. Und daraus ergibt sich die Konsequenz, jährlich ein Vorsorgescreening durchzuführen.

Welche Angebote gibt es für AOK-PLUS-Versicherte? 

Für Schwangere, die einen Gestationsdiabetes haben und in der AOK PLUS versichert sind, gibt es eine Reihe von Behandlungsprogrammen: Umfassende Schulungen, Ernährungsberatung, Einzelstunden zu den Themen Ernährung und Bewegung. Sie sind sehr individuell auf die Bedürfnisse der einzelnen Patienten abgestimmt und es entstehen für die Versicherten der AOK PLUS keinerlei Mehrkosten.

Neben dem Test auf Schwangerschaftsdiabetes gibt es noch weitere Vorsorgeuntersuchungen, die
die AOK PLUS übernimmt. Welche das genau sind, erfahrt ihr in der Übersicht.

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