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Kassenärzte im neuen Bereitschaftsmodus

„Durchschnittlich vierzig Patienten pro Tag haben wir bisher in der Notaufnahme unseres Krankenhauses behandeln müssen, in der Skisaison sogar bis zu 120 täglich,“ sagt Thomas Scholz, der stellvertretende ärztliche Direktor des Erzgebirgsklinikums in Annaberg. „Und längst nicht alle gehörten wirklich in die Hände der Notärzte.“Dass der Mediziner von diesem Zustand in der Vergangenheitsform spricht, hat […]

24.07.2018Autor: Hannelore StrobelRubrik: Versorgung und Innovation 2

„Durchschnittlich vierzig Patienten pro Tag haben wir bisher in der Notaufnahme unseres Krankenhauses behandeln müssen, in der Skisaison sogar bis zu 120 täglich,“ sagt Thomas Scholz, der stellvertretende ärztliche Direktor des Erzgebirgsklinikums in Annaberg. „Und längst nicht alle gehörten wirklich in die Hände der Notärzte.“

Dass der Mediziner von diesem Zustand in der Vergangenheitsform spricht, hat einen guten Grund. Seit Anfang Juli betreibt die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen unter dem Dach seines Krankenhauses eine sogenannte Portalpraxis. Im gleichen Gebäude, wo nach wie vor Krankenhausnotärzte Unfallopfer, Herzinfarkt- oder Schlaganfallpatienten aufnehmen, kümmern sich niedergelassen Ärzte aus der Region abends, an Wochenenden und Feiertagen im Bereitschaftsmodus um Patienten, deren Diagnose und Behandlung nicht bis zum nächsten Werktag warten kann.

„Das ist eine überfällige Neuerung in der medizinischen Versorgung, die gut für alle ist,“ meint Anja Dietel, die Regionalgeschäftsführerin der AOK PLUS, die zur feierlichen Inbetriebnahme der Bereitschaftspraxis gekommen war.

„„Patienten werden nach wie vor gut behandelt. Und sowohl niedergelassene als auch Krankenhausärzte können sich auf ihre jeweiligen Spezialgebiete konzentrieren.““

von Anja Dietel, Regionalgeschäftsführerin AOK PLUS

Dass es einer gewissen Überzeugungsarbeit bedurfte, um „seine Niedergelassenen“ für die Arbeit in der  Bereitschaftspraxis zu gewinnen, gibt Dr. Axel Rausendorff unumwunden zu. Er ist der ärztliche Leiter der neuen Institution in Annaberg und musste sich mit Vorbehalten seiner Berufskollegen wegen der langen Wege für Hausbesuche, wegen der Haftung und einiger anderer Fragen auseinandersetzen.

„Aber wer hier einmal Dienst getan hat, wird schnell überzeugt sein von dieser Praxis. Den Fahrdienst bei notwendigen Hausbesuchen übernehmen medizinisch ausgebildete Assistententen. Verbrauchsmaterial ist immer da. Um die Dienstplanung kümmert sich die KV. Für die tägliche Praxisorganisation gibt es eine Schwester – was will man als Bereitschaftsarzt mehr.“

Apropos Organisation. Krankenhausarzt Thomas Scholz spricht aus, was seiner Meinung nach viele Praktiker denken: „Noch bessere Effekte hätten wir, wenn es von vornherein eine einheitliche Koordinierung aller Notfälle in den Rettungsleitstellen gäbe. Dort müsste ein Mediziner sitzen, der mit seinem Sachverstand direkt entscheidet: muss der Rettungsdienst mit dem Notarzt raus, oder reicht es, wenn der Bereitschaftsarzt am Samstagabend zum Hausbesuch kommt, oder kann der Anrufer in die Bereitschaftspraxis im Krankenhaus kommen.“

Zukunftsmusik. Aber vielleicht kein ferner Traum, angesichts der Tatsache, dass der Begriff Bereitschaftspraxis langsam in der Umgangssprache ankommt. Am 25. Juli wird in Zschopau die nächste feierlich eröffnet.

Kommentare (2)

  • Hannelore Strobel

    am 31.07.2018 um 09.35 Uhr

    Guten Morgen Herr CH,
    im Text für einen Blogbeitrag darf man hin und wieder das Verlautbarungsdeutsch von offiziellen Pressemitteilungen umgehen – dachte ich. Ein Hauptsatz ist der Satz, den Sie persönlich unverständlich finden, ja trotzdem.
    Frisch gewagt (und halb gewonnen an ersten Erfahrungen) haben in Annaberg die bislang parallel in den Sektoren „ambulant“ und „stationär“ arbeitenden Ärzte … Routinemäßig wird das meist als Überwindung der Sektorengrenzen beschrieben. Mein Bild war halt das Hand-in-Hand-Arbeiten, wo Eines ins Andere greift. Aber darauf will ich gar nicht beharren. Wir können uns gern einigen auf „sektorenübergreifende Zusammenarbeit“.
    Bleiben Sie bitte weiterhin ein interessierter und kritischer Leser unseres Blogs. Kommentare und Diskussionen sind immer gut.
    Freundlich grüßt
    Hannelore Strobel

  • MarcusCH

    am 31.07.2018 um 09.18 Uhr

    Sorry, aber ich verstehe die Einleitung zum Artikel nicht. Was bedeutet ein „frisch gewagten Sektorenübergriff“. Ein Hauptsatz täte dem Text gut.

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