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Zukunftswerkstatt – und nun?

Von Januar bis Mai haben sich die Akteure des sächsischen Gesundheitswesens zusammengesetzt und darüber gesprochen, was die größten Herausforderungen sind, denen die Krankenhäuser in Sachsen derzeit gegenüberstehen. Personal? Finanzierung? Digitalisierung? Die Antwort: Ja.

21.06.2021Autor/in: Matthias GottschalkRubrik: Presse und Politik, Versorgung und Innovation 0

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“, sagte Helmut Schmidt einmal. Wenn es nach dem ehemaligen Bundeskanzler geht, sollten die TeilnehmerInnen der sächsischen Zukunftswerkstatt ihren Hausarzt aufsuchen. Denn gemeinsam haben Sie eine Vision der sächsischen Krankenhauslandschaft während der sechs Workshops entwickelt. Und wollen so sicherstellen, dass auch zukünftig der Gang zum Krankenhaus-Arzt möglich ist. Auch wenn man Visionen hat.

Demografischer Wandel

Das Ziel und den Zweck der sächsischen Zukunftswerkstatt haben wir bereits in einem ersten Beitrag dargestellt. Die Notwendigkeit dafür ist während der sechs Workshops auch deutlich geworden, denn die Probleme sind vielfältig. Zwar steht die sächsische Krankenhauslandschaft dank kluger Entscheidungen der 1990er-Jahre im bundesvergleich gut da. Aber auch im Freistaat machen sich die bundesweit vorhandenen Herausforderungen bemerkbar, verschärft zum Beispiel im Bereich Personal. Und das auch aus mehrerer Hinsicht. Denn der demografische Wandel, der nicht nur eine Veränderung im medizinischen Leistungsspektrum nach sich zieht, senkt auch das Potential an Fachkräften. Neben der Stärkung der Attraktivität der Berufe muss der Fachkräftemangel in die künftigen Strukturplanungen mit einfließen. Nur so kann das vorhandene Personal bestmöglich eingesetzt werden.

Effizienz, Nachhaltigkeit, Finanzierung

Effizienz beschränkt sich nicht nur auf den Bereich Personal. Auch die Versorgungsstrukturen müssen an die Gegebenheiten angepasst werden. Vorhandene Ressourcen effizient nutzen, wirtschaftlich arbeiten und vor allem eine nachhaltige Finanzierung sicherstellen. Gerade letzteres stellt jedoch eine Herausforderung dar. Denn aufgrund der sich abflauenden Konjunktur können die Krankenhäuser nicht mit mehr Finanzmitteln rechnen, das hat die sächsische Sozialministerin Köpping bereits klargestellt. Aus Sicht der AOK PLUS braucht es verbindliche rechtliche Vorgaben, wer welchen Teil der Finanzierungen übernimmt. Auch die Krankenkassen könnten sich im Bereich der Investitionskostenfinanzierung beteiligen.

Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Versorgungsqualität. Der Heilungserfolg medizinischer Behandlungen steht dabei im Mittelpunkt. Wie kann dieser verbessert werden, auch im Hinblick der vorhandenen Ressourcen? Gestufte Versorgungsstrukturen und die Identifizierung komplexer Leistungsbereiche sind da ein guter Weg. Je komplexer eine Behandlung, desto spezialisierter sind die Krankenhäuser, welche diese anbieten. Dafür braucht es dann qualitative und rechtssichere Struktur- und Prozessvorgaben, an denen sich künftige Krankenhausplanungen ausrichten können.

Die Menschen mitnehmen

Das alles funktioniert aber nicht, wenn man eines außer Acht lässt: die Menschen. Effiziente Strukturen und Spezialisierung von Leistungen klingt stark nach einem Wegfall ortsnaher medizinischer Angebote. Das wäre den Menschen vor Ort nicht zu vermitteln. Dass spezialisierte Leistungen in Zentren erbracht werden, ist sinnvoll. Eine ortsnahe Grund- sowie Notfallversorgung muss aber in ganz Sachsen sichergestellt sein. Mit Hilfe der Digitalisierung sowie der Einrichtung von Netzwerken (wie dem Schlaganfallnetzwerk Ostsachen) lässt sich eine hochqualifizierte Versorgung auch in ländlichen Regionen erbringen, ohne dabei die vorhandenen Ressourcen über Gebühr zu belasten.

Und nun?

Viel Arbeit liegt vor den Akteuren des sächsischen Gesundheitssystems. Arbeit, die nach den sechs Workshops ohne Verzögerung fortgesetzt wurde. Denn das Ziel ist ambitioniert: im Frühling 2022 soll das neue sächsische Krankenhausgesetz verabschiedet werden. Bis dahin wird in einem ersten Schritt das Zielbild der sächsischen Krankenhausversorgung im Jahr 2030 erstellt und dem sächsischen Sozialministerium vorgelegt. Auf dessen Grundlage wird dann ein Entwurf für das Krankenhausgesetz erarbeitet, welcher dann den legislativen Weg geht. Und so wird aus einer Vision Realität. Ganz ohne ärztliche Behandlung.

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