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Neue Chancen in der Selbsthilfe

Nähe, verständnisvoller Umgang und gegenseitiger Austausch – davon lebt die Selbsthilfe. Vielen Selbsthilfegruppen in Sachsen und Thüringen gelang es auch während des Lockdowns im Austausch zu bleiben. Die Selbsthilfeakademie Sachsen unterstützte dabei mit ihren Weiterbildungen, die Selbsthilfe digital fit zu machen.

25.11.2021Autor/in: Maxi RudolphRubrik: Allgemein, Grüner Kosmos und AOK-Welt 0

Neuland digitale Medien

Der Austausch von Wissen und Erfahrung hilft behinderten sowie chronisch kranken Menschen mit körperlichen und psychischen Problemen sowie ihren Angehörigen, ihre Situation anzunehmen. Doch statt hilfreicher Gruppentreffen zwingt die Corona-Pandemie viele Betroffene eher in die Isolation. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich einige Selbsthilfegruppen in den letzten zwei Jahren aufgelöst haben. Anderen Betroffenen ist es hingegen gelungen, neue Gruppen zu gründen – dies insbesondere zu den Schwerpunkten Depression, soziale Ängste und Long-Covid-Folgen. Für viele Selbsthilfegruppen ist es völlig neu, sich digital zu treffen. Carolin Schulz, Referentin für Selbsthilfe beim Paritätischen Sachsen, berichtet: „Messenger-Dienste wie WhatsApp werden mittlerweile von einigen Selbsthilfegruppen verwendet, um sich auszutauschen und auch mal eine Videokonferenz zu zweit oder in der Kleingruppe durchzuführen.“ Junge Betroffene nutzen zudem Facebook und Instagram für den Austausch und zur Bewerbung für neue Mitglieder. „Auffällig ist, dass sich Jüngere eher in Blogs und Foren mitteilen, anstatt in Selbsthilfegruppen aktiv zu sein. Bei Gruppen mit älteren Menschen fehlt es leider oft an der technischen Ausstattung oder schlichtweg dem Wissen im Umgang mit digitalen Medien“, so Carolin Schulz.

Fit machen für die Digitalisierung

Genau hier setzt die Selbsthilfeakademie Sachsen mit ihren kostenfreien Weiterbildungen an. Sie bietet viele spannende Impulse für die Gruppenarbeit und zu digitalen Anwendungen. Seit 2019 fördern die AOK PLUS und weitere Kooperationspartner die Akademie. Menschen in der Selbsthilfe fit machen für die Digitalisierung, lautet eines ihrer Ziele. Aufgrund der Corona-Pandemie musste das Projektteam selbst von analog auf digital umsteigen – und das mit Erfolg. Die Angebote werden weiterhin sehr gut angenommen. Karolin Amlung, Projektleiterin der Selbsthilfeakademie Sachsen, fasst die Vorteile von Online-Angeboten zusammen: „Richtig genutzt können digitale Anwendungen die persönliche Selbsthilfearbeit vor Ort wunderbar unterstützen. Beispielsweise können Gruppenmitglieder aus ländlichen Regionen erreicht werden, man kann Zeit für Fahrtwege sparen und potentielle neue Mitglieder ansprechen.“ Allerdings sei eine gute Internetverbindung im ländlichen Raum nicht immer gewährleistet und nicht jedes Online-Tool ist für alle Menschen in der Selbsthilfe nutzbar. So gibt es nur wenige Videokonferenzsysteme, die eine deutschsprachige Untertitelung für Gehörlose ermöglichen, und zugleich für blinde Menschen interaktive Beteiligungsmöglichkeiten wie einen Chat integriert haben. So bleibt die Barrierefreiheit auch für die digitalen Medien ein Dauerthema in der Selbsthilfe.

Junge und Digitale Selbsthilfe

Dass die Selbsthilfe digital aktiver wurde, ist auch bei der AOK PLUS zu spüren, welche die Strukturen und Aktivitäten der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe durch finanzielle und infrastrukturelle Hilfen seit mehr als 30 Jahren fördert und unterstützt. „Für Präsenzveranstaltungen oder Büromaterialien beantragte Mittel wurden von vielen Gruppen neu verwendet, z. B. für die Aktualisierung der Homepage, neue Hardware oder Lizenzen für digitale Konferenzsysteme“, weiß Ute Milczynski, Fachberaterin Selbsthilfeförderung bei der AOK PLUS. Knapp 1.600 Pauschalförderanträge erreichten die Experten der Gesundheitskasse aus Sachsen und Thüringen in 2021. Hinzu kamen rund 120 Projektanträge. Schwerpunkte bei dieser kassenindividuellen Förderung sind unter anderem die Junge Selbsthilfe und die Digitale Selbsthilfe. Bei Letzterer geht es darum, digitale Anlaufstellen aufzubauen sowie neue Austausch- und Weiterbildungsformate zu etablieren – wie mit der Selbsthilfeakademie Sachsen erfolgreich angegangen. In Thüringen unterstützen die AOK PLUS sowie weitere Kooperationspartner mit „Selbsthilfe im Dialog“ ebenfalls eine Fortbildungsreihe, die sowohl Online-Seminare als auch Vor-Ort-Schulungen beinhaltet.

In der Antragstellung auf Förderung stehen die Zeichen ebenfalls auf digital. Derzeit wird an der Entwicklung einer Datenbank gearbeitet, die nicht nur als Verwaltungsinstrument dienen, sondern auch die digitale Antragsstellung ermöglichen soll. „Im Rahmen der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe arbeiten alle gesetzlichen Krankenkassen zusammen, schließlich ist die Unterstützung der Selbsthilfe ihre Pflichtaufgabe“, so Ute Milczynski.

So hilfreich digitale Anwendungen auch sind, sie werden Selbsthilfetreffen nicht ersetzen, sondern sind eine sinnvolle Ergänzung. Carolin Schulz bringt es auf den Punkt: „Digitale Anwendungen sind eine Chance und ein Gewinn in Lockdown-Zeiten und besonders für Menschen, die ihr Zuhause nicht so leicht verlassen können. Videokonferenzen und ähnliches werden aber niemals die Nähe und Lebendigkeit im Kontakt unter den Gruppenmitgliedern vor Ort ersetzen.“

Basierend auf einer gesetzlichen Grundlage (§ 20h SGB V) erfolgt die Förderung der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe über pauschale Zuschüsse oder als Projektförderung. Mit über 4 Millionen Euro unterstützte die AOK PLUS in 2021 die Selbsthilfeaktivitäten in Sachsen und Thüringen. Im Rahmen der kassenindividuellen Projektförderung profitierenSelbsthilfekontaktstellen, Landesorganisationen der Selbsthilfe sowie regionale Selbsthilfegruppen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Soziale Netzwerk Lausitz – Weiterentwicklung der Selbsthilfe-App Likewise
  • Leipziger Bündnis gegen Depression – Neue Zugangswege in der Selbsthilfe

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