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Arzneimittel: Aktuelle Preisstruktur lässt Kosten steigen

Arzneimittel sind nach den Krankenhausbehandlungen der zweitgrößte Posten im 12-Milliarden-Haushalt der AOK PLUS. Im Jahr 2020 hat die Gesundheitskasse ca. 2,28 Milliarden Euro für Arzneimittel ausgegeben. Umgerechnet waren das rund 670 Euro pro Versicherten.

22.03.2021Autor/in: Jenny FüstingRubrik: Versorgung und Innovation 0

Anstieg der Arzneimittelkosten

Die Ausgaben für Arzneimittel in Sachsen und Thüringen sind im Vergleich zum Vorjahr um 165 Millionen Euro (+ 7,8 Prozent) gestiegen. Der Anteil der Verordnungen blieb dabei fast konstant.

Diese Entwicklung betrifft nicht nur die AOK PLUS, sondern die Ausgaben sind im gesamten AOK-Verband im Durchschnitt um sechs Prozent gestiegen. Wie Analysen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) ergaben, sind da­für vor allem neu zugelassene, patentgeschützte Arzneimittel verantwortlich, deren Preis die Hersteller im ersten Jahr nach der Zulassung frei festlegen können.  Insgesamt kosteten diese patentgeschützten Arzneimittel rund 21 Milliarden Euro. Jeder zweite Euro fließt somit in dieses Arzneimittelsegment, wobei damit nur 6,5 Prozent der Versorgung abgedeckt werden.

Neue, teure Medikamente

Das Problem der stetigen Kostensteigerung besteht also nicht darin, dass sich die Abgabemengen oder die Ausgaben im Bestandsmarkt exorbitant verändern, sondern dass neue, teure Medikamente auf den Markt kommen. Und dabei ist jede vierte Neuheit ein Hochpreismedikament. Die vor zehn Jahren geschaffene Preisbildungsstruktur für neue Medikamente im Rahmen des Arzneimittelneuordnungsgesetzes (AMNOG) toleriert oder begünstigt diese Entwicklung.

AMNOG und seine Schwächen

Der Bundespolitik ist das Problem bekannt, nur sieht sie bisher keinen Handlungsbedarf. Aktuell entscheidet der Hersteller im ersten Jahr selbst, zu welchem Preis er das Medikament anbietet und hat dabei natürlich im Blick, Entwicklungskosten und die zukünftige Preispositionierung in Stellung zu bringen. Auch sind die Kriterien, die den Zusatznutzen eines neuen Medikaments gegenüber bereits existierenden Arzneimitteln für eine Erkrankung offenlegen sollen, unzureichend und das Verfahren zu lang. So ist es möglich, dass eine neue Darreichungsform für den erneuten Patentschutz bereits ausreicht und das gleiche Medikament weiterhin überteuert auf dem Markt vertrieben wird.
Meinung der AOK PLUS: Eine Dekade nach Inkrafttreten des Arzneimittelneuordnungsgesetzes (AMNOG) muss das Verfahren auf den Prüfstand. Die Gewinne der Pharmaindustrie dürfen nicht zu Lasten der Solidargemeinschaft der Gesetzlichen Krankenversicherung gehen.

Faires Preisbildungsmodell der AOK

Der Vorschlag der AOK-Gemeinschaft sieht vor, den Zeitraum des bisherigen AMNOG-Prozesses zu verkür­zen. Das Verfahren soll bereits kurz vor dem Marktzugang beginnen und neun Monate nach der Zulassung enden. In diesem Zeitraum sollen die Hersteller künftig den Preis nicht mehr frei wählen können. Stattdessen soll sich der Startpreis sofort nach Markteinführung an den Vergleichstherapien orientieren und nur bei einem nachgewiesenen Zusatznutzen und einem berechtigt hohen Abgabepreis die Differenz nachträglich an die Hersteller zurückgezahlt werden. Zudem fordert die AOK, dass Arzneimittel, die in einem beschleunigten Zulassungsverfahren auf den Markt gekommen sind, den Patienten vorbehalten sein soll­en, für die es keine Therapiealternativen gibt. Diese Arzneimittel sollten nur von beson­ders qualifizierten Ärzten in spezialisierten Behandlungszentren verordnet werden.

Hochpreismedikament Zolgensma 

Ein medial sehr bekanntes Beispiel ist das Hochpreismedikament Zolgensma. Diese Gentherapie war zur Behandlung von Spinaler Muskelatrophie noch nicht für den europäischen Markt zugelassen, als sie erstmals in Deutschland zur Anwendung kam. Die äußerst seltene Erkrankung tritt bei Babys bzw. Kleinkindern auf und verläuft unbehandelt tödlich. Die Erfahrungen mit der in den USA beschleunigt zugelassenen Therapie waren und sind bisher begrenzt. Und trotzdem stimmten mehrere deutsche Krankenkassen, darunter auch die AOK PLUS, Anfang 2020 der Kostenübernahme zu, um Kindern, welche die seltene Krankheit haben, die Behandlung zu ermöglichen. Die Therapie für ein Kind kostet über 2 Millionen Euro.

Solidargemeinschaft stärken

Zolgensma verdeutlicht das Dilemma vor dem die Krankenkassen bei hochpreisigen Medikamenten heute immer wieder stehen: Die Kosten so gering wie möglich halten, die Solidargemeinschaft nicht überlasten, jedoch gleichzeitig sehr spezialisierte Behandlungen ermöglichen – auch bei seltenen Erkrankungen. Auch müssen Arzneimittelhersteller finanziell ausreichend motiviert werden, damit diese weiter forschen und neue Arzneimittel entwickeln. Die AOK PLUS meint: Nur ein neues, faires Preisbildungsmodell, dass sich deutlicher am neuen Nutzen des Medikaments und an vergleichbaren, bestehenden Therapien orientiert, ist die Voraussetzung für die weitere gute, bezahlbare Versorgung mit Arzneimitteln.

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