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„Im Moment eines Ausbruchs kann ich sowieso nichts ändern.“ – Wie Kinder und Eltern den Umgang mit ADHS lernen

Der Wechsel vom Kindergarten in die Grundschule ist für viele Eltern von ADHS-Patienten der Punkt, an dem sie merken, dass ihr Kind anders ist als die Klassenkameraden. Peggy Sielaff kennt das. Nachdem ihre Tochter eingeschult worden war, zeigten sich vermehrt Symptome, die auf ADHS hindeuteten. Das Mädchen konnte sich beispielsweise schwer konzentrieren, stand mitten im […]

24.06.2019Autor/in: Katja ZeidlerRubrik: Versorgung und Innovation 0

Der Wechsel vom Kindergarten in die Grundschule ist für viele Eltern von ADHS-Patienten der Punkt, an dem sie merken, dass ihr Kind anders ist als die Klassenkameraden. Peggy Sielaff kennt das. Nachdem ihre Tochter eingeschult worden war, zeigten sich vermehrt Symptome, die auf ADHS hindeuteten. Das Mädchen konnte sich beispielsweise schwer konzentrieren, stand mitten im Unterricht auf und ging zum Fenster, wenn draußen die Feuerwehr mit Tatütata vorbeifuhr.

Spezialist im Erzgebirge

Solche Unkonzentriertheit im Unterricht oder bei den Hausaufgaben, Unruhe und Sprunghaftigkeit, aber auch eine niedrige Frustrationsschwelle und explosive Wutausbrüche gehören zu Symptomen, die bei auffälliger Häufigkeit auf ADS oder ADHS hindeuten können. Peggy Sielaff stellte ihre Tochter schließlich bei Dr. Jürgen Prager in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Erzgebirgsklinikums in Annaberg vor und erhielt die Diagnose – ein Moment der Erleichterung. „Man zweifelt irgendwann an sich selbst und fragt sich: Bin ich unfähig, ein Kind zu erziehen?“, erinnert sie sich.

„Einer ADHS-Diagnose geht eine ganze Reihe an Tests voraus“, erklärt Dr. Prager. Dazu gehört ein mehrtägiger stationärer Aufenthalt in der Klinik, bei dem der Patient auf den Kopf gestellt wird: körperliche Untersuchung, Blutuntersuchung, Intelligenztest, Verhaltensbeobachtung, Leistungstest. Dazu kommt eine genaue Analyse des sozialen Umfeldes und zahlreiche Fragebögen, die von Eltern, Lehrern und Erziehern ausgefüllt werden müssen.

Positive Erlebnisse stärken die Bindung

Medikation ist ein sehr wichtiger Teil der Behandlung von Menschen mit ADS oder ADHS, aber keinesfalls der einzige, sagt Dr. Prager. Er klärt Patienten und Eltern umfangreich über das Krankheitsbild und den Umgang damit auf. Darüber hinaus ist ein Verhaltenstraining für die Familien eine große Hilfe. „Denn vor allem die Impulsivität von Menschen mit ADHS wird von ihrem Umfeld als störend empfunden“, sagt der Chefarzt. Die Anerkennung positiver Eigenschaften und guter Leistungen der Betroffenen ist deshalb umso wichtiger.

Und auch Eltern profitieren von Beratungs- und Therapieangeboten, bestätigt Peggy Sielaff: „Man wird als Eltern entspannter und weiß, dass man im Moment eines Ausbruchs die Situation sowieso nicht ändern kann.“

Die AOK-Gemeinschaft hat für Eltern von Kindern mit ADHS sowie alle Eltern in schwierigen Erziehungssituationen ein zusätzliches Hilfsangebot geschaffen. Der ADHS-Elterntrainer ist ein wissenschaftlich fundiertes Online-Programm und bietet umfassende und kostenlose Unterstützung für Mütter und Väter, die durch Verhaltensprobleme ihrer Kinder besonders belastet sind.

Anhand von 44 Filmsequenzen zu Situationen aus dem Familienalltag wird erklärt, wie Eltern z.B. Wutanfälle der Kinder, Probleme beim Erledigen der Hausaufgaben, Unruhe beim Essen oder Geschwisterstreit entschärfen können und wie sie sich dabei richtig verhalten. Weiterhin hilft der Elterntrainer den Erwachsenen dabei, trotz des Stresses die Beziehung zu ihrem Kind zu stärken und gemeinsam positive Erlebnisse zu schaffen.

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