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Anders digital: Junge Kolleginnen und Kollegen denken die GKV neu

Durch zwei pandemiebedingte Terminverschiebungen liegt der diesjährige Health Insurance Hackathon in Leipzig symbolträchig am Ende einer Legislaturperiode, in welcher der Bundesgesundheitsminister die gesetzlichen Krankenkassen ordentlich auf Trab gehalten hat.

06.09.2021Autor/in: Katja ZeidlerRubrik: Grüner Kosmos und AOK-Welt, Versorgung und Innovation 1

Vor allem die Digitalisierung im Gesundheitswesen wollte Jens Spahn voranbringen. Am Ende des Hackathons steht fest: Wenn sie könnten, würden die mehrheitlich jungen Kolleginnen und Kollegen die gesetzliche Krankenversicherung noch ganz anders durchschütteln. Aber der Reihe nach.

Mein Problem? Unser Problem!

In guter Hackathon-Tradition finden sich Teams zu elf verschiedenen Herausforderungen, eingebracht von sechs gesetzlichen Krankenkassen. Es geht um Nachhaltigkeit, chronische Erkrankungen, Self-Services für Versicherte, individuelle Gesundheitsziele, digitale Gesundheitskompetenz und noch mehr.

Welche Hacker*innen zu welcher Krankenkasse oder welchem Unternehmen „gehören“ und aus welchem Haus die Fragestellungen kommen, ist ziemlich schnell egal. Herausforderungen, vor denen die AOK PLUS steht, finde ich in Aufgaben wieder, die Wettbewerber mitgebracht haben. Teams mischen sich unkompliziert zusammen. Meinen Eindruck bestätigt meine Kollegin Sophie Kohlsche: „Ich habe das Gefühl, dass das hier unsere gemeinsamen Probleme sind und nicht die Probleme von einzelnen Krankenkassen.“

Im kreativen Strom

40 Stunden bleiben von der Teamfindung bis zum Pitch vor der Jury. Mein Kollege Frank Vieweg, der im Februar den „Hack4Health“ in der AOK PLUS auf die Beine gestellt hat, landet spontan bei einem ganz anderen Thema als ursprünglich geplant und ist trotzdem begeistert: „Den kreativen Strom in der Gruppe bis hin zu einem fertigen Clickdummy zu erleben, ist einfach atemberaubend. Das Gefühl wirksam sein zu wollen lässt jeglichen Strukturegoismus außen vor.“

Er und seine Mitstreiter*innen beschäftigen sich intensiv mit der Frage, wie Angehörige und Freund*innen in Versorgungs- und Genesungsprozessen von Patient*innen einbezogen werden können. Herausgekommen ist eine App, die Patient*innen, Ärzt*innen, Therapeut*innen und das Unterstützer*innennetzwerk gemeinsam nutzen. Ob sich so eine Idee an die elektronische Patientenakte anbinden lässt? Die richtigen Ansprechpartner*innen von BMG und GKV sind auf jeden Fall direkt vor Ort.

Gesundheitsförderung ohne Grenzen

Einen der vier Preise gewinnt das Team dann nicht, aber wie Organisator Martin Blaschka so schön sagt: Hier sind alle Gewinner. Die Abstimmung zum Publikumspreis zieht sich in die Länge, weil die beiden Erstplatzierten sich minutenlang ein Kopf-an-Kopf-Rennen auf dem Balkendiagramm liefern. Es gewinnt „MyBony“, das – Achtung – kassenübergreifende Bonusprogramm für individuelle Gesundheitsziele.

Die nächste preiswürdige Wir-Idee kommt von Team „Nachhaltigkeit“, das für das innovativste Konzept ausgezeichnet wird. Patin Sophie Kohlsche teilt zwar nicht die Einschätzung der Jury, dass der Klimawandel die GKV erst mittelbar betreffen werde, freut sich aber trotzdem über die Auszeichnung für das „EcoBoard“, das Krankenkassen mit allerhand Infos rund um Nachhaltigkeit versorgt: „Ich denke, wir haben einen großen Hebel, wenn sich alle Krankenkassen des Themas annehmen und Nachhaltigkeit als Grundlage für die Gesundheit aller anerkennen.“

Die GKV der Zukunft

Den Preis für das beste gesundheitsökonomische Konzept überreicht Dr. Ulf Maywald, Geschäftsbereichsleiter Arzneimittel/Heilmittel bei der AOK PLUS und Mitglied der sechsköpfigen Jury. Er geht an das Team, das sich mit der Versorgung von Asthmapatient*innen beschäftigt hat. In ihrem Prototyp fließen Versichertendaten der Krankenkasse und von Patient*innen zugelieferte Daten zusammen, damit das individuelle Erkrankungsrisiko bspw. von Kindern asthmakranker Personen ermittelt werden kann.

„Die rechtliche Umsetzbarkeit klammere ich hier mal aus“, sagt Ulf Maywald augenzwinkernd. Das Angebot stifte einen Nutzen für die Betroffenen und gebe den Krankenkassen theoretisch die Möglichkeit, schnell zu intervenieren. „Diese Rolle soll sich die GKV ziehen“, sagt Maywald, aktuell kann sie sie aber noch nicht ausfüllen.

Für’s SGB nur Utopien?

Was bleibt dann nach dem Ende des Hackathons, außer Präsentationsfolien und Preisen? Können die Ideen, die hier entstanden sind, für die Krankenkassen und ihre Versicherten umgesetzt werden? „Aus Sicht des SGB V sind einige der Entwürfe Utopien – im normalen Leben jedoch keineswegs“, sagt Ulf Maywald. „Im Alltag darf ich entscheiden, wem ich meine Daten anvertraue und warum, doch gegenüber der GKV darf ich das als Versicherter nicht.“ Und er räumt ein: Den Juroren sei es manchmal schwergefallen, sich als GKV-Urgesteine frei von ‚abers‘ zu machen. „Natürlich sieht man bei vielen der gepitchten Lösungen vor dem inneren Auge gleich Fragen zur Umsetzbarkeit, Rechtsgrundlage, Genehmigung durch die Aufsicht etc. ablaufen, die aber zu Recht in so einem Format erstmal keine Rolle spielen sollten.“

Fazit: Junge Menschen – selbst die, die in der GKV tätige SGB V-Expert*innen sind – wünschen sich wie selbstverständlich von ihren gesetzlichen Krankenkassen Services, die von diesen nicht angeboten werden dürfen. Es muss der rechtliche Rahmen weiterentwickelt werden, damit viele der gepitchten Ideen überhaupt erst möglich werden.

Kommentare (1)

  • Frank Vieweg

    am 07.09.2021 um 14.20 Uhr

    Danke für den Beitrag. Es wurden in der Veranstaltung bei fast allen Themen mindestens zwei notwendige Entwicklungen deutlich.
    1. Gesundheitsanliegen zu unterstützen kann nicht an der Grenze des SGB V aufhören und 2. ein unterstützendes Zusammenarbeitsmodell bei einer „Kundenreise“ erfordert das Überwinden struktureller Zugehörigkeit von Organisationen oder deren Teilprozessen. Viel Mut beim Weiterdenken und Entwickeln über die eigenen Grenzen hinaus.

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