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Gesundheitsförderung ist kein Marketing-Gag

Das 2015 in Kraft getretene Präventionsgesetz nimmt die Krankenkassen in die Pflicht: Prävention soll in der Gesundheitsversorgung der Bürger eine zentralere Rolle zukommen, entsprechend mehr Geld sollen die Kassen investieren.Für die AOK PLUS ist das kein finanzieller Quantensprung. Sie hat 2016 bereits über zwölf Euro je Versicherten statt der vom Gesetzgeber geforderten sieben Euro ausgegeben. Denn: „Wir verstehen […]

12.04.2017Autor/in: Katja ZeidlerRubrik: Versorgung und Innovation 2

Das 2015 in Kraft getretene Präventionsgesetz nimmt die Krankenkassen in die Pflicht: Prävention soll in der Gesundheitsversorgung der Bürger eine zentralere Rolle zukommen, entsprechend mehr Geld sollen die Kassen investieren.

Für die AOK PLUS ist das kein finanzieller Quantensprung. Sie hat 2016 bereits über zwölf Euro je Versicherten statt der vom Gesetzgeber geforderten sieben Euro ausgegeben. Denn: „Wir verstehen uns nicht als Reparaturbetrieb“, so Vorstand Stefan Knupfer bei der Pressekonferenz zum neuen Präventionsbericht. Stattdessen zählen Gesundheitsförderung und Prävention seit mehr als 25 Jahren zum Markenkern der AOK PLUS, die mittlerweile jeden Zweiten in Sachsen und Thüringen versichert.

Qualifiziertes Personal ans Unternehmen binden

Sechs Millionen Euro investierte sie allein in die Betriebliche Gesund­heits­för­derung und betreute im vergangenen Jahr insgesamt 1.059 Betriebe mit mehr als 330.000 Beschäftigten.

„In den 90er Jahren waren Firmen in unserem Geschäftsbereich vor allem damit beschäftigt, ihre Existenz zu sichern. Heute sind sie für das Thema Mitarbei­ter­gesundheit sensibilisiert“, sagt Stefan Knupfer. „Gutes Personal zu finden, wird immer schwieriger. Deshalb ist es wichtig, die Beschäftigen zu binden und gesund in die Rente zu bringen. Wer um Unterstützung fragt, rennt bei uns offene Türen ein.“

Krankenstand verursacht Kosten in Milliardenhöhe

Krankheitsbedingte Fehlzeiten verursachen sowohl für Unternehmen als auch für Krankenkassen und die Volkswirtschaft erhebliche Kosten: In Deutschland betrugen sie 2015 nach Schätzungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin rund 113 Milliarden Euro.

Mit ihrem großen Mitgliederbestand sieht sich die AOK PLUS deshalb in der Pflicht, die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Erwerbstätigen in Sachsen und Thüringen zu fördern – auch wenn positive finanzielle Effekte  für das Gesundheitswesen wohl erst in vielen Jahren sichtbar werden. „Es ist ein Marathon, kein Sprint“, so Stefan Knupfer.

Von der Maschinenbaufirma über den Einzelhandel und Pflegeeinrichtungen bis hin zum Kulturbetrieb reicht das Spektrum der Unternehmen, die erfolgreich mit der Gesundheitskasse zusammengearbeitet haben.

„Die Beschäftigung mit dem Thema Gesundheit hat die Atmosphäre zwischen Führungskräften und Mitarbeitern verbessert.“

von Torsten Wagner, Geschäftsführer der Klinik am Tharandter Wald

Eines ist die Reha-Klinik am Tharandter Wald in Hetzdorf (Kreis Mittelsachsen). Das Haus mit Schwerpunkt in den Bereichen Neurologie, Frührehabilitation, Orthopädie und Kardiologie hat 350 Mitarbeiter. Für Geschäftsführer Torsten Wagner rückte vor drei Jahren die Gesundheit seiner Mannschaft in den Fokus: Er hat Probleme, Fachkräfte zu finden, und will sein Personal gesund und fit halten. Schwimmhalle und Fitnessgeräte, die die Klinik ohnehin für ihre Patienten vorhält, stand auch dem Personal zur Verfügung, wurde aber nur spärlich genutzt.

Torsten Wagner erkannte, dass seine Mitarbeiter im Beruf zwar Gesundheitsexperten sind, sich aber kaum um sich selbst kümmerten. „Wir haben deshalb konkret diskutiert, was wir unter einer gesunden und dennoch wirtschaftlichen Klinik verstehen“, sagt er.

Betroffene zu Beteiligten machen

Geschäftsführung, Ärzte, Pfleger – Vertreter aller Hierarchiestufen setzen sich seitdem regelmäßig in einem Arbeitskreis zusammen, erörtern Stresssituationen und suchen gemeinsam Lösungen. Moderiert werden die Treffen von der AOK PLUS.

„Wir haben die Besuchszeiten besser strukturiert und entlasten dadurch das Personal“, nennt Wagner ein Ergebnis. Auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit der einzelnen Berufsgruppen funktioniere nun besser. „Als nächstes planen wir ein Führungskräfteseminar unter dem Motto ‚Mitarbeitergesundheit so sensibel wahrnehmen wie Patientengesundheit‘.“

„Wir gehen dahin, wo die Menschen sind: in Kitas, Schulen, Betriebe und Kommunen. Unsere Angebote orientieren sich am Bedarf. Damit bieten wir einen echten Mehrwert.“

von Stefan Knupfer, Vorstand der AOK PLUS

Die AOK PLUS engagiert sich in Sachen Prävention und Gesundheitsförderung jedoch nicht nur in Unternehmen wie der Klinik am Tharandter Wald. Auch in den sogenannten nichtbetrieblichen Lebenswelten – also in Familien, Kitas, Schulen und Kommunen – baute die Kasse ihr Engagement 2016 weiter aus und investierte insgesamt 6,2 Millionen Euro.

Die Gesundheitskasse bietet u.a. spezielle Kurse und Vorträge für junge Familien an und war 2016 in 72 Kitas sehr erfolgreich mit ihrem Jolinchenkids-Programm unterwegs. Davon profitieren nicht nur die Kinder von AOK-Versicherten, sondern alle in der Einrichtung, Erzieher und Eltern eingeschlossen.

Individuelle Prävention – unkompliziert und kostenfrei

Mit 20,9 Millionen Euro floss das meiste Geld erneut in die individuelle Prävention, also in Gesundheitskurse. Über 241.000 Teilnehmer besuchten einen solchen Kurs, mehr als in den Vorjahren. Die Gesundheitskasse ermöglicht die Teilnahme unkompliziert und kostenfrei auf Gutscheinbasis.

Weitere 7.700 Versicherte, die bereits Krankheitssymptome aufwiesen, nutzten Präventionsprogramme, um einer Verschlimmerung entgegenzuwirken. Diese Programme unterstützen Versicherte mit ersten Rücken- und Herz-Kreislauf-Beschwerden, Adipositas sowie bei ernährungsbedingten Erkrankungen.

Selbsthilfe stärken

Gestiegen sind auch die Ausgaben bei der Selbsthilfeförderung. Mit knapp 2,8 Millionen Euro wurden 1.473 Selbsthilfegruppen, -kontaktstellen und -organisationen unterstützt. „Es geht darum, gemeinsam tragfähige Strukturen aufzubauen und die Akteure untereinander zu vernetzen“, so Stefan Knupfer. „Damit helfen wir, dass sich Betroffene zu Experten in eigener Sache entwickeln.“

Ausblick

Für das Jahr 2017 besteht die Herausforderung darin, die Landesrahmenvereinbarungen, die im vergangenen Jahr für Thüringen und Sachsen unterzeichnet wurden, umzusetzen. Besonders erfreulich: mehrere bewährte Projekte, an diesen die AOK PLUS bisher maßgeblich mitgewirkt hat, sollen nun in sozialträgerübergreifende Gemeinschaftsprojekte überführt werden, darunter auch das Modellprojekt zur Gesundheitsförderung für Arbeitslose.

Kommentare (2)

  • M. A. Michael Kiesewetter

    am 08.05.2017 um 07.46 Uhr

    Sehr guter Artikel und die richtige Tendenz für die Zukunft.

    Geschäftsführer proagil GmbH

  • Verena Sturm

    am 02.05.2017 um 07.33 Uhr

    Kurz, knackig, informativ – das bewegt die AOK PLUS in der Gesundheitsförderung und Prävention. Vielen Dank!

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