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Zukunftsprogramm Krankenhäuser – Krise als Katalysator

Die Spezialisierung und Bündelung von Kompetenzen an bestimmten Krankenhäusern bleibt auf der Tagesordnung. Zusätzliche Gelder des Bundes erweitern die Möglichkeiten für eine gute Versorgung.

„Die Länder haben jetzt die Chance, mehr zu tun.“

Mit zusätzlichen drei Milliarden Euro will der Bund den Ländern Investitionen in eine zukunftsfähige Krankenhauslandschaft schmackhaft machen. Moderne Notfallkapazitäten, eine bessere und sichere digitale Infrastruktur sowie die Stärkung der regionalen Versorgungsstrukturen sind Schwerpunkte des „Zukunftsprogramms Krankenhäuser“. Die Finanzspritze erhalten die Länder nach den Spielregeln des bestehenden Krankenhausstrukturfonds – aber unter erleichterten Bedingungen: Statt 50 Prozent müssen sie und die Träger der Einrichtung nur 30 Prozent der geförderten Investitionen als Kofinanzierung selbst aufbringen.

Thomas Fritz, Leiter des Unternehmensbereichs Krankenhäuser und Rehabilitation AOK NORDWEST
Thomas Fritz

Nach dem Königsteiner Schlüssel stünden für Schleswig-Holstein rund 100 Millionen, für NRW rund 630 Millionen Euro bereit. „Die Länder haben jetzt die Chance, mehr zu tun, als sie sich bisher zutrauten oder leisten konnten“, meint Thomas Fritz. Er leitet den Unternehmensbereich Krankenhäuser und Rehabilitation bei der AOK NordWest. Fritz wertet das Programm als richtige Konsequenz aus der Corona-Krise und begrüßt deshalb die an sich „systemfremde“ Finanzierungsbeteiligung des Bundes. „Das ist eine sinnvolle Investition und kann den qualitätsorientierten Strukturumbau deutlich beschleunigen.“ Es sei zudem der richtige Zeitpunkt, um die Krankenhauslandschaft neu zu strukturieren und qualitativ besser aufzustellen. Letztlich habe sich auch in der Corona-Versorgung gezeigt, dass es auf klare Zuständigkeiten und regional gut aufeinander abgestimmte Versorgungsaufträge ankomme. Der zunächst oft zu hörende Rückschluss, das Vorhalten einer hohen Krankenhaus- und Bettendichte sei ein wesentlicher Erfolgsfaktor zur Bewältigung der Pandemie, habe sich nicht bestätigt. Denn: Der größte Teil der Covid-19-Patienten wird ambulant versorgt. „Und schwere Verläufe werden eben nicht in irgendeinem Krankenhaus behandelt, sondern vorwiegend in spezialisierten Häusern mit Beatmungskompetenz“, so der Experte. Kleinere Kliniken spielten bei der Versorgung indes eine untergeordnete Rolle: Vier von fünf der stationären Fälle wurden in Krankenhäusern mit mindestens 300 Betten behandelt. Nur jeder 20. lag in einer Klinik mit weniger als 150 Betten.

Am Reformbedarf habe die Pandemie nichts geändert, betont Fritz. Neben einer guten Grundversorgung seien die Spezialisierung und die Bündelung spezifischer Kompetenzen an bestimmten Standorten weiterhin geboten. Deshalb findet er es richtig, dass NRW weiter an den Plänen zur Reform der Krankenhauslandschaft festhält. „Das Zukunftsprogramm verschafft darüber hinaus zusätzlichen Spielraum, etwa bei der Digitalisierung“, meint Fritz. Dennoch müsse nach der Krise einiges neu bewertet und aufgearbeitet werden. Dazu gehöre die Vorhaltung der – jetzt weiter aufgestockten – Intensivbehandlungskapazitäten und deren Finanzierung. Zudem sei bereits vor der Corona-Welle deutlich geworden, dass die unterschiedlichen Vorhaltekosten in der Grund-, Regel- und Maximalversorgung differenzierter im Vergütungssystem abgebildet werden müssen. Hierzu will unter anderem Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg einen Vorschlag vorlegen.