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Taubblinden aus der Isolation helfen

Neues landesweites Selbsthilfeprojekt in Recklinghausen

10.11.2015

Recklinghausen. Taubblinden aus ihrer Isolation helfen und ihnen Mut für ein aktives selbstbestimmtes Leben machen – das ist das Ziel eines gemeinsamen landesweiten Projektes der AOK NORDWEST, AOK Rheinland/Hamburg und der Deutschen Gesellschaft für Taubblindheit. Dazu fand im Gehörlosenzentrum im Vest Recklinghausen die Auftaktveranstaltung unter dem Motto ‚Taubblind sein - Selbsthilfe leben lernen‘ statt. „Mit unserem gemeinsamen Projekt möchten wir die Lebenssituation taubblinder Menschen durch die Etablierung bedarfsgerechter Selbsthilfestrukturen in NRW systematisch und nachhaltig verbessern“, sagte Dirk Pisula, Abteilungsleiter Prävention der AOK NORDWEST.

Taub und blind leben, nichts oder fast nichts hören und sehen – das ist das Schicksal von fast 2.000 Taubblinden in NRW. Wie sich das anfühlt, konnten Interessierte und Angehörige im Rahmen einer Auftaktveranstaltung bei einer Simulation erfahren. „Für Menschen, die alle fünf Sinne benutzen können, ist es unvorstellbar, wie Taubblinde die Welt wahrnehmen, wie sie ohne Augenlicht und Gehör ihren Alltag meistern“, sagt Projektleiterin Hildegard Bruns von der Deutschen Gesellschaft für Taubblindheit gGmbH.

Bei der Auftaktveranstaltung erhielten Betroffene und deren Angehörige daher Informationen über die Selbsthilfearbeit und mögliche Unterstützung im Alltag zum Beispiel durch Hilfsmittel. So können taubblinde Menschen mit elektronischen Lupen oder Monitor basierten Lesegeräten das Alltagsgeschehen erfassen. Außerdem wurden Workshops zu Themen wie „Smartphone und Tablet als Hilfsmittel für Taubblinde“, „Bewegung und Entspannung“ oder auch das Empfinden von Musik über das Trommeln angeboten. „Aufgrund der besonderen Lebenssituation taubblinder Menschen und ihrer Angehörigen ist es wichtig, ihnen Chancen und Angebote der Selbsthilfe vorzustellen, um eine familienorientierte Selbsthilfe zu stärken“, so Pisula. Denn gerade für diesen Personenkreis seien ein regelmäßiger Austausch, der Erwerb von krankheitsrelevanten Informationen und Strategien für Angehörige sehr wichtig.

Aufgrund der doppelten Sinnesbehinderung sind Taubblinde von der Kommunikation mit anderen Menschen weitestgehend ausgeschlossen und können nicht am Leben in der Gemeinschaft teilhaben. Allzu verständlich ist es daher, dass sich Betroffene von der Welt zurückziehen und sich hauptsächlich in den eigenen vier Wänden bewegen. Die meisten sind von der Begleitung durch die Familie, Freunde oder Assistenten abhängig. Besonders für Familienangehörige ist dies eine große Herausforderung, da sie die Betroffenen sowohl bei der Lebensbewältigung aktiv unterstützen als auch als deren einzige Verbindung zur Außenwelt fungieren. „Mit der entsprechenden Unterstützung durch Assistenten und Gleichgesinnte in Selbsthilfegruppen können taubblinde Menschen ihr Leben selbstbestimmt und aktiv gestalten“, so Bruns. Ziel des Projektes sei es, durch Vernetzung Selbsthilfeangebote in Kommunen aufzubauen.

Weitere Informationen gibt es bei der deutschen Gesellschaft für Taubblindheit unter Telefon 02361 403 8062 oder unter www.gesellschaft-taubblindheit.de

Hintergrund
Das Projekt ‚Taubblind sein - Selbsthilfe leben lernen‘ ist auf drei Jahre festgelegt, um einen nachhaltigen Erfolg zu erzielen und stabile Vernetzungsstrukturen zu schaffen. Das Projekt wird gemeinsam mit dem Landesverband der Taubblinden e.V., der Landesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE NRW e.V., dem Leben mit Usher-Syndrom e.V. sowie dem NetzwerkBüro Frauen und Mädchen mit Behinderung NRW umgesetzt und von der AOK NORDWEST und der AOK Rheinland/Hamburg im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Selbsthilfeförderung mit jährlich 70.000 Euro über die kassenindividuelle Projektförderung finanziert.

Pressekontakt


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