Angebot anzeigen für:
Kontakt zu meiner AOK NORDWEST
Ort/Kasse korrigieren
Kundencenter werden geladen ...

Medikamentenversorgung: Sicherer mit Rabattverträgen

Arzneimittelrabattverträge werden oft für Lieferschwierigkeiten wichtiger Medikamente verantwortlich gemacht – zu Unrecht. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache.

Was haben die AOK-Rabattverträge mit Lieferengpässen bei Arzneimitteln zu tun?

Gar nichts – zu diesem Ergebnis kommt jetzt eine Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Im Gegenteil: „Die Arzneimittelrabattverträge erhöhen die Versorgungssicherheit, stärken den Wettbewerb und senken die Arzneimittelkosten“, sagt Helmut Schröder, stellvertretender WIdO-Geschäftsführer. „Durch die Lieferverpflichtungen erhalten Hersteller eine bessere Planbarkeit, was die Liefersicherheit erhöht“, ergänzt Andreas Heeke, Fachbereichsleiter Arzneimittel bei der AOK NORDWEST. Zudem bedeute ein Lieferengpass nicht immer, dass für die Patienten keine Medikamente zur Verfügung stünden. „Oft gibt es nämlich Alternativen zu Präparaten mit einem Engpass“, sagt Heeke.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Anfang September waren laut WIdO 99,3 Prozent der Arzneimittel, die zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet wurden, lieferbar und nur 461 Präparate vorübergehend nicht. Unter den 9.000 Arzneimitteln, für die es einen AOK-Rabattvertrag gibt, lag der Anteil der lieferbaren Arzneimittel demnach sogar bei 99,7 Prozent. Zudem hält es Heeke bei einem deutschen Anteil von gerade einmal vier Prozent am weltweiten Generikamarkt für „Unfug“, die Arzneimittelrabattverträge für zumeist global auftretende Lieferausfälle verantwortlich zu machen. „Wider besseren Wissens wird das Gerücht von umfangreichen Lieferengpässen geschürt und dass die Rabattverträge der Krankenkassen dafür die Ursache sind. Mit solchen Behauptungen sollen Rabattverträge diskreditiert und Druck auf die Politik ausgeübt werden“, meint Heeke. Das WIdO fordert daher, die vermeintlichen Versorgungsengpässe empirisch überprüfen zu lassen. Dies könne durch eine verpflichtende Meldung von Lieferengpässen geschehen. Schröder: „Es ist nicht einzusehen, dass wir den Weg unserer Paketsendungen online mitverfolgen können, dies aber bei der Arzneimittelversorgung nicht gelingen soll.“

Für die AOK-Rabattpartner gilt bereits seit Jahren die Vorgabe, dass sie die AOK über nicht lieferbare Produkte verpflichtend informieren müssen. Um Lieferengpässe zu vermeiden, müssen sie zudem einen ausreichenden Arzneimittelbestand vorhalten. „Auch deshalb sind sogenannte Exklusivverträge hilfreich“, erläutert Heeke. „Die Pharmafirmen können dann ihre Absatzmengen besser kalkulieren, als wenn sie mit mehreren Anbietern konkurrieren müssen.“ Rabattverträge für Generika bieten über die höhere Liefersicherheit hinaus den Vorteil, dass Patienten stabiler versorgt werden. So haben 2018 über 79 Prozent der Patienten, die einen rabattierten Wirkstoff über einen längeren Zeitraum einnehmen mussten, ihr Medikament dauerhaft von demselben Hersteller erhalten. Im Jahr 2006 – ohne Rabattverträge – waren Präparatewechsel noch deutlich häufiger (siehe Grafik unten).

Präparatewechsel bei wirkstoffbezogenen AOK-Patientenprofilen