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Krankschreibungen von Arbeitnehmern in der Pandemie: Gesundheitsberufe in Schleswig-Holstein am stärksten von Covid-19 betroffen

Pressemitteilung

Kiel (09.03.2021). Beschäftigte in Gesundheitsberufen waren in Schleswig-Holstein von März bis Dezember 2020 am stärksten von Krankschreibungen im Zusammenhang mit Covid-19 betroffen. Das ergab eine aktuelle Analyse der Arbeitsunfähigkeitsdaten der Mitglieder der AOK NORDWEST. Am häufigsten haben in diesem Zeitraum Medizinische Fachangestellte und Beschäftigte der Ergotherapie im Zusammenhang mit Covid-19 an ihrem Arbeitsplatz gefehlt. „Die Ergebnisse bestätigen erneut unsere bisherigen Analysen. Danach waren Beschäftigte aus Berufen mit vielen Kontakten zu anderen Menschen im bisherigen Verlauf der Pandemie stärker von Covid-19 betroffen als andere Berufsgruppen“, sagt Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK NORDWEST.

Insgesamt erhielten von den AOK-versicherten Erwerbstätigen in Schleswig-Holstein als größte gesetzliche Krankenkasse im Land von März bis Dezember 2020 genau 3.890 Beschäftigten von einem Arzt eine Arbeitsunfähigkeit im Zusammenhang mit einer Covid-19-Diagnose. Das entspricht 1.348 Erkrankte je 100.000 AOK-versicherten Beschäftigte oder 1,35 Prozent der AOK-versicherten Erwerbstätigen. Bei weniger als der Hälfte der betroffenen Beschäftigten wurde der gesicherte Nachweis der Infektion mit SARS-CoV-2 auf der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung dokumentiert (37,2 Prozent). Bei den übrigen Fällen lag ein klinischer Covid-19-Verdacht ohne Virusnachweis vor.

Medizinische Fachangestellte stark von Covid-19 betroffen
Insbesondere Medizinische Fachangestellte waren von März bis Dezember 2020 vergleichsweise häufig von Fehlzeiten im Zusammenhang mit Covid-19 betroffen. Hier war die AU-Quote mit 3,44 Prozent am höchsten. Auf den folgenden Rängen landeten die Beschäftigten in der Ergotherapie (3,13 Prozent), Assistenzkräfte in Rechtsanwaltskanzleien (3,0 Prozent), Berufe in der Kinderbetreuung und -erziehung (2,92 Prozent) sowie Zahnmedizinische Fachangestellte (2,91 Prozent). Die niedrigsten krankheitsbedingten Fehlzeiten im Zusammenhang mit Covid-19 zeigten sich von März bis Dezember in Berufen der Landwirtschaft mit einer AU-Quote von 0,37 Prozent und bei Fahrzeugführern im Straßenverkehr (0,6 Prozent).

Regionale Unterschiede in Schleswig-Holstein
Regionale Unterschiede im Covid-19-Infektionsgeschehen spiegeln sich auch bei den AU-Quoten wider. Die höchste AU-Quote lag in der Stadt Lübeck mit 2,52 Prozent gefolgt von den Kreisen Plön (2,13 Prozent), Pinneberg (1,84 Prozent), Flensburg (1,43 Prozent) und Herzogtum-Lauenburg (1,36 Prozent). Hingegen waren die Corona-bedingten AU-Quoten im Kreis Nordfriesland (0,78 Prozent), Kreis Rendsburg-Eckernförde (0,85 Prozent) sowie Neumünster (0,92 Prozent) im landesweiten Vergleich am geringsten.

Erhebliche Schwankungen beim Krankenstand
Die Covid-19-Pandemie hat die bisherige AU-Statistik des Jahres 2020 stark beeinflusst und zu teilweise erheblichen Schwankungen geführt. Zunächst gab es zu Beginn der Pandemie im März einen deutlichen Anstieg des Krankenstandes von 6,5 Prozent im Februar auf 7,4 Prozent im März. Von Mai (4,6 Prozent) bis August (4,9 Prozent) zeigte sich insgesamt ein deutlicher Rückgang, der jedoch ab September in die zweite Welle überging und im November erneut einen hohen Wert von 5,6 Prozent erreichte.  

Längere Krankheitsdauer bei psychischen Erkrankungen und Burnout  
Auffällig ist, dass nach einem stetigen Anstieg der Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen in den letzten Jahren erstmals wieder ein Rückgang zu verzeichnen ist. „Es ist zu vermuten, dass viele psychisch erkrankte Beschäftigte insbesondere in den beiden Lockdown-Phasen aus Angst vor Ansteckung auf einen Arztbesuch verzichtet haben“, sagt Ackermann. Allerdings zeigt sich parallel zur Abnahme der Fallzahlen von psychisch bedingten Krankschreibungen eine sprunghafte Zunahme deren Länge. So stieg die Dauer eines durchschnittlichen psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeitsfalls bei den AOK-Mitgliedern in Schleswig-Holstein im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 3,5 Tage von 28,5 Tage auf 32 Tage. Bei Burnout war ein Anstieg von 23,6 Tage in 2019 auf 25,2 Tage in 2020 zu verzeichnen. Damit bekam der Trend der letzten Jahre zu immer längeren Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen im Pandemie-Jahr 2020 einen weiteren Schub.

Bilder

Medizinische Fachangestellte waren von März bis Dezember 2020 in Schleswig-Holstein vergleichsweise häufig von Fehlzeiten im Zusammenhang mit Covid-19 betroffen.

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Pressekontakt

Jens Kuschel, Pressesprecher
AOK NORDWEST – Die Gesundheitskasse.
Edisonstraße 70, 24145 Kiel
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