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Experten diskutierten auf der zweiten AOK-Fachtagung über Chancen und Risiken der Arbeitswelten 4.0 für Unternehmen: Führen als Dienstleistung verstehen und Arbeit gesundheitsfördernd gestalten

Pressemitteilung

14. November 2017

Kiel. Die zunehmende Digitalisierung hat bereits heute starken Einfluss auf die Arbeit und deren Gestaltung im Betrieb. Dabei wird es immer wichtiger, auch das Wohlergehen und die Gesundheit der Mitarbeiter im Blick zu behalten, um frühzeitig bei Überlastungen und Problemen gegenzusteuern. Mit welchen konkreten Strategien und Maßnahmen Unternehmen in Schleswig-Holstein diese Herausforderungen meistern können, diskutierten heute namhafte Experten auf der AOK-Fachtagung ‚Arbeit, Gesundheit, Erfolg - Unternehmenskultur in Zeiten von Arbeitswelten 4.0’ in der Kieler Sparkassen-Arena.

Dr. Heiner Garg, Gesundheitsminister des Landes Schleswig-Holstein und Schirmherr der Veranstaltung, sagte anlässlich der Eröffnung der Fachtagung: „Neben dem demographischen Wandel verändert insbesondere die Digitalisierung die Arbeitswelt in erheblichem Maße. Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit stehen vor neuen Herausforderungen, die es gemeinsam zu bewältigen gilt.“ Eine chancenorientierte Digitalisierungsstrategie habe sich die Landesregierung für alle politischen Handlungsfelder auf die Agenda gesetzt. Der Bereich Arbeitsschutz sei eine Gemeinschaftsaufgabe, an der auch die einzelnen Unternehmen sowie die Krankenkassen und Unfallversicherungsträger als wichtige Akteure mit unterschiedlich definierten Aufgaben beteiligt seien. „Wichtig ist, dass gute Arbeitsbedingungen nicht nur helfen, Unfälle und Erkrankungen zu vermeiden. Sie helfen auch, individuelle Ressourcen zu stärken. Deshalb lohnt es sich, gemeinsam zu überlegen, wie wir Betriebe unterstützen können, ihre Beschäftigen möglichst lange gesund zu erhalten“, so Minister Dr. Garg.

Thomas Haeger, Landesdirektor der AOK NORDWEST betonte: „Eine gesunde Unternehmenskultur ist notwendig, damit die Digitalisierung den Arbeitsprozess und den Arbeitnehmer an geeigneter Stelle entlastet. Aber digitale Prozesse können nicht den zwischenmenschlichen Kontakt ersetzen. Kommunikation, Information und Wertschätzung gehören weiterhin zu den Grundlagen einer modernen Unternehmenskultur. Sie müssen stets angepasst werden, um angemessen auf die Herausforderungen der Digitalisierung reagieren zu können.“ Hierbei könnten die Unternehmen in den Arbeitswelten 4.0 von einem erfolgreichen Betrieblichen Gesundheitsmanagement profitieren. Denn Digitalisierung und neue Technologien wirken sich über die veränderten Arbeitsbedingungen direkt auf die Gesundheit der Beschäftigten aus. „Schlüsselwörter wie Vorbild, Verbindung und Vertrauen setzen entsprechende soziale Kompetenzen voraus. Sie brauchen aber auch die praktische Umsetzung und Anwendung im Alltag. Es reicht nicht darüber zu reden, man muss es auch leben“, so Haeger.

Sebastian Purps-Pardigol (Publizist, Führungscoach und Organisationsberater) informierte in seinem Vortrag darüber, dass Burnout und Überlastungssymptome inzwischen die Hauptursachen krankheitsbedingter Frühverrentungen seien. Die Gesundheit der Mitarbeitenden werde für viele Unternehmen überlebenswichtig. Und spätestens mit dem Beginn der digitalen Transformation werden Chefs auf das Potenzial der Mitarbeitenden zugreifen müssen. Ein Betriebliches Gesundheitsmanagement sei dabei eine wesentliche Maßnahme. Führungskräfte müssten damit beginnen, Menschen-zugewandt zu agieren. Zeigen, dass ihnen die eigenen Mitarbeitenden und deren Entwicklung am Herzen liegen. „Dazu braucht es ein anderes Selbstverständnis der Chefs in dem Sinne, dass Führungskraft zu sein kein Privileg ist, sondern eine Dienstleistung", so Purps-Pardigol.

Dr. Klaus Peters (Philosoph und Gründer des Cogito-Instituts für Autonomieforschung) hob hervor, dass sich mit der Übertragung unternehmerischer Herausforderungen auf abhängig Beschäftigte die Aufgabenstellung für den Arbeits- und Gesundheitsschutz ändern würde. Wenn die eigene Arbeit am Erfolg gemessen werde, an der Erreichung von Zielen, an Kennziffern, an der Überbietung von Benchmarks, tendierten Beschäftigte dazu, im Zweifel ihre eigene Gesundheit zu riskieren, um ihre Erfolge nicht zu gefährden. Peters spricht in solchen Fällen von „interessierter Selbstgefährdung“. Mitarbeiter und Führungskräfte wehren sich dann gegen wohlmeinende Interventionen oder unterlaufen von sich aus Regelungen des betrieblichen Gesundheitsschutzes. „Nachhaltig wirksame Prävention setzt unter diesen Umständen voraus, dass die Beschäftigten selbst die Wirkungsweise indirekter Steuerung begreifen und sich mit den neuen Widersprüchen in ihrer eigenen Interessenlage kritisch auseinanderzusetzen lernen“, so Peters.

Professor Dr. Bertolt Meyer (Direktor des Instituts für Psychologie an der TU Chemnitz) betonte, dass im Zeitalter der Digitalisierung und von Industrie 4.0 Unternehmen ihre betriebliche Gesundheitsförderung verändern müssen. Termindruck und Mehrfacharbeit begegne man am besten durch eine gesundheitsförderliche Gestaltung der Arbeitsbedingungen, die auch die psychische Gesundheit der Mitarbeiter im Blick habe. „Führung spielt dabei eine zentrale Rolle. Die dafür notwendigen Veränderungen in Unternehmen sind oft schwierig, aber notwendig“, so Meyer.

Erfolgreiches Betriebliches Gesundheitsmanagement gibt es nicht von der Stange, sondern es muss sehr individuell auf die Belange, die Bedürfnisse und die Möglichkeiten jedes einzelnen Unternehmens abgestimmt werden. Hier bietet die AOK NORDWEST spezielles Know-how durch eigene qualifizierte Präventionsfachkräfte an, die als Lotse durch die jeweiligen Prozesse fungieren. Situationsanalyse, Hilfe bei der Planung und Durchführung präventiver Maßnahmen sind Teil der Begleitung. Im letzten Jahr nutzten rund 150 Betriebe in Schleswig-Holstein diesen besonderen AOK-Service.

Weitere Informationen zum Thema Betriebliche Gesundheitsförderung und konkrete AOK-Angebote für Unternehmen gibt es im Internet unter www.aok-bgf.de/nw.

Bilder

Thematisierten die Herausforderungen der Digitalisierung für Unternehmen und deren Mitarbeiter, von links: Prof. Dr. Bertolt Meyer (Institutsdirektor für Psychologie der TU Chemnitz), Sebastian Purps-Pardigol (Führungscoach und Organisationsberater), Dr. Heiner Garg (Landes-Gesundheitsminister) und Thomas Haeger (AOK-Landesdirektor). 

Thematisierten die Herausforderungen der Digitalisierung für Unternehmen und deren Mitarbeiter, von links: Prof. Dr. Bertolt Meyer (Institutsdirektor für Psychologie der TU Chemnitz), Sebastian Purps-Pardigol (Führungscoach und Organisationsberater), Dr. Heiner Garg (Landes-Gesundheitsminister) und Thomas Haeger (AOK-Landesdirektor). Foto: Gahrens/AOK/hfr.
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Landes-Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg (links) und AOK-Landesdirektor Thomas Haeger informierten sich auf dem Markt der Möglichkeiten über die Angebote für Unternehmen im Bereich Betriebliche Gesundheitsförderung.

Dr. Heiner Garg, Gesundheitsminister Schleswig-Holstein und Thomas Haeger, AOK-Landesdirektor informierten sich auf dem Markt der Möglichkeiten über die Angebote für Unternehmen im Bereich Betriebliche Gesundheitsförderung. Foto: Gahrens/AOK/hfr.
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Dr. Heiner Garg, Gesundheitsminister Schleswig-Holstein
Dr. Heiner Garg, Gesundheitsminister Schleswig-Holstein

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Thomas Haeger, AOK-Landesdirektor
Thomas Haeger, AOK-Landesdirektor

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Sebastian Purps-Pardigol, Publizist, Führungscoach und Organisationsberater
Sebastian Purps-Pardigol, Publizist, Führungscoach und Organisationsberater

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Dr. Klaus Peters, Philosoph und Gründer des Cogito-Instituts für Autonomieforschung
Dr. Klaus Peters, Philosoph und Gründer des Cogito-Instituts für Autonomieforschung

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Prof. Dr. Bertolt Meyer, Direktor des Instituts für Psychologie an der TU Chemnitz
Prof. Dr. Bertolt Meyer, Direktor des Instituts für Psychologie an der TU Chemnitz

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Pressekontakt

Jens Kuschel, Pressesprecher
AOK NORDWEST – Die Gesundheitskasse.
Edisonstraße 70, 24145 Kiel
Telefon 0431 605-21171
Mobil 01520 1566136
E-Mail presse@nw.aok.de