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Basisfinanzierung für die Krankenhäuser?

Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg fordert eine Reform der Krankenhausfinanzierung. Er schlägt vor, die Vorhaltekosten für die akutstationäre Versorgung künftig aus der DRG-Vergütungssystematik auszuklammern und über eine erlösunabhängige Vergütungskomponente zu finanzieren. Dazu drei Fragen an AOK-Vorstandsvorsitzenden Tom Ackermann.

AOK-Vorstandsvorsitzender Tom Ackermann im Interview

Schleswig Holsteins Minister Dr. Garg will die Vorhaltekosten für die akutstationäre Versorgung künftig aus der DRG-Vergütungssystematik ausklammern und über eine erlösunabhängige Vergütungskomponente finanzieren. Wie beurteilen Sie den Vorschlag?

AOK-Vorstandsvorsitzender Tom Ackermann
Tom Ackermann

Den Ansatz, den Vorhaltungsbedarf bedarfsnotwendiger Krankenhäuser besser in der Vergütungsmechanik zu berücksichtigen, kann ich durchaus nachvollziehen. Dabei muss es darum gehen, die im Grundsatz bewährte DRG-Systematik weiterzuentwickeln. Der Sachverständigenrat Gesundheit hat zum Beispiel angeregt, den Vorhaltebedarf über pauschale Vergütungselemente besser abzubilden. Das setzt aber klare Definitionen voraus. An dieser Stelle wäre die im Diskussionspapier skizzierte Mechanik einer Basisfinanzierung weiter zu detaillieren. Auf keinen Fall darf die Diskussion auf eine verkappte Wiedereinführung des Kostendeckungs­prinzips hinauslaufen.

Das Diskussionspapier zeigt einige Fehlentwicklungen in der heutigen Krankenhausfinanzierung auf. Teilen Sie die Analyse?

Festzuhalten ist, dass für die Krankenhausversorgung insgesamt genügend Geld zur Verfügung steht, aber es nicht immer an der richtigen Stelle eingesetzt wird. Wie im Diskussionspapier beschrieben nutzen viele Krankenhäuser das DRG-System zur Erlösoptimierung – auch um fehlende Investitionsmittel auszugleichen. Dies spiegelt sich dann unter anderem in medizinisch kaum nachvollziehbaren Mengen­ausweitungen wider. Richtig ist auch die Feststellung, dass Krankenhäuser der Grund­versorgung aus ökonomischen Erwägungen viel zu oft komplexe Eingriffe vornehmen, die unter Qualitätsaspekten besser in speziali­sierten Einrichtungen erbracht werden sollten. Hier muss gegengesteuert werden. Wir brauchen mehr Qualitäts- statt Erlösorientierung.

Was muss geschehen?

Ein erster Schritt wäre, dass alle Länder ihren Investitionsverpflichtungen ausreichend nachkommen, damit DRG-Erlöse nicht für Investitionen abgezweigt werden müssen. Des Weiteren muss, wie im Diskussionspapier beschrieben, der Spezialisierungs- und Konzentrationsprozess in der Krankenhauslandschaft vorangetrieben werden. Das würde die Leistungsqualität verbessern und zugleich dem zunehmenden Personalmangel entgegenwirken. Hier müssen die Länder – unabhängig vom weiteren Verlauf der Vergütungsdiskussion – die Weichen bereits bei der Krankenhausplanung stellen. Die richtigen Eckpunkte sind ebenfalls im Diskussionspapier benannt: Die Krankenhausplanung muss sich stärker am regionalen Versorgungsbedarf und an verbindlichen Qualitätskriterien ausrichten. Die Vorgabe von Strukturmerkmalen und Mindestfallzahlen für bestimmte Eingriffe wären ein guter Anfang. Bei der Vergabe der jeweiligen Versorgungsaufträge ist dann die Leistungsfähigkeit der einzelnen Kliniken zu berücksichtigen. Bei planbaren komplexen Eingriffen steht für die Patienten die Qualität an erster Stelle und nicht die vielleicht etwas kürzere Fahrzeit zum nächstgelegenen Krankenhaus.