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Arzneimittel-Ausgaben in Schleswig-Holstein weiter gestiegen: Ärzte verordneten in 2017 Medikamente für fast 1,3 Milliarden Euro - AOK-Chef kritisiert ungelöstes Preisproblem bei neuen Arzneimitteln

Pressemitteilung

Kiel (18. April 2018). In Schleswig-Holstein sind die Ausgaben für Arzneimittel weiter gestiegen: Im vergangenen Jahr verordneten die niedergelassenen Ärzte im Land für die rund 2,4 Millionen gesetzlich Versicherten Medikamente im Wert von fast 1,3 Milliarden Euro. Das ist ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr von über 47 Millionen Euro (3,8 Prozent). Dies teilte heute die AOK NORDWEST auf Basis der aktuellen Statistiken des GKV-Spitzenverbandes mit. „Der Trend bei den neuen patentgeschützten Arzneimitteln geht zu verkürzten Zulassungsverfahren und immer höheren Preisen“, sagt AOK-Vorstandsvorsitzender Tom Ackermann. Der AOK-Chef kritisiert, dass es für die Hochpreispolitik der Pharmaindustrie trotz der gesetzgeberischen Maßnahmen noch immer keine Lösung gibt. „Die große Koalition ist gefordert, endlich verbindliche gesetzliche Regelungen zu treffen, um die ungebremste Preisentwicklung einzudämmen“, so Ackermann.

Hersteller in Deutschland können weiterhin für die ersten zwölf Monate den Preis ihres Arzneimittels frei festlegen und Mondpreise dafür verlangen. Erst nach einem Jahr gilt ein zwischen dem Anbieter und dem GKV-Spitzenverband auf der Grundlage der frühen Nutzenbewertung ausgehandelter Erstattungspreis. „Um der Hochpreisstrategie der Pharmafirmen zu begegnen, sollten sich die Erstattungspreisverhandlungen stärker am Zusatznutzen eines Wirkstoffs orientieren und die verhandelten Preise rückwirkend ab dem ersten Tag des Marktzugangs gelten“, so Ackermann. Außerdem kritisiert der AOK-Chef das Geschäftsmodell der Pharmaindustrie, wonach im ersten Jahr vermehrt neue Arzneimittel auf den Markt gebracht werden, um Höchstpreise zu realisieren. Nach Ablauf eines Jahres werden diese dann wieder vom Markt genommen und neue Produkte eingeführt. „Diese Vorgehensweise führt zu erheblichen finanziellen Belastungen des Solidarsystems und zwingt die Patienten, sich immer wieder auf andere Wirkstoffe einzustellen“, so Ackermann.

Neben der Preisentwicklung gibt es bei den patentgeschützten Arzneimitteln auch den Trend zu mehr beschleunigten Zulassungsverfahren. Deren Ziel ist es, neue Wirkstoffe für die medikamentöse Behandlung seltener Erkrankungen möglichst schnell für betroffene Patienten zugänglich zu machen. Gleichzeitig kommen dadurch aber immer mehr Produkte ohne eine ausreichende Datenbasis zu Nutzen und Risiken für die Patienten auf den Markt. „Nach der Zulassung werden zwar weitere klinische Studien und die kontinuierliche Überwachung der Arzneimittelsicherheit gefordert, doch ist der Marktzugang erst einmal erfolgt, kommen viele Pharmaunternehmen ihrer Verpflichtung nach weiteren Daten nicht ausreichend nach“, kritisiert Ackermann.

Im Durchschnitt bekam 2017 jeder gesetzlich Versicherte in Schleswig-Holstein Arzneimittel für rund 530 Euro verordnet. Damit lag Schleswig-Holstein unter dem bundesweiten Wert von 621 Euro. Insgesamt haben die Patienten im vergangenen Jahr Zuzahlungen für Arzneimittel in Höhe von über 78 Millionen Euro geleistet, das sind durchschnittlich rund 32 Euro je Versicherten.

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In Schleswig-Holstein sind die Ausgaben für Arzneimittel weiter gestiegen: Im vergangenen Jahr verordneten die niedergelassenen Ärzte im Land für die rund 2,4 Millionen gesetzlich Versicherten Medikamente im Wert von fast 1,3 Milliarden Euro.

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Jens Kuschel, Pressesprecher
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