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Arzneimittel-Ausgaben in Schleswig-Holstein im ersten Halbjahr 2018 erneut gestiegen: Hochpreistrend bei Arzneimitteln verschärft sich

Pressemitteilung

Kiel (11.10.2018). In Schleswig-Holstein sind die Ausgaben für Arzneimittel erneut gestiegen: Im ersten Halbjahr 2018 erhielten die rund 2,5 Millionen gesetzlich Versicherten Medikamente im Wert von über 660 Millionen Euro. Das ist ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 3,9 Prozent. Dies teilte heute die AOK NORDWEST auf Basis der aktuellen Statistiken des GKV-Spitzenverbandes mit. „Hauptursache dieses Anstiegs sind die immer höheren Preise für neue patentgeschützte Arzneimittel. Waren diese hochpreisigen Arzneimittel vor einigen Jahren die Ausnahme, sind sie heute die Regel geworden und den Preisvorgaben der Hersteller sind nach oben offenbar keine Grenzen gesetzt“, kritisiert AOK-Vorstandsvorsitzender Tom Ackermann.

Denn der deutsche Markt ist für die Pharmaindustrie besonders interessant und lukrativ. Nur hier wird jedes zugelassene Arzneimittel mit dem Markteintritt vollständig von der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet, in den ersten zwölf Monaten zu dem Preis, den der Pharmahersteller festlegt. Und das unabhängig davon, welchen Zusatznutzen das Medikament für Patientinnen und Patienten hat. Erst nach einem Jahr gilt ein zwischen dem Anbieter und dem GKV-Spitzenverband auf der Grundlage der ‚Frühen Nutzenbewertung‘ ausgehandelter Erstattungspreis. „Dieser Hochpreistrend belastet die Krankenkassen und damit die Beitragszahler erheblich“, so Ackermann. Deshalb fordert der AOK-Chef rückwirkende Preise für alle neuen Arzneimittel zum ersten Tag des Markteintritts: „Das wäre ein deutliches Signal an die Pharmafirmen, dass es sich nicht lohnt, mit Mondpreisen in den Markt zu gehen und überzogene Ansprüche an die Kostenerstattung durch die GKV zu stellen“, so Ackermann.

Neben der Preisentwicklung sind die Folgen verkürzter Zulassungsverfahren ein weiteres Problem bei den patentgeschützten Arzneimitteln. Deren Ziel ist es, neue Wirkstoffe für die medikamentöse Behandlung seltener Erkrankungen möglichst schnell für betroffene Patienten zugänglich zu machen. Gleichzeitig kommen dadurch aber immer mehr Produkte ohne eine ausreichende Datenbasis zu Nutzen und Risiken für die Patienten auf den Markt. „Ist der Marktzugang erst einmal erfolgt, kommen viele Pharmafirmen ihrer Verpflichtung nach weiteren Daten nicht ausreichend nach. Oft ergeben aber erst weiterführende Studien, dass das Medikament nicht den gewünschten Erfolg hat oder sogar riskante Nebenwirkungen mit sich bringen kann“, so Ackermann.

Im Durchschnitt haben die Patienten im ersten Halbjahr 2018 Zuzahlungen für Arzneimittel in Höhe von fast 40,5 Millionen Euro geleistet, das sind durchschnittlich mehr als 16 Euro je Versicherten.

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In Schleswig-Holstein haben die gesetzlichen Krankenkassen im ersten Halbjahr 2018 Arzneimittel im Wert von über 660 Millionen Euro bezahlt.

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Pressekontakt

Jens Kuschel, Pressesprecher
AOK NORDWEST – Die Gesundheitskasse.
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