Angebot anzeigen für:
Kontakt zu meiner AOK NORDWEST
Ort/Kasse korrigieren
Kundencenter werden geladen ...
Seitenpfad

AOK zu Gargs Plänen zur künftigen Krankenhausfinanzierung: „Mehr Qualität und ehrliche Diskussion um eine zukunftssichere Krankenhausversorgung“

Pressemitteilung

Land muss seinen finanziellen Verpflichtungen stärker nachkommen

Kiel/Berlin (29.01.2020). Die gestern von Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg in Berlin vorgestellten Pläne zur künftigen Krankenhausfinanzierung haben Licht und Schatten. Zu dieser Bewertung kommt die AOK NORDWEST als größte gesetzliche Krankenkasse im Land. „Die vorgeschlagene Basisfinanzierung dürfte in keinem Fall zu einer Wiedereinführung des Kostendeckungsprinzips durch die Hintertür führen. Für die Krankenhausversorgung steht grundsätzlich genügend Geld zur Verfügung, aber es muss effizienter eingesetzt werden“, sagte AOK-Vorstandsvorsitzender Tom Ackermann.

Die Analyse von Minister Garg, dass das komplexe DRG-System ökonomische Fehlanreize schaffe, teile die AOK NORDWEST. So würden auch von Krankenhäusern der Grundversorgung viel zu oft komplexe Eingriffe vorgenommen, die unter Qualitätsaspekten besser in spezialisierten Einrichtungen erbracht werden sollten. „Trotzdem hat sich das DRG-System im Grundsatz bewährt, muss aber weiterentwickelt werden“, so Ackermann. In diesem Zuge sei aber auch das Land gefordert, die Krankenhausplanung bedarfsgerechter und vor allem qualitätsorientierter auszurichten und die Versorgungsaufträge der Krankenhäuser klar zu definieren. Bisher spiele bei der Krankenhausplanung die Versorgungsqualität der Kliniken nur eine untergeordnete Rolle. Auch bei Standortdiskussionen stünden zumeist Aspekte wie örtliche Nähe der Krankenhäuser im Vordergrund und nicht deren tatsächliche Leistungsfähigkeit und Versorgungsqualität. Deshalb begrüße die AOK auch die von Minister Garg vorgeschlagenen Spezialisierungs- und Konzentrationsprozesse im Krankenhaussektor sowie eine engere Verzahnung von einer ambulanten und stationären Versorgung.

Außerdem bedarf es zwingend einer verlässlichen und ausreichenden Investition der Bundesländer. Nach dem gesetzlichen Prinzip der dualen Krankenhausfinanzierung haben die Länder für die Investitionskosten der Kliniken und die Krankenkassen für Betriebskosten aufzukommen. Während die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für die Krankenhausfinanzierung in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen sind, waren die tatsächlich bereitgestellten Investitionskosten der Länder hingegen rückläufig und deutlich niedriger als der gesetzlich vorgesehene Rahmen. Diese unzureichende Investitionsfinanzierung führte dazu, dass Krankenhäuser auch in Schleswig-Holstein extrem sparsam wirtschaften mussten, um aus ihren Betriebskostenüberschüssen dringende Investitionen überhaupt finanzieren zu können. „Hier sehen wir die Länder in der gesetzlichen Pflicht, ihrer Investitionskostenverpflichtung noch stärker als bisher nachzukommen, um damit die Basis für eine zukunftssichere Krankenhauslandschaft zu ermöglichen“, so Ackermann.

Hintergrund:
Die Grundidee der Krankenhausfinanzierung, mit dem DRG-System für alle Krankenhäuser einheitliche Fallpauschalen für vergleichbare tatsächlich erbrachte Leistungen einzuführen und damit eine gleichmäßig hohe Versorgungsqualität zum Patientenwohl zu wirtschaftlichen Preisen unter fairen Wettbewerbsbedingung zu schaffen, bildet eine tragfähige Grundlage. Allerdings hat sich das DRG-System seit seiner Einführung aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Diagnosen und Operationsschlüssel, deren Schweregrade, der Individualität von Behandlungsverläufen, der Pflegeintensität unterschiedlicher Erkrankungen stetig verändert und zu einem komplexen System weg von Fallpauschalen hin zu mehr Einzelleistungsvergütungen entwickelt. Diese Entwicklung birgt nicht nur Gefahren unbeabsichtigter Abrechnungsfehler, sondern auch gewinnmaximierender Abrechnungseffekte und der Schaffung systemischer Fehlanreize des DRG-Systems.

Das DRG-System steht in diesem Jahr vor der größten Reform seiner Geschichte. Durch das Pflegepersonalstärkungsgesetz wird für die Finanzierung der Pflegepersonalkosten ab 2020 das Selbstkostendeckungsprinzip wieder eingeführt. Das Pflegebudget bleibt zwar formal an den DRG-Katalog gebunden, der Abrechnungsmechanismus bewirkt jedoch, dass die individuellen Pflegepersonalkosten des Hauses stets vollständig von den Krankenkassen und damit auch den Versicherten, Beitragszahlern und Arbeitgebern gedeckt werden. Eine Wirtschaftlichkeitsprüfung findet nicht statt.

Bilder

In vielen Krankenhäusern der Grundversorgung werden zu oft komplexe Eingriffe vorgenommen, die unter Qualitätsaspekten besser in spezialisierten Einrichtungen erbracht werden sollten.

Format: JPG

Größe: 446 KB

Fotograf: AOK/hfr

Ansehen

„Für die Krankenhausversorgung steht grundsätzlich genügend Geld zur Verfügung, aber es muss effizienter eingesetzt werden“, sagt AOK-Vorstandsvorsitzender Tom Ackermann.

Format: JPG

Größe: 883 KB

Fotograf: AOK/hfr

Ansehen

Pressekontakt

Jens Kuschel, Pressesprecher
AOK NORDWEST – Die Gesundheitskasse.
Edisonstraße 70, 24145 Kiel
Telefon 0800 2655-505528
Mobil 01520 1566136
E-Mail presse@nw.aok.de