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AOK kritisiert hohe Gewinnmargen der Pharmaunternehmen zu Lasten der Beitragszahler: Patentgeschützte Arzneimittel treiben Kosten in die Höhe

Pressemitteilung

Kiel (16.07.2020). Die Ausgaben für patentgeschützte Arzneimittel haben in Schleswig-Holstein 2019 mit fast 697 Millionen Euro erneut einen Höchststand erreicht. Das ist ein Plus im Vergleich zum Vorjahr von 6,6 Prozent. Damit entfallen über 46 Prozent der gesamten GKV-Arzneimittelkosten in Schleswig-Holstein in Höhe von fast 1,5 Milliarden Euro auf diese Arzneimittel, die aber nur 6,3 Prozent der Versorgung abdecken. Das geht aus dem aktuellen Bericht des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zum GKV-Arzneimittelmarkt 2019 hervor. Die Entwicklung hin zu immer teureren Patentarzneimitteln, mit denen immer weniger Patientinnen und Patienten versorgt werden, geht mit konstant hohen Gewinnmargen der international agierenden Pharmafirmen einher. „Die hohen Preise für patentgeschützte Arzneimittel ermöglichen der Pharmaindustrie hohe Gewinne auf Kosten der beitragszahlenden Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Rentner und Selbständigen. Wenn sich dieser Trend weiter fortsetzt, wird die Entwicklung der Preise für die Finanzen der gesetzlichen Krankenkassen in Zukunft noch bedrohlicher“, sagt Dr. Christoph Vauth, stellvertretender AOK-Vorstandsvorsitzender.

Während eine Arzneimittelverordnung in Schleswig-Holstein im Durchschnitt 61 Euro kostet, liegt der Packungspreis für ein patentgeschütztes Medikament laut GKV-Arzneimittelindex bei durchschnittlich 453 Euro, also fast acht Mal so hoch. Kein Wunder, dass die Hochpreisstrategie bei den patentgeschützten Arzneimitteln die Krankenkassen erheblich belastet. Hintergrund ist, dass in Deutschland Hersteller für die ersten zwölf Monate den Preis ihres Arzneimittels frei festlegen können. „Das Problem der freien Preisbildung im ersten Jahr nach der Markteinführung verführt die Pharmafirmen dazu, Mondpreise zu verlangen, die sich an der Gewinnmaximierungsabsicht der Pharmaunternehmen orientieren und nicht am Nutzen des Medikamentes“, sagt Dr. Vauth. „Und es kann nicht sein, dass erst nach einem Jahr über eine Preissenkung verhandelt wird.“ Denn erst dann gilt ein zwischen dem Anbieter und dem GKV-Spitzenverband auf der Grundlage der frühen Nutzenbewertung ausgehandelter Erstattungspreis. „Um der Hochpreisstrategie der Pharmafirmen zu begegnen, sollten sich die Erstattungspreisverhandlungen stärker am Zusatznutzen eines Wirkstoffs orientieren und die verhandelten Preise rückwirkend – und zwar ab dem ersten Tag des Marktzugangs gelten“, so Dr. Vauth.

Auf der anderen Seite liegt es auf der Hand, dass die hohen Preise den Pharmaunternehmen hohe Gewinne ermöglichen. Die 21 umsatzstärksten Pharmaunternehmen erreichten bundesweit nach Angaben des GKV-Arzneimittelindexes zusammen Nettokosten von knapp 20 Milliarden Euro zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung. Die hohen Gewinne waren nicht zuletzt auf die drei umsatzstärksten Arzneimittel des Jahres 2019 Eliquis, Xarelto und Humira zurückzuführen. „Vor fünf Jahren hat die Einführung der ‚1.000-Euro-Pille‘ Sovaldi zur Behandlung von Hepatitis C mit einem Packungspreis von knapp 20.000 Euro noch Empörung ausgelöst. Mittlerweile sind sogar sechsstellige Arzneimittelpreise für Neueinführungen an der Tagesordnung“, so Dr. Vauth. In diesem Jahr kommen erstmals Arzneimittel mit Packungspreisen jenseits der Millionengrenze auf den deutschen Markt. Mit Zolgensma zur Behandlung der Spinalen Muskelatrophie ist das teuerste Arzneimittel mit einem Preis von 1,945 Millionen Euro pro Packung in Deutschland am Start. Diese neuen Medikamente lassen die Kosten im Patentmarkt noch einmal deutlich ansteigen. „Es sind unter anderem diese hohen Preise, die der Pharmaindustrie ihre hohen Gewinne ermöglichen. Bezahlen muss sie die Solidargemeinschaft der gesetzlich Versicherten. Der Gesetzgeber sollte angesichts der aktuellen Preisgestaltung im Patentsegment darüber nachdenken, wie Arzneimittel auch künftig für alle bezahlbar bleiben“, fordert Dr. Vauth.

Im Durchschnitt bekam 2019 laut GKV-Arzneimittelindex jeder gesetzlich Versicherte in Schleswig-Holstein Arzneimittel für knapp 600 Euro verordnet, ähnlich dem bundesweiten Wert von 603 Euro. Insgesamt wurden im Durchschnitt jedem GKV-Versicherten in Schleswig-Holstein zehn Arzneimittelverordnungen von den ambulant tätigen Ärzten verschrieben, das entspricht im Schnitt täglich 1,7 Medikamenten.

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„Der Gesetzgeber sollte angesichts der aktuellen Preisgestaltung im Patentsegment darüber nachdenken, wie Arzneimittel auch künftig für alle bezahlbar bleiben“, sagt Dr. Christoph Vauth, stellvertretender AOK-Vorstandsvorsitzender.

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Die hohen Preise für patentgeschützte Arzneimittel ermöglichen der Pharmaindustrie hohe Gewinne auf Kosten der Beitragszahler.

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Jens Kuschel, Pressesprecher
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