AMNOG

Das AMNOG (Arzneimittelneuordnungsgesetz) steht für faire Preise von Anfang an, dennoch ist der Trend zu hochpreisigen Medikamenten ungebrochen. Die AOK NordWest fordert eine Reform der Preisbildung für neue Arzneimittel mit Hilfe eines Erstattungsbeitrags.

Der Trend zu hochpreisigen Medikamenten ist ungebrochen. Reformen sind notwendig.

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Die Preisschraube für neue Arzneimittel dreht sich weiter

Nach mehr als zehn Jahren AMNOG ist aus Sicht der AOK eine Reform der Preisbildung für neue Arzneimittel überfällig. Zwar hat sich diese Tatsache schon vor der Corona-Pandemie abgezeichnet, eine Lösung ist aber mit Blick auf die drohende Finanzmisere der gesetzlichen Krankenversicherung zwingend. Denn der Trend zu hochpreisigen Arzneimitteln im Patentmarkt ist ungebrochen. Bei jedem vierten neuen Präparat belaufen sich die jährlichen Kosten inzwischen auf mehr als 100.000 Euro pro Patient. Immer mehr Arzneimittel werden beschleunigt zugelassen oder bei dünner Evidenz auf Basis geringer Daten zugelassen. Im Jahr 2019 erreichten die GKV-Nettokosten für patentgeschützte Arzneimittel einen bisherigen Höchststand von 21 Milliarden Euro, was einem Ausgabenanteil am Gesamtmarkt von 47,8 Prozent, aber einem Versorgungsanteil von nur 6,5 Prozent entspricht. „Es sind unter anderem die hohen Preise für neue Arzneimittel, die der Pharmaindustrie ihre hohen Gewinne ermöglichen. Bezahlen muss sie die Solidargemeinschaft der gesetzlich Versicherten. Der Gesetzgeber sollte deshalb endlich geeignete Maßnahmen ergreifen“, erklärt Birgit Ewen, Fachbereichsleiterin Arzneimittel der AOK NordWest. Im Mittelpunkt einer Reform sollten die überhöhten Einstiegspreise im Patentmarkt stehen. „Arzneimittelhersteller können für ihre neuen Medikamente den Preis im ersten Jahr nach Marktzulassung frei festlegen. Das ist und bleibt der Kardinalfehler des AMNOG. So kam es beispielsweise nach einem „Markt-Einstiegspreis“ bei dem Rheumamedikament Cimzia von 4.828 Euro zu einem verhandelten Erstattungsbeitrag von 2.859 Euro. „Deshalb favorisiert die AOK-Gemeinschaft einen vorläufig geltenden Erstattungsbeitrag, der anhand eines transparenten Kriterienkatalogs ermittelt wird“, so Ewen. Dieser „Interimspreis“ gelte für eine Übergangszeit, bis er durch den ausgehandelten Erstattungsbetrag ersetzt werde. So könne man den „Teppichhändlereffekt“, das anfängliche Einpreisen späterer Nachlässe, aushebeln.

Die Infografik zeigt, wie die Verhandlungen für einen Erstattungsbeitrag ablaufen.© AOK
Seite 29, G+G 6/2021

Die Preise senken

Am 1. Januar 2011 trat das Arzneimittelneuordnungsgesetz (AMNOG) in Kraft. Ein Ziel war es, die ausufernden Arzneiausgaben einzudämmen. Das AMNOG-Verfahren hat zwei Teile: die Zusatznutzenbewertung und die Preisverhandlung. Wenn ein pharmazeutisches Unternehmen ein neues Arzneimittel auf den Markt bringt, muss es dessen Zusatznutzen belegen.

Aktualisiert: 16.09.2021

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