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Voraussetzungen für die Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI) in der Gesundheitsversorgung – Positionen der AOK Nordost

Eine Vielzahl von Anbietern entwickelt seit längerem innovative, digitale Produkte, die das Potenzial haben, die Gesundheitsversorgung der Patienten in Deutschland zu verbessern. Ebenso lange wird über den Einsatz dieser Lösungen im deutschen Gesundheitssystem diskutiert. So werden in diesem Zusammenhang zu Recht Fragen zur Qualitätssicherung und zum Nutzen der Produkte gestellt.

Soll KI künftig den Arzt ersetzen?

Ein Teil dieser innovativen Lösungen sind Produkte, die künstliche Intelligenz nutzen. Diese gewinnt in der Gesundheitsversorgung zunehmend an Bedeutung, da sich auch die Technologie dahinter rasend schnell entwickelt. Entgegen der verbreiteten Annahme, soll KI nicht den Arzt ersetzen, sondern diesen unterstützen. Ein Beispiel hierfür sind Diagnoseassistenzsysteme, die dem Arzt bei der Diagnostik Zeit sparen. Diese Zeit steht dann wiederum für die tatsächliche Versorgung des Patienten zur Verfügung, was insbesondere im ländlichen Raum aufgrund des Ärztemangels die Effizienz der Gesundheitsversorgung optimiert.

Wie stehen Patienten zum Einsatz neuer Technologien?

Klar ist, ohne die Zustimmung der Patienten, kein Einsatz von KI. Doch die Patienten erkennen immer mehr die Möglichkeiten, die ihnen der Einsatz neuer Technologien in der Medizin eröffnet. Laut der repräsentativen Bevölkerungsumfrage „Future Health“ (2018) der Strategieberatung PwC stimmen 69 Prozent der Befragten grundsätzlich der Aussage zu, durch digitale Technologien könnten Krankheiten besser diagnostiziert werden. 68 Prozent stimmten der Aussage zu, dass mittels dieser Technologien Krankheiten besser behandelt werden könnten.

Wie finden innovative, digitale Lösungen den Weg in die Regelversorgung?

In Deutschland herrscht derzeit die Situation vor, dass gerade innovative, digitale Lösungen sehr selten in die Regelversorgung kommen und so die Patienten nicht in der Breite davon profitieren können. Auch in der Politik wurde das Thema mittlerweile erkannt. So spielt die Gesundheitsversorgung in den Eckpunkten zur „Strategie zur Künstlichen Intelligenz“, die im Juli im Bundeskabinett verabschiedet wurden, eine wichtige Rolle.

Die AOK Nordost hat die Problematik schon vor längerem erkannt und auch explizit in ihrem Positionspapier zur Zukunft der Digitalisierung im Gesundheitswesen angesprochen. So zeigen sich in der Praxis immer wieder die Schwierigkeiten, digitale Innovationen in die Versorgung zu integrieren. Wichtige Punkte hierbei sind die oben angesprochene Qualitätssicherung und der Nutzennachweis. Ohne diese beiden Aspekte geht es nicht.

Aus Sicht der AOK Nordost müssen endlich die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um die Potenziale ausschöpfen zu können. Das bedeutet im Einzelnen:

Die gesetzlichen Hürden, die momentan die Entwicklung zu einem innovativeren Gesundheitssystem verhindern, müssen abgebaut werden.

Es gilt, Erstattungsregeln für digitale Anwendungen zu etablieren. Aktuell sind digital-gestützte Anwendungen in der Regelversorgung nur in geringem Maß etabliert: So führt der einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) als Vergütungssystem nur wenige Ziffern für ausgewählte telemedizinische Anwendungen und die Videokonsultation. Zwar bietet auch das SGB V weitere Optionen zur Erstattung von digital-gestützten Versorgungsangeboten, beispielsweise für Modellvorhaben, besondere Versorgung, Satzungsergänzung und Innovationsfonds. Allerdings sind alle genannten Optionen an diverse Regularien und Anforderungen geknüpft, die den vertraglichen Erstattungsweg und damit die Zusammenarbeit für Krankenkassen mit den Anbietern teilweise stark erschweren. Die Etablierung eines neuen Paragraphen im SGB V, der eine einfachere Kooperationsmöglichkeit mit Anbietern digitaler Versorgungsangebote offerieren würde, wäre aus Sicht der AOK Nordost begrüßenswert.

Es wird eine gezielte Strategie benötigt, um das deutsche Gesundheitssystem innovationsfreundlicher zu gestalten.

Es bedarf einer schnelleren Nutzenbewertung für digitale Innovationen, anhand eines zentralen, für alle Akteure verbindlichen Kriterienkatalogs, der Voraussetzung für die Nutzung in der Versorgung ist und der der hohen Dynamik in diesem Bereich Rechnung trägt. Denn die aktuellen Prozesse zum Nachweis medizinischer Evidenz dauern zu lange, sind aufwändig und nicht auf digitale Anwendungen ausgerichtet.

 

Wie kann Qualität und Transparenz von KI-Anwendungen sichergestellt werden?

Der oben genannte Kriterienkatalog könnte als Grundlage zur Bemessung der Qualität und Transparenz für Entwickler, Partner und Nutzer dienen. Ob der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) für diese schnelle Nutzenbewertung der richtige Ort ist, ist zumindest fraglich. Es muss in diesem Sinne geklärt werden, ob der G-BA in einem besonderen Setting eine Bewertung übernehmen kann oder aber, ob eine Bewertung mangels Kongruenz mit den klassischen Themen des G-BA an eine andere Stelle übergeben werden sollte, die die Möglichkeit einer Übernahme in die Regelversorgung prüft.

Pressekontakt

AOK Nordost – Die Gesundheitskasse
Matthias Gabriel
Pressesprecher
Telefon: 0800 265 080 - 22202
E-Mail: presse@nordost.aok.de