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Nachhaltige Hilfe bei chronischen Kopfschmerzen

Laut einer populationsbezogenen epidemiologischen Studie der Schmerzklinik Kiel sind in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen von chronischen Kopfschmerzen betroffen.

AOK Nordost und Charité gehen gemeinsam neue Wege in der Schmerztherapie

Berlin, 9. September 2016. Anlässlich des Europäischen Kopfschmerz- und Migränetages am 12. September macht die AOK Nordost noch einmal auf ihr Versorgungsprogramm KopfschmerzSPEZIAL aufmerksam. In dem beispielhaften, für Berlin einmaligen Programm gehen Charité und AOK Nordost seit April vergangenen Jahres gemeinsam neue Wege in der Schmerztherapie: In einem koordinierten Versorgungsnetzwerk werden Versicherte der Gesundheitskasse, die an chronischen Kopfschmerzen leiden, in eine leitliniengerechte Versorgung gesteuert  und erhalten eine individuell auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Therapie.


KopfschmerzSPEZIAL sieht zunächst eine strukturierte Diagnostik von chronischen Kopfschmerz- und Migränepatienten innerhalb der Kopfschmerzambulanz der Charité vor. Die Schmerzexperten erstellen eine abgestimmte Medikamententherapie, leiten begleitende Maßnahmen wie Verhaltens- oder Bewegungstherapien ein und beraten Betroffene beim täglichen Umgang mit ihrer Krankheit. Die Kopfschmerzambulanz kooperiert zudem mit Fachärzten in Berlin und Brandenburg, an die die Patienten zur ambulanten Nachbetreuung überwiesen werden.


Laut einer populationsbezogenen epidemiologischen Studie der Schmerzklinik Kiel sind in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen von chronischen Kopfschmerzen betroffen. „Das Leid dieser Menschen ist groß. Nicht nur haben sie häufig eine lange und leider oft auch vergebliche Odyssee durchs Gesundheitssystem hinter sich. Die Erkrankung wirkt sich zudem auf alle Bereiche ihres Lebens aus. So kann oftmals der Beruf nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt ausgeübt werden und auch soziale Kontakte leiden darunter. Aber den Betroffenen kann sehr gut geholfen werden, wenn sie frühzeitig die richtige Behandlung und Betreuung erhalten“, betont Dr. Heike Israel-Willner von der Kopfschmerzambulanz der Charité.
Dennoch befinden sich viele dieser Patienten entweder gar nicht oder nur unzureichend in fachärztlicher beziehungsweise schmerztherapeutischer Behandlung. Auch der Einfluss verhaltensabhängiger und psychologischer Faktoren wird bei der Versorgung bisher viel zu wenig berücksichtigt.


„Mit dem multimodalen Ansatz in unserem Versorgungsvertrag KopfschmerzSPEZIAL gehen wir gezielt diese Mängel in der Behandlung und Betreuung von Menschen mit chronischen Kopfschmerzen an: Ein Team aus Ärzten, Psychologen beziehungsweise Psychotherapeuten und Physiotherapeuten setzt gemeinsam mit den betroffenen Versicherten eine individuell abgestimmte Therapie um. Gleichzeitig werden die Patienten zum richtigen Umgang mit der Krankheit geschult und entwickeln ein besseres Verständnis für deren Ursachen und Zusammenhänge“, erläutert Dr. Pia Thul, Leiterin des Bereiches Versorgungsmanagement bei der AOK Nordost.


Interessierte Versicherte können unter der Telefonnummer 030 - 450 660 168 direkt mit der Kopfschmerzambulanz der Charité einen Untersuchungstermin zur Teilnahme am Programm KopfschmerzSPEZIAL vereinbaren.

Interview: Dr. Heike Israel-Willner von der Charité-Kopfschmerzambulanz

Frage: KopfschmerzSPEZIAL orientiert sich am Ansatz der multimodalen Schmerztherapie. Was versteht man darunter und was sind die Vorteile für den Patienten?

Dr. Israel-Willner: Bei der multimodalen Schmerztherapie arbeiten Ärzte, Psychologen beziehungsweise Psychotherapeuten und Physiotherapeuten Hand in Hand. Nach der Diagnosesicherung erstellen sie einen gemeinsamen Therapieplan und tauschen sich auch immer wieder zum Behandlungsverlauf aus. Dabei werden neben der eigentlichen Erkrankung auch Begleiterkrankungen berücksichtigt und mit behandelt. Der Patient selbst ist in den gesamten Prozess stark eingebunden. So wird er beispielsweise im richtigen Umgang mit der Erkrankung geschult. Dazu gehört auch, dass er für Auslöse- und Verstärkungsfaktoren sensibilisiert wird, die er dann bewusst vermeiden kann. Insgesamt bekommt er so mehr Sicherheit im Umgang mit der Erkrankung und fühlt sich vor allem bei seinem Behandlerteam gut aufgehoben. Denn Schmerzpatienten haben häufig eine lange und leider oft auch vergebliche Odyssee durchs Gesundheitssystem hinter sich. Nicht selten resignieren sie irgendwann und entwickeln zusätzlich zu ihrer Schmerzerkrankung starke psychische Leiden. Ganz zu schweigen davon, dass die Erkrankung selbst irgendwann chronisch wird. Das kann mit einer gut abgestimmten multimodalen Schmerztherapie vermieden werden.

Frage: Im Zusammenhang mit chronischen Schmerzen taucht immer häufiger der Begriff „biopsychosozial“ auf. Was genau kann sich der Laie darunter vorstellen?

Dr. Israel-Willner: Es gibt verschiedene Modelle zur Beschreibung und Erklärung von Krankheit und Gesundheit. Bei dem sogenannten biopsychosozialen Modell könnte man allgemeinverständlicher auch von einem ‚ganzheitlichen Ansatz‘ sprechen, in dem nicht nur der körperliche Zustand, sondern auch das seelische Empfinden sowie die soziale Einbindung des Patienten als wichtige Faktoren bei der Entstehung, Aufrechterhaltung und Bewältigung einer Krankheit betrachtet werden.

Frage: Wie ist es generell um die Versorgung von Kopfschmerzpatienten in Deutschland bestellt? Was kann aus Ihrer Sicht gegen bestehende Mängel getan werden?

Dr. Israel-Willner: Die Versorgung ist leider noch unzulänglich. Patienten mit chronifizierten Kopfschmerzen sind nicht oder nur unzureichend in fachärztlicher Behandlung. Sie entwickeln häufig psychische Folgeerkrankungen wie Depressionen oder arznei-mittelinduzierte somatische Folgeerkrankungen wie Leberschädigungen und Niereninsuffizienz. Es ist eine positive Entwicklung, dass es in Deutschland bereits spezialisierte Kopfschmerzzentren gibt und Zentren, die im Rahmen der integrierten Versorgung multi-modale Behandlungsprogramme anbieten. Deren Anzahl ist jedoch nicht ausreichend, um den eigentlichen Betreuungsbedarf adäquat abzudecken. Darüber hinaus sollten noch mehr Hausärzte stärker sensibilisiert werden, Patienten mit chronischen Kopf-schmerzen frühzeitig an einen Facharztkollegen, sprich Neurologen oder Nervenärzte beziehungsweise Schmerztherapeuten zu überweisen.

Pressekontakt

AOK Nordost - Die Gesundheitskasse
Pressesprecher Matthias Gabriel
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